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Deutscher Zukunftspreis 2002 : Radargesteuerter „Protector“ soll Brummi-Unfälle vermeiden

  • -Aktualisiert am

Das „Protector-Team” der Daimler-Chrysler AG Bild: Deutscher Zukunftspreis

Der nach eigenen Angaben weltgrößte Lastwagenbauer hat seine Sicherheitsforschung intensiviert.

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          „Immer mehr Lastwagen auf der Autobahn“ klagen entnervte Pkw-Fahrer seit Jahren. Sie ärgert nicht nur der Kolonnenverkehr auf der rechten Spur, auch die Furcht vor einem heftigen Crash nimmt zu. „Die stetig steigende Verkehrsdichte wird als zunehmende Bedrohung für die Sicherheit wahrgenommen“, meint Jürgen Trost, Leiter der Vorentwicklung Mercedes-Benz Lkw.

          Immerhin gibt es etwa 2000 schwere Auffahrunfälle mit Lkw pro Jahr. Deshalb hat der nach eigenen Angaben weltgrößte Lastwagenbauer seine Sicherheitsforschung intensiviert und unter anderem das radargestützte Unfallverhütungssystem „Protector“ entwickelt. „Die Zulassung steht vor der Tür“, sagt Trost, der das Projekt mit seinen Kollegen Lorenz Schäfers und Ingo Scherhaufer entwickelt hat. Es ist eines von vieren, die für den mit 250 000 Euro dotierten Deutschen Zukunftspreis 2002 nominiert wurden.

          Warnsystem gegen den Schlaf hinterm Steuer

          „Protector“ erfasst - vereinfacht gesagt - mit seinem Radar die Umgebung und erkennt stehende sowie fahrende Hindernisse. „Hintergrund unserer Überlegungen war das reale Unfallgeschehen. Heute sind schon fast 30 Prozent aller schweren Lkw-Unfälle Auffahrunfälle“, erläutert der Ingenieur aus Untertürkheim. Gründe seien die langen Arbeitszeiten, die Verkehrsdichte und die monotone Arbeit der Brummi-Fahrer. Insider wissen, dass viele Fahrer schlicht eingeschlafen sind oder gerade am Radio fummeln, wenn sie auf einen Stau auffahren.

          „Protector“, laut Mercedes-Benz eine Weltneuheit und auf einer Million Kilometer erprobt, beobachtet die Umgebung durch den Radarsensor, der seine Informationen an ein Steuergerät gibt. “Das Steuergerät schafft sich eine künstliche Landschaft und beurteilt in dieser künstlichen Welt, wie sich das Fahrzeug verhalten wird und ob daraus eine Gefahr entsteht“, erklärt Trost.

          "Protector" warnt Fahrer, Umgebung und tritt auf die Bremse

          Im Fall des Falles tritt eine abgestufte Reaktion ein: Zunächst wird in einer kritischen Situation der Fahrer gewarnt, etwa mit einem roten Leuchtbalken im Cockpit. Wenn der nicht reagiert, wird die Umgebung aufmerksam gemacht - durch automatisches Hupen und die Warnblinkanlage. Ist die Lage noch kritischer, tritt „Protector“ elektronisch kräftig auf die Bremse. Viele Unfälle könnten sich so verhindern lassen, etliche würden zumindest glimpflicher verlaufen, sind sich die Autobauer sicher.

          Allerdings helfen die besten Sicherheitssysteme nicht, wenn sie nicht gekauft werden. Nur etwa zwei Prozent der Lkw sind mit den von Mercedes angebotenen Sicherheitstechniken ausgerüstet - auch der Airbag ist im Lkw kaum üblich. Grund: Der gnadenlose Preiskampf unter den Spediteuren. Hier wünschen sich die Entwickler die Hilfe der Gesellschaft. Finanzielle Anreize für sichere Lastwagen - weniger Maut, Versicherungssumme oder Kfz-Steuer - könnten mehr Sicherheit auf Deutschlands Straßen bedeuten. Und verhindern, dass die teure Sicherheitsforschung eingestellt wird, weil sie niemand kauft.

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