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Deutscher Koch in Amerika : Bei ihm schmeckt die Wurst „über-juicy“

  • -Aktualisiert am

Mit 22 schlug Löbach in Hollywood auf, mit nichts als einem Koffer und seinen Küchenmessern in der Hand und der Aussicht auf einen Job im Century Plaza Hotel. Ein Urlaub in L.A. hatte dem jungen Kochgesellen den Floh ins Ohr gesetzt, dass hier das Leben einfacher und schöner sei. „Aber als ich ankam, war es Nacht, und ich hatte keinen Plan. Da war diese Stadt mit 18 Millionen Leuten, und hier war ich aus Wuppertal.“ Er schlief einige Nächte auf der Straße und „rief ein paarmal heulend meine Mutter an“, bevor er mit ein bisschen Glück und der Hilfe freundlicher Menschen Fuß fasste, eine Wohnung und seinen Job antrat.

Beliebtes Bistro: Dustin Hoffmann war schon hier, und Michael Clarke Duncan (der riesenhafte Häftling aus „The Green Mile“) auch.

Den hatte er sich allerdings anders vorgestellt. Für einen Stundenlohn von 3,25 Dollar ließ ihn der Küchenchef Paprika schneiden und „zehntausend Lachsrosen formen“, wie Löbach sagt. „Irgendwann dachte ich: Hierfür habe ich doch keine Gesellenausbildung gemacht!“ Er fand einen neuen Job beim Partyservice einer deutschen Metzgerei, baute sich einen Kundenstamm auf, stellte seine eigene Cateringfirma auf die Beine. Zunächst richtete er Events für die deutsche Botschaft und das Goethe-Institut aus, aber bald sagte man seinen Namen weiter.

„Mick Jagger hat einen feinen Gaumen“

Mitte der Neunziger stand er dann für die Rolling Stones in der Küche, um sie während der Aufnahme ihres Albums „Voodoo Lounge“ in der Villa des Produzenten Don Was zu bekochen - aus der Küche konnte er sie im mit dicken Vorhängen abgedichteten Wohnzimmer singen hören, allerdings ohne Instrumente. Abends um elf kam die Band zum Essen zusammen, und Mick Jagger gab die kulinarische Region vor: türkisch, italienisch, spanisch. „Mick Jagger ist ja ein vielfach gebildeter Mann, und ich kenne kaum jemanden mit einem so feinen Gaumen“, sagt Löbach. „Dem konnte man nichts unterschummeln, das musste hundertprozentig stimmen.“ Für Keith Richards briet er jeden Abend ein Steak, medium rare. Aber er war zu schüchtern, um nach einem Autogramm zu fragen. Jaggers Ehefrau Jerry Hall stellte Löbach und die Stones schließlich zu einem gemeinsamen Foto auf.

Außerdem kochte Löbach für Tom Cruise und Nicole Kidman, als sie noch ein Paar waren, organisierte Partys für Til Schweiger und Wim Wenders und bewirtete die Gäste von Hollywoods Superagenten Brian Lord. Gerüchten zufolge geht sein Hollywood-Einfluss weit über seine kulinarischen Künste hinaus: „Jada Pinkett bat mich vor ein paar Jahren, ein besonders sinnliches Menü für sie und ihren Mann Will Smith zu kochen, in einem Spa, den sie am Valentinstag eigens gemietet hatte.“ Löbach stellte ein Menü mit Kaviar und Shrimps, Schokolade und Erdbeeren zusammen - „lauter Aphrodisiaka“, sagt er und lacht. Denn später kam ihm zu Ohren, dass in dieser Nacht Willow entstanden sei, die Tochter der beiden, die inzwischen elf ist und selbst eine Filmkarriere macht.

Lieblingsgericht: Kürbisbrot mit Nutella, fritiert

Zu Hause übrigens kocht Kai Löbach nie - es sei denn, er schmeißt eine seiner berühmten Mittwochspartys. „Weil Donnerstag die Haushälterin kommt“, sagt er grinsend. Dann kredenzt er etwas aus seiner Outdoor-Küche am Pool. Essensgeruch im Hause kann er nämlich nicht leiden. „Ich könnte mich ekeln bei der Erinnerung an den sonntäglichen Kohlrouladengeruch in deutschen Mietshäusern“, sagt er. „Bei mir daheim gibt’s nur Graubrot mit Nutella.“ Zu Löbachs Lieblingsrezepten zählt Kürbisbrot mit Nutella, fritiert und mit Vanillesauce überzogen, dazu eine Brombeer-Coulis. Zu schade, dass im „Currywurst“ bloß Kekse zum Nachtisch angeboten werden.

Gibt es noch jemanden, den er gern mal bekochen würde? Löbach denkt einen Augenblick nach. Mit Sophia Loren, sagt er lächelnd, würde er gern mal auf den Markt gehen, um dann gemeinsam zu kochen: „Aber nicht italienisch!“

Es ist fast Mittag, und ein paar Leute, die auf der gegenüberliegenden Straßenseite auf den Einlass zur CBS-Show „The Price Is Right“ warten, kommen neugierig herüber, um sich die Zeit mit etwas Essbarem zu verkürzen. Während Löbach seinen Gästen das deutsche Fastfood serviert, geht draußen ein junger Mann in weißer Robe und langem blonden Haar vorbei. Er ist barfuß. „Schauen Sie mal, da ist Jesus“, sagt Kai Löbach. „Der kommt hier ein paarmal am Tag vorbei.“ Er lacht. „Only in America!“ Auf eine Currywurst ist Jesus noch nicht hereingekommen. Aber das kann ja noch werden.

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