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Demographischer Wandel : Deutschland altert noch schneller als gedacht

Rentner auf einer Aussichtsterasse in Leipzig. 2060 werden 3,3 Millionen Deutsche älter als 90 sein – derzeit sind es 650.000 Bild: Jens Gyarmaty

Bis zum Jahr 2060 wird jeder zweite Deutsche mindestens 51 Jahre alt sein: Laut einer neuen Studie fällt der demographische Wandel hierzulande stärker aus als bisher angenommen. Nicht einmal hohe Zuwanderung könne den Alterungsprozess umkehren.

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          Der demographische Wandel wird stärker ausfallen als bisher angenommen. Bis zum Jahr 2060 wird jeder zweite Deutsche mindestens 51 Jahre alt sein. Die Zahl der Erwerbstätigen wird von heute 50 auf dann 36 Millionen zurückgegangen sein. Zudem wird es viel mehr sehr alte Menschen geben: Während es zur Zeit in Deutschland 650.000 Männer und Frauen gibt, die älter als 90 Jahre sind, werden es im Jahr 2060 rund 3,3 Millionen sein.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Das sind die Ergebnisse einer bisher unveröffentlichten neuen Studie des Wirtschaftswissenschaftlers Eckard Bomsdorf von der Universität zu Köln. Der verstärkte demographische Wandel werde gravierende Auswirkungen haben, wie in der Vergangenheit schon das Beispiel Sachsen gezeigt habe, sagt Bomsdorf. „Dort sind seit 1992 rund 1000 Schulen geschlossen worden, weil der Nachwuchs fehlte. Derartige Entwicklungen wird es in Zukunft vermehrt geben.“

          Für die Studie hat Bomsdorf erstmals auf der Basis der Volkszählung von 2011 und der Bevölkerungsstruktur von Ende 2013 die Bevölkerungsvorausberechnung bis 2060 vorgenommen. Die Untersuchung hat damit eine bessere Datenbasis als andere Demographiestudien aus den vergangenen 25 Jahren.

          Probleme für die Rentenkasse

          Dass es schon in den kommenden 20 Jahren zu einer starken Verschiebung in der Altersstruktur kommen werde, liegt nach Bomsdorfs Erkenntnissen vor allem an den „Babyboomern“. Die Jahrgänge zwischen 1950 und 1970 waren geburtenstark, haben aber selbst recht wenige Kinder bekommen. Schon bis 2035 wird dadurch, dass die Generation der Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheidet, der Umfang der Bevölkerung im Erwerbsalter um fast acht Millionen sinken.

          Die Belastungen für die Rentenkasse werden entsprechend steigen, warnt Bomsdorf. Damit das Rentensystem bei zunehmend älterer Bevölkerung leistungsfähig bleibe, sei die Rente mit 67 unabdingbar. „Nur wenn sie konsequent durchgesetzt und nicht durch weitere Eingriffe verwässert wird, kann das Rentenniveau trotz des demographischen Wandels relativ stabil bleiben, ohne dass die Beitragssätze allzu stark steigen müssen.“

          Deutschland brauche Zuwanderung, sagt Bomsdorf. Der Demograph hat ausgerechnet, dass die Bevölkerungszahl im Land bis 2060 ohne jede Zuwanderung unter 59 Millionen sinken würde. Allerdings könne auch die aktuell hohe Zuwanderung das demographische Problem nicht lösen. Es sei nicht mehr möglich, den Alterungsprozess der Bevölkerung zu verhindern. Nur die Geschwindigkeit dieser Entwicklung könne noch beeinflusst werden, in erster Linie durch qualifizierte Zuwanderung. „Wanderungen sind auch aus einem anderen Grund kein Allheilmittel: Es hilft niemandem, Entwicklungs- und Schwellenländer zu schwächen.“

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