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Nepal : Der Wiederaufbau nach dem Erdbeben stockt

  • Aktualisiert am

Nepalesische Touristen auf dem Silu-Mahadev-Tempel, der während des Erdbebens beschädigt wurde. Bild: dpa

In den ersten Monaten nach dem Erdbeben brachten Hilfsorganisationen sauberes Wasser, Nahrung und Zeltplanen nach Nepal. Nun soll wieder aufgebaut werden, doch die Politiker in Kathmandu haben andere Probleme.

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          Ein halbes Jahr nach dem gewaltigen Himalaya-Erdbeben beklagen Hilfsorganisationen fehlende Vorgaben von Nepals Regierung für den notwendigen Wiederaufbau. „Legal können wir keinen Stein auf den anderen setzen“, sagte ein Koordinator der Diakonie Katastrophenhilfe. Bei dem Beben am 25. April waren rund 9000 Menschen ums Leben gekommen. Mehr als 600.000 Häuser wurden zerstört.

          Auch andere Organisationen wie das Rote Kreuz und das UN-Kinderhilfswerk Unicef konzentrieren sich derzeit auf die Verteilung von Hilfsgütern und die Errichtung vorübergehender Unterkünfte und Schulen. Dabei steht der Winter vor der Tür. Wahrscheinlich könne erst im kommenden Jahr mit dem Bau permanenter Häuser begonnen werden, sagte am Sonntag Matthias Bryneson, Landesdirektor von Plan International.

          Bild: dpa

          Nepals Parlament war in den vergangenen Monaten vor allem mit der Ausarbeitung einer neuen Verfassung beschäftigt. Während dieser politischen Grabenkämpfe, bei denen auch Stühle flogen, gelang es den Abgeordneten nicht, die Pläne für den Wiederaufbau voranzutreiben. Eine dedizierte Behörde, die die Vorgaben für den Häuserbau entwerfen und Gelder verteilen sollte, wurde vom Parlament bislang nicht eingesetzt.

          Nationale Standards fehlen

          Die internationale Gemeinschaft hatte Nepal auf einer Geberkonferenz im Juni fast vier Milliarden Euro für den Wiederaufbau versprochen. Es sei normal, dass es von der Zusage bis zur Umsetzung einige Monate dauere, sagt Swarnim Waglé, Mitglied der Nationalen Planungskommission Nepals. Vor allem die Kredite der Asiatischen Entwicklungsbank und Weltbank würden bald ankommen. „Viele Geldgeber sind auch sehr langsam“, sagte er.

          Damit jeder Erdbeben-Geschädigte in Nepal die gleichen Leistungen bekomme, seien nationale Standards wichtig, erklärte Michael Frischmuth, Projektverantwortlicher der Diakonie in Nepal. Die Häuser müssten zum Beispiel erdbebensicher sein und sollten mit lokalen Materialen gebaut werden. Alle warteten auf die Vorgaben. „Wir haben die Blaupausen in der Schublade“, sagte er.

          Einige Hilfsorganisationen geben den Menschen mittlerweile Geld, um sich selbst zu helfen.
          Einige Hilfsorganisationen geben den Menschen mittlerweile Geld, um sich selbst zu helfen. : Bild: dpa

          Zahlreiche Nepalesen wollen nicht mehr warten und haben längst selbst mit dem Wiederaufbau begonnen - und sich dabei oft verschuldet. Einige Hilfsorganisationen sind dazu übergegangen, den Menschen kleine Geldbeträge auszuzahlen, damit sie selbst Einiges kaufen können. Andere geben Saatgut für Gemüse und Getreide sowie Hygiene-Artikel, außerdem Werkzeuge, Wellblech und Isoliermaterial für die Hütten.

          Es herrscht Benzinknappheit

          Eine Schwierigkeit ist für viele Organisationen auch der Mangel an qualifizierten Arbeitskräften. Nepal gehört zu den 20 ärmsten Ländern der Welt. Die meisten Nepalesen sind Bauern. Viele junge Fachkräfte arbeiten in den Golfstaaten auf dem Bau. „Selbst in der Verwaltung ist das technische Wissen und Verständnis nicht vorhanden“, sagte Bryneson von Plan International.

          Wegen der umstrittenen Verfassung protestieren im Süden Nepals mehrere Bevölkerungsgruppen und blockieren die Straßen nach Indien. Deswegen herrscht seit Wochen Benzinknappheit, was die Hilfslieferungen erschwert. „Wir können kaum noch irgendwohin fahren“, sagte Dibya Raj Poudel vom Roten Kreuz in Nepal. Die Malteser International berichteten, Lastwagen mit ihren Baumaterialien stünden seit Wochen an der Grenze in kilometerlangen Staus.

          Nach Schätzungen von Unicef sind noch rund 400 000 Menschen nicht ausreichend auf den Winter vorbereitet. „Die Notversorgung hat sechs Monate gut funktioniert“, sagte der Geschäftsführer von Unicef Deutschland, Christian Schneider, der Deutschen Presse-Agentur. Doch jetzt müssten die Menschen, vor allem die Kinder und schwangere Frauen, in den Bergregionen auf die kalte Jahreszeit vorbereitet werden. Im Winter könnten viele Dörfer von der Außenwelt abgeschnitten sein.

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