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Der vergessene Beatle : Pete, mach Schau!

Ein Beatle in der Uckermark: Vor dem Konzert seiner Band posiert Pete Best an der Oder Bild: Daniel Pilar

Der Mann, der kurz vorm Ruhm rausflog: Pete Best war Schlagzeuger der Beatles und wurde durch Ringo Starr ersetzt. Warum, weiß er bis heute nicht. Ein Treffen mit dem einstigen Beatle in der Uckermark.

          Am Tag, als ein waschechter Beatle in Schwedt auftreten soll, ist es in der Stadt fast gespenstisch ruhig. Ein, zwei radelnde Rentner, ein paar Fußgänger verlieren sich an diesem Nachmittag auf dem Platz zwischen Stadtkirche und Amtsgericht. Die Hotels sind ausgebucht, aber nicht wegen des Beatle-Besuchs, sondern weil das Schwedter Erdölverarbeitungswerk gewartet wird und dazu zweieinhalbtausend Monteure an die Oder reisten. Wo auch immer die sich aufhalten, auf den Straßen findet man sie nicht. Beatlemania sieht anders aus.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Das Theater der Stadt, Ende der Siebziger als sozialistisches Kulturhaus errichtet, wirkt von weitem so, als wäre jemand beim Versuch gescheitert, einen gigantischen Batman-Kopf aus Beton zu modellieren, und hätte das missglückte Werk am Ende einer Landebahn abgestellt. Es ist aber nur die Lindenallee, die als breite Schneise durch die Innenstadt aufs Theater zuläuft und direkt davor abbiegt. Zum polnischen Krajnik Dolny sind es laut Wegweiser vier Kilometer, ein zweites Schild zeigt stadteinwärts zur Agentur für Arbeit.

          Früher stand hier, wo nun der Theaterbau emporragt, das Markgrafenschloss, dessen Ruine nach dem Krieg gesprengt wurde. Noch vieles andere hat Schwedt verloren, Arbeitsplätze, auch etliche Einwohner. Zart sind die Pflänzchen der Hoffnung. Vom Schloss wird jetzt, immerhin, der Gartenzaun wieder aufgebaut, und das Theater gilt als Publikumsmagnet. Und noch etwas gibt es in Schwedt, seit vier Jahren bereits, alljährlich organisiert vom tapferen Theater: ein Beatles-Festival. Deshalb ist nun ein Beatle in der Stadt. Natürlich nicht John oder George, die beide längst tot sind, aber auch nicht Paul oder Ringo. Sondern Pete. Pete Best.

          Er war „der schwitzende Kerl im Hintergrund, der alles zusammenhielt”

          Er lebt noch

          Wer die Beatles kennt, der weiß nicht unbedingt, dass Pete Best einst bei ihnen das Schlagzeug spielte. Wer es weiß, der weiß meist nicht, ob Best überhaupt noch lebt. Und wer das weiß, der ahnt kaum, dass Best eine Website mit einem Link für alle hat, die ihn und seine Band buchen oder mit ihm sprechen möchten. Keine Stunde nach unserer Anfrage meldet sich Petes Bruder Roag und schickt seine Telefonnummer. Bei Paul McCartney, vermuten wir, würde sich die Kontaktanbahnung komplizierter gestalten. Allerdings ist für die Beatles Paul und Pete die Geschichte auch sehr unterschiedlich verlaufen.

          Jungen Menschen, die nicht wissen, wie früher das Popgeschäft funktionierte, könnte man Petes Geschichte so erklären: Er war der, der in der allerletzten Runde rausgewählt wurde. Und der aus der Ferne verfolgen musste, wie seine Bandkollegen Superstars wurden - keine „Superstars“, sondern Superstars, die größten überhaupt. Die Sache noch übler machte, dass Pete den Grund für den Rauswurf nie erfahren hat. Er hörte nur diesen einen Satz: „Die Jungs wollen dich raus haben.“ Ausgesprochen hat ihn der Manager Brian Epstein am 16. August 1962. Die Jungs, John, Paul und George, hatten Epstein vorgeschickt, um die bittere Nachricht zu verkünden. Mit keinem von ihnen hat Pete je wieder gesprochen, keiner hat sich bei ihm gemeldet. Acht Wochen später erschien „Love Me Do“, der erste große Hit der Band. Am Schlagzeug saß Ringo Starr. Randolph Peter Best, sein Vorgänger, musste mit zwanzig Jahren den Schlag verkraften, der sein Leben tragisch wenden sollte: Vom Publikumsliebling der Beatles zum größten Pechvogel der Popmusik.

          „Wir“ und „sie“

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