https://www.faz.net/-gum-877ei

Deutschland im Klimawandel : Sommerliche Hitze und Unwetter nehmen zu

  • Aktualisiert am

Experten prognostizieren für die nächsten Jahre konstante Niederschlagsmengen pro Jahr, warnen aber von zunehmenden Phasen von Starkregen, wie hier im Südwesten Bayerns. Bild: dpa

Hitzewellen und Gewitter dominierten in vielen Regionen den deutschen Sommer 2015. Weinreben und Waldbäume sind im Trockenstress. Müssen wir uns nun dauerhaft auf Extremwetterlagen einstellen?

          Über 40 Grad Hitze, wochenlange Dürre, Unwetter mit Regen-Sturzfluten - im Sommer 2015 hat Deutschland all das erlebt. Sieht so der Klimawandel aus? „Es passt ins Bild“, sagt Peter Hoffmann vom Potsdam Institut für Klimafolgenforschung (PIK).

          Wetterlagen könnten intensiver werden, das gelte für Hitze wie für lokale Unwetter. Es werde künftig mehr Tage ohne Regen und zugleich öfter extreme Niederschläge auf engem Raum geben. „Auf beide Extreme sollten wir uns künftig einstellen.“ Seit Jahren wird im hessischen Rheingau mit seinen berühmten Riesling-Weinbaulagen ein Temperaturanstieg gemessen. Die Reben treiben früher aus, auch die Lese im Herbst beginnt früher, wie aus Jahrzehnte alten Aufzeichnungen des Weinbauamts Eltville und der Außenstelle Geisenheim des Deutschen Wetterdienstes (DWD) hervorgeht. Der Austrieb der Reben beginnt danach inzwischen rund zehn Tage früher als vor 60 Jahren. Mit der Riesling-Ernte wird jetzt schon Ende September begonnen, drei Wochen früher als noch in den 1950er Jahren.

          Zugleich werden die Sommer im Rheingau immer trockener. Für die Reben bedeutet das Stress - mit quantitativen und möglicherweise auch qualitativen Einbußen.

          Boden so trocken wie seit 50 Jahren nicht mehr

          Wochenlange Trockenheit traf in diesem Jahr nach Angaben des DWD vor allem die Mitte Deutschlands. In Südhessen, Teilen von Nordbayern, Sachsen bis ins südliche Brandenburg sei der Boden Mitte August so trocken gewesen wie seit 50 Jahren nicht. In den betroffenen Regionen waren die obersten 30 bis 60 Zentimeter vollkommen ausgetrocknet.

          Besonders extrem sei die Lage im Rhein-Main-Gebiet. Grünflächen verdorrten, Bäume warfen mitten im Sommer Blätter und Nadeln ab. „Schon Anfang August haben viele Bäume auf Herbst-Modus umgeschaltet“, sagt Michael Gerst, Chef des Landesbetriebs Hessen-Forst. Normalerweise verfärbten sich die Blätter von innen nach außen, jetzt sei es umgekehrt - „ein Zeichen für Trockenstress“. Einzelne Bäume seien abgestorben, jeder dritte im Frühjahr gepflanzte junge Baum drohe zu vertrocknen.

          Weinreben treiben mittlerweile etwa zehn Tage früher aus als noch vor rund 60 Jahren. Mit der Riesling-Ernte wird inzwischen bereits Mitte September begonnen.

          Bei manchen Bäumen werde erst im kommenden Frühjahr zu erkennen sein, ob er Schaden genommen habe und nicht mehr oder nur spärlich austreibe, sagt Gerst. Einen einzelnen extremen Sommer verkrafte der Wald normalerweise. Aber dort, wo es seit Jahren Probleme etwa mit dem Grundwasser gebe wie in Südhessen, litten die Bäume jetzt dramatisch.

          Vielleicht gibt es künftig häufiger solche Sommer. Die Großwetterlagen änderten sich, sagt Klimaforscher Hoffmann. Es werde voraussichtlich weniger Westwindlagen geben - diese Lagen bringen das bei vielen Menschen unbeliebte kühle Schauerwetter. In diesem Sommer hatte es etliche Male Südwestlagen mit dem Zustrom heißer Luft aus der Sahara gegeben. Gleich zwei Mal war im bayerischen Kitzingen der neue Rekord von 40,3 Grad gemessen worden. „Diese Lagen werden sich wohl häufen“, sagt Hoffmann.

          Über das ganze Jahr gesehen bleibe die Niederschlagsmenge zwar gleich, aber die Verteilung werde sich ändern. Heiße Luft kann nach Angaben der Meteorologen mehr Wasser aufnehmen, und sie ist energiegeladen. Kommt es dann zu Gewittern, gibt es lokal den Starkregen, vor dem der Deutsche Wetterdienst in diesem Sommer häufig gewarnt hat.

          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android
          Neue App Der TAG jetzt auch auf Android

          Das neue Angebot für den klugen Überblick: Die wichtigsten Nachrichten und Kommentare der letzten 24 Stunden – aus der Redaktion der F.A.Z. – bereits über 100.000 mal heruntergeladen.

          Mehr erfahren

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Kurz’ Zögern : Gefangen in der Ibiza-Falle

          Lange wartete Österreichs Kanzler, bis er sich zum Video von FPÖ-Chef Strache äußerte. Dabei war ihm schnell klar, dass sein Vize nicht zu halten ist. Dessen Parteifreund Gudenus soll derweil weiter Kontakt zu der vermeintlichen Oligarchennichte gehalten haben.
          Die 45. Internationale Waffen-Sammlerbörse im März in Luzern

          Mit rund 64 Prozent : Schweizer stimmen für schärferes Waffenrecht

          Die Eidgenossen haben sich den Verbleib im Schengen-Raum gesichert: Eine Mehrheit sprach sich für die Übernahme der verschärften Waffenrichtlinie der EU aus. Bei einer Ablehnung wäre die Mitgliedschaft automatisch nach sechs Monaten erloschen.
          Heiko Maas vor einer Regierungsmaschine auf dem Flughafen in Berlin-Tegel

          Antrittsbesuch in Bulgarien : Maas hat wieder Pech mit seinem Flieger

          Zum dritten Mal in drei Monaten: Heiko Maas hat wieder Ärger mit einem Flieger der deutschen Bundeswehr. Bei seiner Reise nach Bulgarien hatte der deutsche Außenminister mehr als eine Stunde Verspätung, weil ein Triebwerk nicht ansprang.
          Werner Bahlsen

          Bahlsen gibt Fehler zu : „Es muss alles auf den Tisch“

          Der Bahlsen-Verwaltungsratsvorsitzende kündigt an, dass die Geschichte des Unternehmens fundiert aufgearbeitet werden soll. Was seine Tochter gesagt habe, sei falsch.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.