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Der Sternenhimmel im Januar : Der Löwe geht im Osten auf

  • -Aktualisiert am

Bild: dpa

Die nächsten Nächte werden sehr kalt und es bedarf schon besonderer Entschlossenheit, den Beginn des Jahrs der Astronomie mit der Betrachtung der lohnenswerten Wintersternbilder wie Fuhrmann, Orion oder Zwillinge zu würdigen.

          Vor genau 400 Jahren begann mit der Erfindung des Fernrohrs eine neue Ära in der Geschichte der Astronomie. Forschern wie Galileo Galilei gelangen mit dem neuen Instrument überraschende Entdeckungen. Das Wissen über das Universum erweiterte sich. Johannes Kepler formulierte seine ersten beiden Planetengesetze in dem ebenfalls 1609 erschienenen Werk "Astronomia Nova". Damit war es möglich, die Bewegung der Planeten zu erklären und die exakten Positionen der Wandelsterne vorauszuberechnen. Das alles hat die Vollversammlung der Vereinten Nationen dazu veranlasst, 2009 zum Jahr der Astronomie zu erklären.

          Der erste Monat des neuen Jahres beginnt gleich mit einer ringförmigen Sonnenfinsternis. Leider wird sie bei uns nicht sichtbar sein. Die Finsternis findet am 26. Januar statt und kann lediglich in Sumatra und Borneo von Land aus beobachtet werden. Ausgehend vom Südatlantik, quert die Finsternislinie den Indischen Ozean und endet östlich von Borneo in der Celebes-See. Im südlichen Afrika, im südlichen Indien, in Südostasien, in Australien sowie in Teilen der Antarktis kann man das Ereignis als partielle Sonnenfinsternis verfolgen.

          Schlagartig verschwinden Sterne

          Am Monatsanfang erst unmerklich, Ende Januar dann immer schneller steigt die Mittagshöhe der Sonne und damit die Länge des lichten Tages an. Die Höhe der Sonne über dem Südhorizont zur Mittagszeit wächst im Monatsverlauf von 17 auf 221/2 Grad an. Dadurch vergrößert sich die Tageslänge um eine Stunde und sechs Minuten und beträgt am Monatsletzten neun Stunden und 16 Minuten.

          Die Erde durchläuft am 4. Januar den sonnennächsten Punkt ihrer elliptischen Bahn, das Perihel. 147,1 Millionen Kilometer ist sie dann von unserem Tagesgestirn entfernt. Das sind fünf Millionen Kilometer weniger als zur Zeit der Sonnenferne im Juli. Die an hellen Sternen reichen Konstellationen des Winters sind nun schon über die Südlinie vorgerückt. Angeführt werden sie vom Stier, der auch die beiden auffälligen Sternhaufen Hyaden und Plejaden enthält. Am 7. Januar quert der zunehmende Mond den nordwestlichen Teil des Plejadenhaufens und bedeckt dabei auch einige helle Plejadensterne. In Frankfurt verschwinden die Sterne Electra um 17.24 Uhr, Taygeta um 17.47 Uhr und Maia um 17.52 Uhr hinter dem dunklen Mondrand. Dieses Ereignis kann man mit einem guten Fernglas oder einem kleinen Fernrohr verfolgen. Da der Mond keine Atmosphäre besitzt und die Fixsterne nahezu punktförmig erscheinen, verschwinden die Sterne schlagartig.

          Der große Himmelsjäger

          Die übrigen Wintersternbilder Fuhrmann, Orion, Zwillinge sowie Großer und Kleiner Hund bevölkern die Himmelsregion von Süd bis Südost. Auf dem kleinen Himmelsareal, das weniger als zehn Prozent der gesamten Himmelsfläche einnimmt, stehen sieben Sterne der ersten Größenklasse. Das sind 40 Prozent der Sterne dieser Helligkeitskategorie, was dem winterlichen Sternhimmel sein prachtvolles Aussehen verleiht.

          Der Orion, das schönste dieser Bilder, hat die Südlinie erreicht. In dieser Sternkonstellation sahen die alten Griechen den großen Himmelsjäger. Leicht lässt sich in den Konturen dieses Bildes eine menschliche Gestalt erkennen. Die Sterne Beteigeuze (arabisch für "Schulter des Riesen") und Bellatrix bilden die Schultern, Rigel (arabisch für "Fuß") den Fuß. Auffallend ist auch die Reihe dreier nahezu gleich heller Sterne zweiter Größe, die in einer geraden Linie stehen und den Gürtel des Orion bilden. Die Germanen sahen in dieser Dreiergruppe den Spinnrocken der Göttin Frigga. Frigga war die Gattin ihres höchsten Gottes Odin. Die Germanen glaubten, dass sie mit ihrer goldenen Spindel und dem Spinnrocken den Schicksalsfaden der Menschen spinnt.

