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Porzellan aus Deutschland : Entstaubt!

  • -Aktualisiert am

Tischkultur ist immer Formsache. Bild: Kahla

Altmodisch, langweilig, spießig – Porzellan aus Deutschland hatte bei jüngeren Käufern einen schweren Stand. Das hat sich geändert. Wonach es die heutigen Kunden wirklich verlangt.

          Deutsches Porzellan - manche Leute husten schon, wenn sie das hören, so verstaubt wirkt es auf sie. Wenn sie deutsches Porzellan kaufen, dann oft vom Flohmarkt. Goldrand und Ikea sind heute kein Widerspruch mehr. Auch sonst ist Porzellan kein Ladenhüter, es kommt nur eben meistens nicht mehr aus Deutschland, sondern aus Fernost.

          Nach Ansicht von Bernd Dibbern sind dafür nicht nur die Kunden verantwortlich. „Selbst renommierte deutsche Hersteller handeln damit, indem sie diese Produkte kaufen und mit ihren Labels versehen“, klagt der Fünfundsiebzigjährige. Dibbern hat sich mit seinem gleichnamigen Unternehmen auf die Produktion von Fine Bone China spezialisiert, das stabiler und widerstandsfähiger ist als herkömmliches Porzellan. Als er im Jahr 1997 das stillgelegte Hutschenreuther-Werk in Hohenberg im Fichtelgebirge übernahm, war die Branche im Umbruch. Weggefährten hielten ihn für einen Spinner.

          Doch Dibbern war sich seiner Sache sicher. Schon sein Großvater und Vater waren Porzellaner, als Generalvertreter arbeiteten sie. Dibbern, der bei „Schönwald“ in Oberfranken volontierte, anschließend zu Georg Jensen nach New York ging und schließlich ausländische Marken wie Iittala in Deutschland lancierte, fing an, selbst Porzellan zu entwerfen. Seine „Solid Color“-Serie sorgte für einen Bruch mit den in deutschen Wohnzimmern vorherrschenden Blumenmustern. Als das Werk, in dem seine Linie aus feinem Knochenporzellan für Hutschenreuther hergestellt wurde, 1997 schloss, eröffnete er es unter seinem Namen wieder.

          „Blue Birds“

          Dibbern erzielt heute als eines der wenigen Porzellanwerke Gewinn, seine Produkte werden im Bundeskanzleramt serviert, neuere Serien wie die „Blue Birds“ in der Cocktailbar „Les Fleurs du Mal“ von Charles Schumann. Entworfen hat sie der Hamburger Grafikdesigner Maik Hansen, der eigentlich Katalog und Website für Bernd Dibbern betreute, ehe er sich mit der Serie „Sea Side“ auch in der Porzellanbranche einen Namen machte.

          Andere Unternehmen besinnen sich auf ihre Vergangenheit, sie fangen an, Geschichten zu erzählen. Villeroy und Boch entstaubt alte Dekore, Rosenthal (zu dem die Marke Hutschenreuther heute gehört), legt nach hundert Jahren „Maria“ wieder auf. Das Service brachte Philipp Rosenthal senior 1916 auf den Markt, benannt nach seiner Frau, mit der er einen Sohn bekommt: Philip junior. Ende der Fünfziger hatte Rosenthal noch 10.000 Mitarbeiter, heute sind es gut 850, die ganze Branche kommt auf kaum mehr als 6000. Zwischenzeitlich hatte die Marke Insolvenz anmelden müssen, nun geht es langsam bergauf. Philip Rosenthal junior wäre in diesem Jahr 100 Jahre alt geworden, das Unternehmen feiert das Jubiläum mit Pomp und Trompeten.

          Doch die Kunden verlangen vor allem nach puristischeren Stücken, Produkten, wie etwa die Berlinerin Stefanie Hering sie macht. 1992 gründete sie ihre Manufaktur und ist mit Kollektionen wie „Piqueur“ erfolgreich, in der sie nicht nur an die Tradition der Jagdmotive anknüpft, sondern auch die gegenwärtige Jagdmode aufgreift.

          Der Dauerbrenner

          Ein Dauerbrenner ist weißes Porzellan. Rosenthal hat „Mesh“ im Programm, Meissen versucht es mit „Cosmopolitan“, Sieger by Fürstenberg hat mit „Seven“ ein gerade mal sieben Teile umfassendes Service auf den Markt gebracht.

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