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Deutsche Schüler und die DDR : Wann war noch mal die Mauer?

Auch für Hilscher und seine Schüler wird es eng. Sie kommen aus Schleswig im Norden der Republik. Nachdem sie bis zum Ende der Mittelstufe bei Hitler angekommen waren, begann für sie der Geschichtsunterricht in der elften Klasse wieder mit der feudalen Gesellschaft und ging über zum Senat und Volk von Rom. Erst im Abschlussjahr - vorausgesetzt, im Unterricht kam man vorher gut voran - steht die „Konkurrenz der Systeme“ auf dem Lehrplan. Das ist nicht nur in Schleswig-Holstein so. Geschichtslehrer Hilscher ärgert es trotzdem.

Den Ordner mit den Arbeitsblättern zur DDR hat er erst auf der Zugfahrt nach Berlin verteilt. „Sonst hätten den die meisten zu Hause vergessen.“ Für mehr Vorbereitung im Unterricht blieb keine Zeit. Also hat er sich ein straffes Programm ausgedacht: nach dem DDR-Museum gibt es eine Stadtführung zum Checkpoint Charlie, dort wird ein künstlerisch gestaltetes Mauer-Panorama angeschaut. Am nächsten Tag steht eine Fahrradtour entlang des früheren Mauerverlaufs an, die übrige Woche wollen sie dann noch nach Hohenschönhausen, ins ehemalige Stasi-Gefängnis. Ach ja, und an einem Abend ins Musical, „Hinterm Horizont“, aber auch da geht es um die DDR.

Eine Zeit, welche die Schüler nie erlebt haben

Die Schüler wussten, was auf sie zukommt, sie konnten zwischen drei Studienfahrten wählen. Nun stehen sie nach anderthalb Stunden Führung durch das DDR-Museum an der Spree und sind doch ein wenig platt. Manche von ihnen haben sich für die Berlin-Fahrt entschieden, weil sie sich für die Stadt und die DDR interessieren, einige andere, weil sie keine Lust auf die lange Busfahrt nach Irland hatten, wohin eine andere Schülergruppe aufgebrochen ist. Das sagen die Schüler ganz offen, und das weiß auch ihr Lehrer Hilscher. Den kümmert das aber nicht sehr. „Wenn ich nach der Fahrt bei einigen zumindest etwas Interesse wecken konnte, wäre das schon super.“

Bei Benedikt und Salomo muss er sich da keine sonderliche Mühe geben. Die beiden wissen sowieso schon viel über die DDR. Weil ihre Eltern ihnen einiges erzählt haben. Und weil sie die Biographie von Bundespräsident Joachim Gauck gelesen haben. Die Brüder sind erst 17 und 18 Jahre alt und wirken doch schon sehr erwachsen. Aber selbst Benedikt gibt vor der noch anstehenden Stadtführung zu: „Mir tun die Füße weh“, und setzt sich kurz hin.

Am Nachbartisch sitzt eine Gruppe britischer Touristen, nicht mehr ganz nüchtern, aber umso besser gelaunt. Einer trägt das Trikot der DDR-Fußballnationalmannschaft. Benedikt trägt ein T-Shirt von AC/DC. Das Trikot der DDR-Mannschaft würde er nicht anziehen, sagt er. Auch keine Fellmütze der NVA, wie sie in Berlin an jeder zweiten Ecke angeboten wird. „Das ist ja alles ganz lustig, aber die DDR war immerhin eine Diktatur.“ Das klingt sehr richtig und wahr - aber auch ein wenig auswendig gelernt. Als wüsste man genau, wie man die DDR zu bewerten hat, auch wenn man sie nie selbst erlebt hat.

Besucherzahlen der Gedenkstätten steigen

Die meisten Bürger sähen die DDR heute entweder mit extremer Ostalgie oder als Unrechtsstaat, sagt Hans-Michael Schulze. Zwischen diesen beiden Polen hingen auch viele Jugendliche in der Luft, das merke er immer wieder. Schulze ist Historiker und Referent im DDR-Museum. Er ist in Sachsen-Anhalt geboren, und mit seinen schulterlangen blonden Haaren und den geöffneten Hemdknöpfen hätte er in der DDR wohl als subversiv gegolten. Er ist ein Mann mit aufklärerischem Feuer in den Augen, aber auch ohne Illusionen: „Die Schüler haben die letzte halbe Stunde wahrscheinlich nichts mehr von dem mitbekommen, was ich ihnen erzählt habe.“

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