          Das große Wintersechseck

          Die hellsten Sterne der großen Wintersternbilder - Aldebaran, Rigel, Sirius, Prokyon, Pollux und Capella - bilden das große Wintersechseck. Ebenfalls zu den Konstellationen des Winters müssen noch die unscheinbaren Sternbilder Hase, Taube und Einhorn gezählt werden sowie der im Südwesten stehende Fluss Eridanus, der sich nur teilweise über den Horizont erhebt. In der westlichen Himmelsregion haben Pegasus, Fische und Walfisch schon Horizontberührung. Die anderen Herbststernbilder Andromeda, Widder und Dreieck stehen dagegen noch halbhoch und sind leicht auszumachen. Das Übergangsbild Perseus, das sowohl den Herbst- als auch den Winterbildern zugerechnet werden kann, befindet sich in Zenitnähe.

          Am Osthimmel ist das erste Frühlingssternbild, der Löwe, bereits ganz über die Horizontlinie getreten. Auch der Große Wagen hat sich im Nordosten schon ein gutes Stück vom Horizont entfernt, wobei seine Wagendeichsel nahezu senkrecht über der Horizontlinie steht. Tief im Nordwesten kann man zwei Sterne flackern sehen, Wega und Deneb, die nördlichen Ecksterne des großen Sommerdreiecks.

          Vier Stunden Venus

          Der innere Nachbarplanet der Erde, die Venus, erreicht am 14. Januar den größten östlichen Winkelabstand von der Sonne. Die hell strahlende Venus, zweifellos der Blickfang am Abendhimmel, kann ihre Sichtbarkeitsdauer im Januar auf etwas über vier Stunden ausdehnen. Sie bewegt sich ostwärts im Grenzgebiet von Wassermann und Fischen. Am Abend des 30. Januar hält sich die zunehmende Mondsichel in Venusnähe auf. Die Venus ist mit einem Durchmesser von 12 100 Kilometern nur unwesentlich kleiner als unser Heimatplanet. Ansonsten erscheint sie uns Erdbewohnern jedoch äußerst fremdartig. Die Temperatur an ihrer vulkanisch geprägten Oberfläche liegt bei knapp 500 Grad Celsius, und ihre vollständig aus Kohlendioxid bestehende Atmosphäre weist am Venusboden einen Druck vom Neunzigfachen des irdischen Atmosphärendrucks auf.

          In der ersten Januarwoche kann man bei guter Sicht den sonnennächsten Planeten Merkur knapp über der südwestlichen Horizontlinie in der Abenddämmerung erspähen. Auch der Jupiter kann allenfalls in den ersten Januartagen tief im Südwesten aufgestöbert werden. Am 24. Januar steht der Riesenplanet dann in Konjunktion mit der Sonne, von der Erde aus gesehen, also weit hinter derselben.

          Der im Tierkreisbild Löwe langsam westwärts wandernde Saturn verlagert seine Aufgänge von 22.45 Uhr auf 20.45 Uhr im Monatsverlauf. Sein Ring zeigt sich nahezu von der Kante und ist daher in kleinen Teleskopen nicht leicht zu erkennen. Am 14. und 15. Januar hält sich der abnehmende Mond in der Nähe des beringten Wandelsterns auf. Der teleskopische Planet Uranus, der im Ostteil des Tierkreisbildes Wassermann steht, kann nur noch in den frühen Abendstunden aufgesucht werden. Der Mars und der ferne Neptun stehen sonnennah und bleiben daher im Januar unbeobachtbar.

          Sonne: 1. Januar Sonnenaufgang: 8.24 Uhr, Sonnenuntergang: 16.34 Uhr; 31. Januar Sonnenaufgang: 8.01 Uhr, Sonnenuntergang: 17.17 Uhr.

          Mond: 4. Januar, 12.56 Uhr: Erstes Viertel; 11. Januar, 4.27 Uhr: Vollmond; 18. Januar, 3.46 Uhr: Letztes Viertel; 26. Januar, 8.55 Uhr: Neumond.

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