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Der Sternhimmel im September : Sonne auf Talfahrt

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Bevor am 23. September bei uns das Winterhalbjahr beginnt, gibt es zwölf Tage zuvor eine Sonnenfinsternis. Diese ist in Europa leider nicht sichtbar. Am Himmel wird dennoch einiges geboten. Der Sternhimmel im September.

          Die Sonne hat am 23. September um 11.51 Uhr die Hälfte ihrer Talfahrt vom Sommer- zum Winterpunkt zurückgelegt. Sie steht dann im Herbstpunkt, einem der beiden Schnittpunkte zwischen dem Himmelsäquator und der Ekliptik, der scheinbaren Sonnenbahn. Für die Nordhalbkugel der Erde hat damit das Winterhalbjahr begonnen, für die Südhalbkugel dagegen das Sommerhalbjahr. Infolge der steilen Lage der Ekliptik relativ zum Himmelsäquator in den Zeiten der Tagundnachtgleichen ändern sich die Mittagshöhen und damit die Auf- und Untergangszeiten unseres Tagesgestirns besonders rasch.

          Daher verliert die Sonne im September erheblich an Höhe, nämlich um exakt elf Grad im Monatsverlauf. Die Länge des lichten Tages nimmt um fast zwei Stunden auf elf Stunden und 44 Minuten ab. Wie schon die totale Mondfinsternis im August ist auch die partielle Sonnenfinsternis am 11. September in Europa nicht sichtbar. Nur in Teilen der Antarktis und in den südlichen Regionen Südamerikas sowie in angrenzenden Gebieten des Pazifiks und Südatlantiks kann sie beobachtet werden.

          Das große Sommerdreieck beherrscht den Himmel

          Tief im Westen steht mit dem Bootes das letzte Frühlingssternbild zum Untergang bereit. Ohne seinen hellen orangefarbenen Hauptstern Arkturus, der allerdings auch schon Mühe hat, sich gegen den Horizontdunst durchzusetzen, wären die drachenförmigen Umrisse dieses Sternbilds noch schwerer zu erfassen. Östlich an den Bootes schließen sich mit der Nördlichen Krone, dem Herkules und dem Doppelsternbild Schlangenträger/Schlange Sternbilder an, die ihre beste Sichtbarkeitsperiode hinter sich haben, sich jedoch noch vollständig über dem Horizont befinden. Im Gegensatz dazu sind die südlichsten Schützesterne unter die Horizontlinie gesunken, der dem Schützen vorausgehende Skorpion ist schon ganz verschwunden.

          Das große Sommerdreieck Wega, Deneb und Atair beherrscht immer noch den Südteil des Himmels, sein Schwerpunkt hat jedoch die Südlinie überschritten. Die zugehörigen Sternbilder Leier, Schwan und Adler nehmen aber noch nahezu ihre Höchststellung ein, wobei der Hauptstern des Schwans, Deneb, fast genau im Zenit zu finden ist. Der Schwan beherbergt mit dem Stern 61 einen interessanten Doppelstern, der mit Hilfe eines guten Feldstechers in zwei Sterne aufgelöst werden kann. Die beiden Komponenten dieses Doppelsternsystems umkreisen sich in knapp 700 Jahren einmal.

          Auch Sterne beschreiten kleine Ellipsen am Himmel

          Ihr gegenseitiger Abstand beträgt etwa 13 Milliarden Kilometer, damit sind die beiden Sonnen etwa dreimal weiter voneinander entfernt als der äußerste Planet Neptun von unserer Sonne. Der Stern 61 im Schwan ist vor allem dadurch berühmt, dass es bei ihm zum ersten Mal gelungen ist, eine Fixsternparallaxe und damit seine Entfernung zu messen. Infolge der Bewegung der Erde um die Sonne beschreiben auch die Sterne im Laufe eines Jahres kleine Ellipsen am Himmel. Diese sind umso größer, je näher uns die Sterne sind.

          Allerdings sind wegen der immensen Entfernung der Fixsterne diese parallaktischen Ellipsen winzig klein. Friedrich Wilhelm Bessel war der Erste, der eine solche Messung im Jahr 1838 an der Sternwarte in Königsberg erfolgreich vornahm. Die Parallaxe des Sterns 61 im Schwan wurde von ihm zu 0,3 Bogensekunden bestimmt, was einer Entfernung von elf Lichtjahren oder 104 Billionen Kilometern entspricht. Unter einem solchen Winkel von 0,3 Bogensekunden würde uns eine Ein-Euro-Münze in einer Distanz von 15 Kilometern erscheinen.

          Auffällige W-Form der Kassiopeia sind zu beobachten

          Unterhalb des Adlers ist das Tierkreisbild Steinbock an die Südlinie herangerückt, östlich folgt der Wassermann. Unter diesem hat der Südliche Fisch mit seinem hellen Hauptstern Fomalhaut die Horizontlinie überschritten. Östlich von Schwan und Adler finden wir mit Pfeil, Delphin und Füllen drei nur mit schwächeren Sternen ausgestattete Sternbildchen. Der Delphin kann dank seiner markanten Drachenform noch am leichtesten erspäht werden. In halbhoher Lage im Südosten fällt das große Sternenviereck des Pegasus ins Auge, dem sich die Sternenreihe der Andromeda anschließt.

          Oberhalb dieser beiden Konstellationen erblickt man die auffällige W-Form der Kassiopeia und schon zenitnah das aus lichtschwächeren Sternen bestehende Sternenfünfeck des Kepheus. Damit sind die wichtigsten Vertreter des Herbststernhimmels genannt. Unterhalb von Pegasus und Andromeda erstreckt sich mit den Fischen ein zwar ausgedehntes, aber nur aus schwachen Sternen bestehendes Sternbild. Diesem folgt östlich das kleine, aber dank hellerer Sterne auffällige Tierkreisbild Widder. Der große Wagen befindet sich unmittelbar vor dem Nordpunkt, den Capella im Fuhrmann bereits passiert hat. Zwischen Capella und den Andromedasternen hat sich der Perseus klar vom Horizont abgesetzt.

          Der Merkur bleibt in diesem Monat unsichtbar

          Jupiter wird zum Objekt des frühen Abends. Am Monatsanfang geht er eine halbe Stunde vor Mitternacht, am letzten Septembertag schon um 21.45 Uhr unter. Objekte der gesamten Nacht sind die äußeren Planeten Uranus und Neptun, für deren Beobachtung aber die Hilfe eines Fernglases oder Fernrohrs benötigt wird. Der im Tierkreisbild Wassermann befindliche Uranus steht am 9. September in Opposition zur Sonne.

          Kurz nach dem Untergang von Jupiter erfolgt der Aufgang von Mars, der dann bis zum Erscheinen der Venus den Nachthimmel beherrscht. Venus ist das dominierende Gestirn am Morgenhimmel. Sie verlagert ihre Aufgänge von 5.10 auf 3.40 Uhr und ist am Monatsende dreieinhalb Stunden lang als strahlender Morgenstern sichtbar. Der innerste Planet Merkur hält sich während des Monats in Sonnennähe auf und bleibt daher unsichtbar.

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