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Deutsche Schüler und die DDR : Wann war noch mal die Mauer?

Er bietet für Klassen auch regelrechte Themenpakete zur DDR an. Erst bringe er den Schülern den im DDR-Museum mitunter bunt-bizarr dargestellten DDR-Alltag näher, danach führe er sie durch das ehemalige Stasi-Gefängnis Hohenschönhausen. Die Reihenfolge sei wichtig, sagt Schulze. „Wenn ich erst das Stasi-Programm mache, denken alle: Die DDR war nur furchtbar. Da reißt es der Besuch im Museum dann auch nicht mehr raus.“

Ihr Publikum finden die vielen Gedenk- und Ereignisstätten offenbar sowieso, denn all ihre Besucherzahlen steigen. Nach Hohenschönhausen kommen jährlich mehr als 350.000 Menschen, zum Checkpoint Charlie mit angeschlossenem Museum und Shop 850.000.

Ost und West sind für viele nur noch Himmelsrichtungen

Wie viele kommen aus echtem Interesse vorbei - und für wen ist das alles nur Pflichtprogramm, genau wie Fernsehturm oder Brandenburger Tor? Dass sie Letztere nicht besuchen werden, finden die meisten Schüler aus Schleswig nicht weiter schlimm. „Ist eben eine Studienfahrt“, sagt Anouk. Etwas anderes stört sie viel mehr, nämlich die nicht ganz gewöhnliche Führung von Schulze durch das DDR-Museum. „Ich versuche, die Schüler zu packen“, sagt Schulze.

Er hält sich deswegen nicht lange mit den üblichen Trabi-Anekdoten auf, sondern ernennt einen aus der Schülergruppe kurzerhand zum Funktionär der FDJ, der immer laut „Freundschaft“ zu rufen hat, wenn er einen Spitzel, sprich: einen Museumsgast, der nicht zur Gruppe gehört, in der Nähe wähnt. Der Schüler macht es brav mit, etwas irritiert ist aber auch er. Manchen Schülern wäre ein etwas weniger interaktiver Museumsbesuch wohl lieber gewesen, vielleicht sogar mit der einen oder anderen Trabi-Anekdote. Ihrem Lehrer aber gefällt es so besser. „Man hat schon die Sorge, den Schülern etwas zu bieten. An diese Führung erinnern sich die Schüler wenigstens auch noch in ein paar Wochen.“

Denn die Verführung zu vergessen ist groß, vor allem, wenn die Luft im Museum stickig ist und in manchen Köpfen die Diskokugel des schillernden Berliner Nachtlebens schon verlockend funkelt. Die Hauptstadt ist heute grell, rasant und laut - die DDR ist da für viele Schüler so weit weg wie der Dreißigjährige Krieg. Ost und West sind nur noch Himmelsrichtungen für sie.

Oder doch nicht? Benedikt hat sein Handy rausgeholt. Und nun diskutieren er und sein Bruder über das Bespitzeln. Datenmissbrauch könne man nämlich durchaus damit vergleichen, findet Salomo. „Dass man aneinander interessiert ist, finde ich ja okay, aber nicht, wenn die Neugier an anderen ein Teil des eigenen Lebens wird.“ Begriffe der digitalen Welt fliegen durch die Luft - NSA, Facebook, Amazon. Und plötzlich ist die DDR, 24 Jahre nach ihrem Untergang, für die Achtzehnjährigen doch noch einmal ganz nah.

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