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Deutscher Zukunftspreis : Neue Technologie ermöglicht Blick ins Herz ohne Katheter

  • -Aktualisiert am

Siemens-Forscher Bernd Ohnesorge Bild: Deutscher Zukunftspreis

Das entscheidend Neue an der Entwicklung ist die Verfeinerung der bereits seit knapp 30 Jahren eingesetzten Technik der Computertomographie (CT).

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          Wenn Bernd Ohnesorge an seine Zeit als aktiver Kunstturner zurückdenkt, fallen ihm vor allem seine Verletzungen wieder ein und die oft vergeblichen und langwierigen Arztbesuche. „Damals fing ich an, mich für Medizin zu interessieren, ohne dass mich ein entsprechendes Studium gereizt hätte“, erzählt der 33-Jährige. Also entschied er sich, nach seiner Ausbildung zum Elektroingenieur in die Medizintechnik zu gehen.

          In seinem ersten für die Firma Siemens Medical Solutions in Forchheim geleiteten Projekt gelang es Ohnesorge und seinem Team, eine Technologie zu entwickeln, die einen Blick ins menschliche Herz ohne Einsatz von Kathetern erlaubt.

          Fünf Jahre Arbeit für 200 Techniker und Ingenieure

          Das entscheidend Neue an seiner Entwicklung, so erklärt Ohnesorge, sei die Verfeinerung der bereits seit knapp 30 Jahren eingesetzten Technik der Computertomographie (CT). „Es ist uns gelungen, eine Maschine zu konstruieren, die bei einer verschwindend geringen Belichtungszeit von nur 100 Millisekunden in der Lage ist, scharfe und dreidimensionale Fotos mit einer Auflösung von 0,5 Millimeter zu schießen“, erklärt der Projektleiter.

          Für die Schichtaufnahmen kreist ein Messgerät mit einem Gewicht von einer Tonne in nur 0,4 Sekunden um den Patienten. Knapp fünf Jahre haben er und die etwa 200-köpfige Entwicklungsmannschaft von der ersten Idee bis zur Vervollkommnung der Technologie benötigt.

          Wesentlicher Vorteil im Vergleich zu dem bisher bei Herzuntersuchungen verwendeten Herzkatheter sei bei der CT die kurze und für den Patienten weitgehend risikolose Untersuchung. Treten bei der Methode mit Kathetern immerhin bei einem Prozent der Untersuchten Komplikationen auf, sei der Patient in einer CT lediglich für kurze Zeit einer Röntgenstrahlung ausgesetzt.

          Ersatz für eine Viertel Million Herzkatheder

          Mit der neuen Technologie erhalten die Mediziner einen umfassenden drei-dimensionalen Einblick in alle wesentlichen Teile des Herzens. Eingesetzt werden können die neuen Geräte zur Diagnose der Herzkranzgefäße aber insbesondere zur Früherkennung bei Risikopatienten.

          Herz-Kreislauferkrankungen sind in Deutschland die häufigste Todesursache: Jährlich sterben hier etwa 80.000 Menschen an einem Herzinfarkt. Gleichzeitig werden pro Jahr etwa eine halbe Million Herzkatheter gelegt - mehr als in jedem anderen Land der Welt. Die Hälfte davon, so erklärt Ohnesorge, aus rein diagnostischen Zwecken. Sie könnten somit durch die neue und wesentlich günstigere CT- Untersuchung ersetzt werden.

          Zwar werden die Herz-CT-Geräte bereits in verschiedenen Kliniken angewandt, seitens der Kardiologen, die bislang vor allem Katheter- Untersuchungen zur Diagnose einsetzten, sei aber Skepsis zu spüren. „Es ist aber ein Trend erkennbar, dass die Kardiologen wachsendes Interesse an der Herz-CT-Untersuchung zeigen“, beschreibt Ohnesorge. Überflüssig werden Herzkatheter seiner Einschätzung nach ohnehin noch lange nicht: „Für die Behandlung von Engstellen in den Herzkranzgefäßen sind sie nach wie vor nicht zu ersetzen.“

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