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Besitztümer der von Lehndorffs : Ein Schatz wird gerettet

Das ehemalige Model Veruschka von Lehndorff ist heute die bekannteste Angehörige ihrer Familie. Bild: Reuters

Sektkühler mit Löwenkopf-Henkeln, Vasen aus Delft und Figurengruppen aus Meißner Porzellan: Ein Teil des Besitzes der von Lehndorffs wurde in den achtziger Jahren in einem Kamin entdeckt. Jetzt sind die Stücke versteigert worden.

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          Knapp 50 Positionen edelsten Hausrats listete der Katalog eines Münchner Auktionshauses am Freitag auf. Es klang wie eine adelige Haushaltsauflösung - aber es war die Versteigerung von Teilen des Familienbesitzes Heinrich Graf von Lehndorffs, eines der Mitverschwörer gegen Hitler.

          Stefan Locke

          Korrespondent für Sachsen und Thüringen mit Sitz in Dresden.

          Erst Ende vergangenen Jahres waren Geschirr und Tafelsilber in sorgsam gepackten Kisten sowie Bilder, Kunst und Möbel nach München gelangt. Zuvor lagen sie mehr als 70 Jahre auf der mittelalterlichen Burg Kriebstein, mitten in Sachsen hoch über dem Zschopau-Tal auf einem Felsen gelegen. Bernd Wippert, der Burgdirektor, sah ihnen wehmütig nach, aber ohne Groll: „Dass die Objekte hier waren, ist nur eine Episode, die uns schicksalhaft ereilt hat.“ Mit den Nachfahren der Lehndorffs hatte er sich schon vor Jahren gütlich über die Rückgabe geeinigt.

          Das Schicksal ereilte die Burg Ende 1944 in mehreren Güterwaggons der Reichsbahn. Darin befand sich ein Großteil des Hab und Guts der Lehndorffs. Es wurde aus Schloss Steinort in Ostpreußen, dem reich ausgestatteten Sitz der Familie, vor der näherrückenden Front in Sicherheit gebracht. Schon 1943 hatte Heinrich Graf von Lehndorff das mit der befreundeten Familie von Arnim abgesprochen, der Kriebstein gehörte. Die „Lieferung“ aus Steinort, so hat man es Bernd Wippert berichtet, türmte sich in den Burgsälen bis unter die Decken.

          Von den Nazis enteignet

          Lehndorff selbst erlebt die vorläufige Rettung seines Besitzes nicht mehr. Er wurde, 35 Jahre alt, im September 1944 in Berlin-Plötzensee als einer der Mitverschwörer um Claus Schenk Graf von Stauffenberg gehenkt. Auf seinem Gut hatte er zuvor ein gefährliches Doppelleben geführt. Ab 1941 belegte Reichsaußenminister Joachim von Ribbentrop einen Flügel des Schlosses, das wenige Kilometer östlich von Rastenburg liegt, wo sich der „Führer“ in der „Wolfsschanze“ eingegraben hatte. Lehndorff gehörte da schon zum Widerstand, häufig waren Angehörige aus dem engsten Kreis der späteren Verschwörer wie Tresckow, Hardenberg oder Schulenburg bei ihm zu Gast.

          Am 20. Juli 1944 hatte Lehndorff Wehrmachts-Urlaub, um sich um den Gutsbetrieb zu kümmern. Der Oberstleutnant der Reserve war aber Verbindungsoffizier der Verschwörer zum Wehrkreis in Königsberg. Als die vereinbarten Befehle nach dem gescheiterten Attentat ausblieben, kehrte er nach Steinort zurück und wurde verhaftet. Die Nazis enteigneten die Familie, nahmen sie in Sippenhaft, steckten die drei Töchter in ein Heim und seine Frau, Gottliebe von Lehndorff, ins Gefängnis, wo ihre vierte Tochter geboren wurde.

          Hinter Zement versteckt

          Als die Rote Armee im Frühjahr 1945 in Ostsachsen einrückte, griff der Kammerdiener der von Arnims zu Maurerkelle und Zement und mauerte einige besonders wertvolle Stücke aus Steinort in einen ungenutzten Kamin der Burg Kriebstein ein, darunter Tafelsilber, Porzellan, Bücher und einen großen Gobelin. Wie alle Großgrundbesitzer im Osten Deutschlands wurden nach dem Krieg auch die von Arnims enteignet. Die neuen Machthaber konfiszieren den 1947 auf eine Million Reichsmark taxierten Lehndorffschen Besitz, mehr als 90 Prozent davon schickten sie, wiederum in mehreren Eisenbahnwaggons, als Reparationsleistung in die Sowjetunion. Zurück blieben große Eichenschränke, ein paar Gemälde, Bücher und die Schätze im Kamin.

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