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Deutsch-britisches Verhältnis : Der Handtuchkrieg ist eröffnet!

Mit dem Zimmer auch die Liege am Pool und den Tisch im Restaurant reservieren? Bild:

Schlimme Nachricht für Engländer: Jeder zweite von ihnen hat deutsche Wurzeln. Das verstört kurz vor dem Aufbruch in die Ferien all jene Urlauber, die sich schon für die unvermeidlichen Scharmützel mit deutschen Hotelnachbarn rüsten.

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          Kurz vor dem Beginn der Sommerferien ist es Archäologen und Genetikern in England gelungen, das Selbstwertgefühl der Briten gründlich zu erschüttern. Die Forscher ermittelten anhand genetischer Vergleiche, dass dank der Besiedelung Englands durch die germanischen Stämme der Angeln und Sachsen in der Zeit der späten Völkerwanderung vermutlich die Hälfte der lebenden Engländer „deutsche“ Wurzeln hat. Das verstört kurz vor dem Aufbruch an spanische, portugiesische und griechische Strände all jene englischen Urlauber, die sich schon für die unvermeidlichen Scharmützel mit deutschen Hotelnachbarn rüsten.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Das Boulevardblatt „Sun“ brachte eilig einen Test, mit dessen Hilfe seine Leser herausfinden konnten, ob sie wirklich anfällig fürs „Deutsch-Sein“ seien. Die erste Frage: „Wie oft tragen Sie Sandalen mit Socken?“ Mögliche Antworten: „niemals“, „nur auf Mallorca“, „immer“. Bald kam die Zeitung aufs klassische Schlachtfeld jedes deutsch-englischen Sommerscharmützels: „Wenn Sie eine Sonnenliege neben dem Hotelpool sehen, was tun Sie?“ Es hätte keiner Antwortvorschläge bedurft, um jeden Leser zum Grinsen zu bringen. Die Varianten lauteten: „Ich mache ein Nickerchen und bestelle ein Bier“ oder „Ich lege ein Handtuch drauf. Sofort.“

          Sie sollen bitte auf das „deutsche Benehmen“ verzichten

          Damit ist der Handtuchkrieg eröffnet, den sich die Revolverblätter beider Nationen in jeder Urlaubssaison aufs Neue liefern, entzündet von einer beliebigen Kurzmeldung, ausgefochten auf den Schwimmbad-Terrassen und an den Stränden rund ums Mittelmeer. Und nicht nur dort: Der Handtuchkrieg des Jahres 2008 nahm seinen Anfang auf einem Kreuzfahrtschiff in der Karibik, nachdem der Kapitän in einer Durchsage seine Passagiere aufgefordert hatte, sie sollten bitte auf das „deutsche Benehmen“ verzichten, ihr Terrain auf dem Sonnendeck mit Frotteehandtüchern zu markieren. Ein Jahr später begannen die Feindseligkeiten wegen des angeblichen Angebots eines deutschen Reiseveranstalters, mit den Hotelzimmern gleich auch Tische im Restaurant und Sonnenliegen am Pool zu reservieren und zu buchen. Die „Daily Mail“ warnte: „Deutsche gewinnen den Handtuchkrieg.“

          Aber endgültige Siege oder Niederlagen werden in diesem Kampf nicht ausgefochten. Im vergangenen Jahr befeuerte die britische Regierung die Auseinandersetzung, indem sie vor der Urlaubssaison einen Bericht über „Benehmen im Ausland“ herausgab. Das Londoner Auswärtige Amt beklagte die vielen Festnahmen englischer Touristen wegen Alkohol- und Rauschgiftvergehen und bemängelte, die meisten Reisenden bereiteten sich nicht auf die Verhältnisse am Urlaubsort vor, „was zu vielen vermeidbaren Vorfällen führt“.

          „Wenn Sie nicht deutsch sind, fahren Sie da nicht hin!“

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