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Deutsche Farmer in Angola : Das Vermächtnis

Bild: David Klaubert

Einst verließ der Großvater die deutsche Heimat, um sein Glück in Afrika zu suchen. Der Vater ertrug fast dreißig Jahre Bürgerkrieg und wurde doch vertrieben. Nun kehrt der Sohn heim nach Angola. Eine Familiengeschichte.

          9 Min.

          Vollrat von Krosigk ist ein langer, bärtiger Kerl mit einem Stammbaum bis ins 12. Jahrhundert. Mit stoischer Geduld arbeitet er an seiner Lebensaufgabe. Er trottet über staubige Erde, ausgedörrt von der Sonne im Südwesten Afrikas, und schiebt ein Gefährt vor sich her, das aussieht wie ein klappriger Kinderroller, und das alle dreißig, vierzig Zentimeter ein Maiskorn in den Boden drückt. In der Mitte des Feldes, wo Termiten ihren Hügel gebaut haben, hebt von Krosigk die Sämaschine an, trägt sie um die Wohnstatt der Eindringlinge herum, dann trottet er weiter, und nach etwa fünfzig Schritten hat er das Ende des Ackers erreicht. Sein Maisfeld ist nicht einmal einen Hektar groß.

          David Klaubert

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Eingeklemmt zwischen zwei sumpfigen Bächen, belegt von Krosigks Feld nur einen Zipfel des Landes, das seiner Familie hier bei Quitila gehört, einem Dorf in der angolanischen Provinz Kwanza-Sul. Sein Großvater pachtete das Land einst von den portugiesischen Kolonialherren, und sein Vater bewirtschaftete das Land mit einer ganzen Treckerflotte. Als der Bürgerkrieg über Angola hereinbrach, harrte er hier so lange aus wie kein anderer Farmer. Der Krieg dauerte fast dreißig Jahre, den Frieden erlebte der Vater nicht mehr. Die Farm der Familie verfiel.

          “Das ist ein Vermächtnis“, sagt Vollrat von Krosigk. Er ist hier auf der Farm geboren und aufgewachsen, er hat in Kiel studiert und die Welt gesehen. Nun ist er 53 Jahre alt und zurückgekehrt auf das Stück Land am Ende der zwanzig Kilometer langen Lehmstraße, wo es keinen Strom gibt und keinen Mobilfunk. Von Krosigk will das Erbe seiner Familie wieder aufbauen - obwohl er selbst niemanden hat, dem er es einmal vermachen könnte.

          Ankunft in Angola: Familie von Krosigk in den 1930er Jahren; am Steuer Großmutter Minette, vorne der Nachbarfarmer „Onkel Koschki“ Bilderstrecke
          Ankunft in Angola: Familie von Krosigk in den 1930er Jahren; am Steuer Großmutter Minette, vorne der Nachbarfarmer „Onkel Koschki“ :

          Doch zurück nach Deutschland, zurück auf das flache Land bei Magdeburg, wo das angolanische Abenteuer der Familie von Krosigk begann. Großvater von Krosigk, geboren 1893 und wie so viele Männer seiner Familie auf den Namen Vollrat getauft, wuchs hier auf Gut Hohenerxleben auf. Seit 1466 war das beschauliche Schloss mit den weiten Ländereien im Besitz des obersächsischen Adelsgeschlechts. Weil aber sein ältester Bruder alles erbte, musste Vollrat Hohenerxleben verlassen und eine Anstellung als Gutsverwalter annehmen. Er heiratete, seine Frau Minette bekam drei Kinder, Eberhard, Illi und Krafft. Doch dann erreichte die Krise der Weltwirtschaft auch die Höfe auf dem preußischen Land, und Vollrat von Krosigk stand plötzlich ohne Arbeit da.

          Auch in anderen deutschen Adelsfamilien herrschte in den zwanziger Jahren Aufruhr. Mit der Weimarer Verfassung waren 1919 alle Standesvorrechte abgeschafft worden, viele Adlige fühlten sich in der liberalen Republik nicht wohl. Einige wanderten nach Südamerika aus, andere zog es ins nähere Afrika. Weil aber das Deutsche Reich seine Gebiete dort im Ersten Weltkrieg verloren hatte, und die Briten, Franzosen und Belgier keine Deutschen aufnahmen, blieben nur die portugiesischen Kolonien. Mehr als 1400 Deutsche wanderten nach Angola aus.

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