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Designer Gartenmöbel : Draußen vor der Tür

„PicNik” von Dirk Wynants und Xavier Lust ist Tisch und Doppelsitzer aus einem Stück Bild: Extremis

Die letzten warmen Sommertage auf den alten und dreckigen Plastikstühlen verbringen? Die neue Generation der Gartenmöbel ist dank ihrem Design und hochwertigen Materialien zu Allwetterware geworden - und fast zu schön für die Terrasse

          Es war kein Sommer für Gartenmöbel. Zumindest nicht für die althergebrachten, die nur an warmen Tagen hervorgeholt werden können und beim ersten Regen schon eine schützende Hülle benötigen. Beginnt ein echter Sommer unter Nachbarn oft mit dem fröhlichen Satz: "Ich habe die Terrassenstühle schon aus dem Keller geholt!", so dürften viele Verdrossene ihre Gartenmöbel dieses Jahr bereits wieder winterfest verpackt haben. Denn viele Möbel vertragen weder Wasser noch zu viel Sonne. Eigentlich, so könnte man meinen, taugen Stühle und Tische so gar nicht für draußen. Außer sie sind aus besonders beständigen und damit wertvollen Hölzern oder noch besser aus massivem Gusseisen mit dicker Lackschicht gefertigt.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Das war einmal. Möbel-Designer und -Hersteller nutzen inzwischen Materialien, die ganzjährig jeder Witterung trotzen können. Auch die Zeit, als Gartenmöbel stets als Gartenmöbel zu erkennen waren, ist vorbei. Die Kategorisierung Indoor oder Outdoor Furniture müsste es vielfach nicht mehr geben. Selbst Polstermöbel halten mittlerweile allen Jahreszeiten stand. Sogar Wohnzimmer-Klassiker etwa der Bauhaus-Zeit werden in speziellen Gartenvarianten neu aufgelegt - wie zum Beispiel die von Le Corbusier in den dreißiger Jahren zusammen mit Pierre Jeanneret und Charlotte Perriand entworfene LC-Serie, die der italienische Hersteller Cassina in diesem Frühjahr bei der Mailänder Möbelmesse mit einem wetterfesten Polyesterstoff präsentierte.

          Die Klassiker werden gartentauglich

          Herbert Hirches filigraner Sessel mit Hocker aus dem Jahr 1953 machte vor fünf Jahren den Anfang: Nachdem der "Lounge Chair" des Mies-van-der-Rohe-Schülers jahrzehntelang nur Prototyp geblieben war, brachte ihn der Stuttgarter Hersteller Richard Lampert in diesem Jahrzehnt erstmals auf den Markt - unter anderem mit Kuhfell bezogen. 2006 verfeinerte Eric Degenhardt dann den alten Entwurf noch weiter und streifte ihm im Auftrag Lamperts eine wasserabweisende Textilie über. Damit hatte die Designgeschichte ihren ersten klassisch gepolsterten Sessel, der sowohl im Wohnzimmer als auch im Garten verwendet werden kann. Lampert und Degenhardt bekamen dafür im Jahr 2007 den Innovationspreis der Kölner Möbelmesse.

          „Nestrest” benötigt einen starken Ast. Das 100 Kilo schwere Möbel gibt es aber auch zum Hinstellen

          Die Entwicklung war nur folgerichtig. Denn zuvor waren schon andere Klassiker gartentauglich gemacht worden - so auch eine der Ikonen des italienischen Designs: Der große Joe DiMaggio war 1969 gerade zum "größten noch lebenden Spieler" aller Zeiten gekürt worden, da entwarfen die Italiener Jonathan De Pas, Donato D'Urbino und Paolo Lomazzi ihm zu Ehren den Baseballhandschuh-Sessel "Joe" aus Leder (für Poltronova), der zugleich Ausdruck des "Blow-Up" in der Pop-Art war. 33 Jahre später entwickelte dann das New Yorker Unternehmen Heller eine Re-Edition aus einem synthetischen Polymer. Der knapp 30 Kilogramm schwere Kunststoff-Handschuh aus einem Guss und aus einer Form kann nun sogar im Garten überwintern - er macht sich aber zu jeder Jahreszeit genauso gut in (fast) jeder Wohnung.

          Kunststoff, Geflecht und ein Vogelnest

          Ein Plastikstuhl im Wohnzimmer - vor 30 Jahren noch undenkbar. Synthetisches galt als billig und minderwertig. Das änderte sich erst, als Designer wie der Franzose Philippe Starck und der Brite Ron Arad Kunststoffmöbel salonfähig machten. Sie gestalten Serienprodukte, die einen großen Namen tragen und trotzdem preisgünstig sind. Zudem sind ihre Möbel langlebig, selbst draußen vor der Tür. Ein schönes Beispiel ist Arads "Raviolo" (Magis). Der Sessel, wie aus einem Gummiband zur Endlosschleife geformt, war ebenfalls erstmals in diesem Frühjahr in Mailand zu sehen.

          Eine wahre Meisterin schöner Indoor-Outdoor-Möbel ist die in Mailand lebende Spanierin Patricia Urquiola, die vor allem für B&B Italia schon einige aufsehenerregende Entwürfe gefertigt hat. Ihre "Canasta"-Kollektion ist eine Hommage an das Wiener Geflecht, das mit seinen acht Ecken besonders dekorativ ist. Statt Stroh oder einer anderen Naturfaser verwendet sie natürlich ein Hightech-Material: Polyethylen.

          Auch der deutsche Hersteller Dedon ist mit geflochtenen Möbeln für draußen, aber auch drinnen bekannt geworden. Seine geheimnisvolle Faser, ebenfalls aus einem Polyethylen hoher Dichte, ist so gut wie gegen alles gefeit, was Möbeln in freier Natur zu schaffen machen kann. Von Dedon und den französischen Designern Daniel Pouzet und Fred Frety stammt die wohl romantischste Arbeit des Jahres: "Nestrest". Das überdimensionale Vogelnest, das aufgehängt oder hingestellt werden kann, ist mehr als ein Gartenmöbel. Es ist fast schon eine Zweitwohnung - allerdings nur an schönen Tagen.

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