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Deutscher Zukunftspreis : Die Hebammen der „Sanften Chemie“

  • -Aktualisiert am

Martina Pohl (links) und Maria-Regina Kula Bild: Deutscher Zukunftspreis

Erstmals ist ein Frauenteam nominiert. Beim Projekt „Sanfte Chemie mit biologischen Katalysatoren“ soll jedoch nicht der emanzipatorische Fortschritt im Vordergrund stehen.

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          Zum ersten Mal steht ein Frauenteam auf der Nominierungsliste für den Deutschen Zukunftspreis. Die Biochemikerinnen Maria-Regina Kula und Martina Pohl vom Institut für Enzymtechnologie der Universität Düsseldorf sind Anwärterinnen für die mit 250.000 Euro dotierte Auszeichnung. Dabei soll bei ihrem Projekt „Sanfte Chemie mit biologischen Katalysatoren“ der wissenschaftliche und nicht der emanzipatorische Fortschritt im Vordergrund stehen.

          „Es kommt mir nicht darauf an, dass ich diese Leistung als Frau geschafft habe, sondern als Wissenschaftlerin“, betont die 65 Jahre alte Maria-Regina Kula. Die Trägerin des Bundesverdienstkreuzes hat mehr als 20 Jahre an ihrem Projekt gearbeitet. „Für mich wäre dieser Preis die Krönung meines Lebenswerkes“, sagt die in Berlin geborene Wissenschaftlerin.

          Biokatalysatoren sind sanfter...

          „Mein Ziel war es, einen besonders umweltschonenden Katalysator zu finden“, erläutert die emeritierte Professorin. Mit dessen Hilfe werden hochwertige Chemikalien für die Herstellung von Medikamenten, Duftstoffen und Pflanzenschutzmitteln erzeugt. Katalysatoren bewirken, dass chemische Reaktionen schneller und mit geringerer Energie ablaufen können.

          Die innovative Idee der in München lebenden Professorin: Sie isolierte das Enzym „Formiatdehydrogenese“ (FDH) aus der Hefe „Candida boidinii.“ Dabei fand sie heraus, dass es sich hervorragend als Biokatalysator eignet. „Damit war die sanfte Chemie geboren, denn Biokatalysatoren arbeiten mit Wasser als Lösungsmittel“, beschreibt Kula.
          Das Enzym FDH recycelt den für viele biochemische Reaktionen wichtigen Kofaktor NADH. Dieser wird normalerweise bei biochemischen Reaktionen verbraucht, was diese bislang unrentabel teuer machte. Nun können laut Kula eine Vielzahl von Verbindungen mit Hilfe biokatalytischer Prozesse hergestellt werden.

          „...und in der Herstellung billiger.“

          Als weiterer Schritt musste zuvor jedoch der Biokatalysator FDH selbst noch wirtschaftlich attraktiv produziert werden. An dieser Stelle setzte die Arbeit der 41-jährigen Martina Pohl aus Aachen ein. Die Forscherin stabilisierte das Enzym durch gentechnische Methoden: Sie veränderte ein Gen in Bakterien derart, dass diese ein für chemische Reaktionen besser geeignetes Enzym produzieren, als in der Natur vorgefunden. „Dadurch ist der Biokatalysator widerstandsfähiger, schneller und in der Herstellung billiger“, sagt Pohl.

          „Bis sich unsere Arbeit durchgesetzt hatte war es ein langer, harter und anstrengender Weg“, erinnert sich die 41-Jährige. Ihr Verfahren liefert heute bereits Schlüsselprodukte für Medikamente, die zur Behandlung von Aids oder Rheuma eingesetzt werden sollen. Gemeinsam mit ihrer Kollegin hofft sie, dass „mit Hilfe des innovativen technischen Verfahrens bald neue Medikamente für bisher nicht heilbare Krankheiten gefunden werden können.“

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