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„Zurück in die Zukunft“ : Der Tag, an dem Marty landen soll

Schnell aufs Hoverboard: Michael J. Fox als Marty in „Zurück in die Zukunft“. Bild: Imago

Endlich ist er da: der Tag, an dem Marty McFly in der Zukunft landen soll. Fans des Films fiebern ihm seit Wochen entgegen, Partys sollen steigen. Aber es ist nicht das letzte Datum, für das uns Filme die Zukunft vorhersagen.

          3 Min.

          Wer Trendsetter sein will, der stülpt sich schon mal die Hosentaschen nach außen oder bindet sich eine zweite Krawatte um den Hals. Heute nämlich beginnt die Zukunft, und da läuft man so herum. Jedenfalls in der Zukunft, wie sie sich die Macher der Filmtrilogie „Zurück in die Zukunft“ ausmalten, deren 1989 im Kino angelaufener zweiter Teil den von Michael J. Fox gespielten Helden Marty McFly ins Jahr 2015 führt. Genau am 21. Oktober 2015 landet Marty dank der Zeitmaschine seines väterlichen Freundes Doc Brown (Christopher Lloyd) in seiner fiktiven Heimatstadt Hill Valley, die sich seit seinem Start im Jahre 1985 ganz schön verändert hat. Am Mittwoch um 16:29 Uhr kalifornischer Zeit ist es so weit; in Deutschland wird es dann schon Donnerstag sein, 1:29 Uhr.

          Jörg Thomann

          Redakteur im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Fans der Reihe wird das vom Feiern nicht abhalten, von ihnen wird McFly sehnlichst erwartet. Auf Websites läuft der Countdown, im Fernsehen und in manchen Kinos wieder die Filme, und wer mag, der kann mit Gleichgesinnten Martys Ankunft entgegenfiebern; unter anderem werden „ZidZ“-Partys auf mehreren Kreuzfahrtdampfern gefeiert. Deren gemächliches Tempo will freilich nicht recht passen zu dem zur Zeitmaschine umfunktionierten DeLorean-Sportwagen aus den Filmen, mit dem Marty unfreiwillig das Raum-Zeit-Kontinuum durcheinanderbringt und so für eine Zukunft sorgt, die seine eigene, spätere Existenz gefährdet. „Zurück in die Zukunft I“, in dem es von 1985 zurück ins Jahr 1955 geht, ist heute ein nostalgischer und zugleich zeitloser Spaß, ein so komischer wie herzerwärmender Filmklassiker.

          Kommunikationszerstörer Smartphone

          Dem schwächeren zweiten Teil (der dritte spielt 1885) geht es wie vielen, die sich an kühne Prognosen wagen: Er sieht ein bisschen alt aus. Sein 2015 wirkt wie eine knallbunte Travestieshow, deren Details gleichwohl Beachtung verdienen. Das Wissensressort der FAZ hat die filmischen Visionen von „Zurück in die Zukunft“ schon im Januar dieses Jahres einem strengen Realitätscheck unterzogen, dessen Ergebnis sich durchaus sehen lassen kann. Zwar gibt es, sofern sich die Erfinder dieser Welt jetzt nicht mächtig ins Zeug legen, bis zum Stichtag keine fliegenden Autos oder Roboter, die Hunde spazieren führen; auch das Hoverboard, ein schwebendes Skateboard, hat noch keine Marktreife erlangt, und so etwas wie das Internet hätte man 1989 wohl für überdrehte Science-Fiction gehalten. Doch schon im Jahr 2015 des Films lassen sich Türen per Fingerabdruck öffnen und Telefonate per Videobild führen.

          Im 2015er Haus der McFly-Familie sieht das Fernsehzimmer, in dem über Flatscreens sechs Kanäle gleichzeitig laufen, mehr aus wie der Newsroom einer Zeitungsredaktion (Zeitungen werden übrigens auch in „ZidZ II“ noch gelesen). Die Szene am Abendbrottisch hingegen wirkt ausgesprochen prophetisch: Sowohl Marty Jr. als auch seine Schwester schirmen sich vom Familiengespräch mit Videobrillen ab, die zwar nicht wie die Google Glasses ins Internet geleiten, mit denen es sich aber fernsehen wie telefonieren lässt. Wer würde da nicht an den Kommunikationszerstörer Smartphone denken, wie ihn heute oft nicht nur die Kinder, sondern auch die Eltern neben sich auf dem Tisch liegen haben?

          Dass sich manche Vision des Films nicht erfüllt hat, ist indes nicht dem lahmenden technischen Fortschritt geschuldet, sondern dem Schicksal. Eine Queen Diana kann Amerika 2015 nicht besuchen, und das nicht nur, weil sich die Queen des Jahres 1989 als unkaputtbar erweist. Aus dem Filmscherz wiederum, dass 2015 ein gigantischer Hologramm-Hai für den Film „Der weiße Hai 19“ wirbt, ist in Wahrheit längst Ernst geworden, dank „The Fast and the Furious 8“ und etlichen anderen Fortsetzungsfilmen.

          Sneakers, die sich selbst verschnüren

          Pünktlich zum Jubiläum mühen sich auch die in der Filmreihe fürsorglich bedachten Marken, den sie betreffenden Teil der Prophezeiung zu erfüllen. Pepsi füllt Flaschen ab, wie sie im Film zu sehen sind, und Nike verspricht Sneakers, die sich endlich doch selbst verschnüren. Da passt es, dass es ein Werbespot von Toyota ist, in dem Michael J. Fox und Christopher Llyod jetzt noch einmal zusammenkommen und über die verschiedenen Zukünfte philosophieren. Aus heutiger Sicht für viele Lacher dürfte sorgen, dass Marty 2015 seine Kündigung via Fax erfährt, doch Lloyd beteuert, auch heute noch Faxe zu versenden - und auch seinem Kollegen eins schicken zu wollen.

          Pizza aus dem Hydrator und Videobrillen mit Telefonempfang: 2015 im Film.

          Alle Unterschiede jedoch könnten sich dadurch erklären lassen, dass es in der Filmreihe ja mehrere parallele Realitäten gibt - und auch unser echtes Jahr 2015 lediglich eine davon sein könnte. Wer weiß, wer da wann wo im Raum-Zeit-Kontinuum herumgepfuscht hat.

          Auch nach dem 21. Oktober darf man sich auf den Clash von wirklichen und filmischen Zukünften freuen. In den Kalender eintragen kann man sich das Jahr 2017, in dem die trashige Comic-Verfilmung „Barb Wire“ (1996) mit Pamela Anderson spielt, 2019 („Blade Runner“, 1982) und 2029 - das Jahr, in dem der „Terminator“ (1984) seinen ersten Auftritt hat. Und zwar, weil die Menschheit da gerade einen Atomkrieg hinter sich hat, hoffentlich ebenfalls in einem Paralleluniversum.

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