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Der Jackson-Prozeß : Sexualstraftäter oder Philanthrop?

  • -Aktualisiert am

Die Fans glauben fest an Jacksons Unschuld Bild: AP

Mit den Schlußplädoyers nähert sich der Prozeß gegen Michael Jackson seinem Ende. Wie die Jury entscheiden wird, läßt sich kaum abschätzen. Ins Rampenlicht wird der Star wohl auch bei einem Freispruch nicht zurückkehren.

          Wie ein bissiger Terrier hat Tom Mesereau in den vergangenen Monaten für Michael Jackson gekämpft. Mit aggressivem Geschick führte der amerikanische Strafverteidiger mit der weißen Mähne, der sich als Collegestudent beim Boxen abreagierte, etliche Zeugen, die im Kindesmißbrauchsprozeß gegen seinen prominenten Mandanten aussagten, als wenig vertrauenswürdige, von Geldgier und Rachegelüsten getriebene Gestalten vor. Groß war deshalb das Erstaunen, als Mesereau im Finale der Beweisaufnahme darauf verzichtete, die Anschuldigungen wegzuhämmern, die Jacksons angebliches Mißbrauchsopfer Gavin Arviso im Sommer 2003 während einer Polizeivernehmung erhoben hatte.

          Mesereau mußte in seinem Schlußplädoyer am Donnerstag noch einmal alle Kräfte aufbieten, um den starken Eindruck wegzuwischen, den das Polizeivideo bei den Geschworenen hinterlassen hat. In dem Video, das die Staatsanwaltschaft den zwölf Geschworenen vorspielte, die in den nächsten Tagen über Schuld oder Unschuld Jacksons beraten werden, erschien Gavin Arviso glaubwürdiger als bei seinem Auftritt im Gerichtssaal von Santa Maria. Während seiner Zeugenvernehmung im März hatte der mittlerweile 15 Jahre alte Jugendliche zuweilen ziemlich abgebrüht gewirkt. In dem Video dagegen sah die Jury einen ängstlichen Jungen, der nur zögernd und den Tränen nahe schilderte, wie Michael Jackson ihn im Frühjahr 2003 bei mehreren Gelegenheiten trunken gemacht und anschließend masturbiert habe. Auch flehte der Junge die Polizisten an, nichts von alledem seiner Mutter zu sagen. Diese Bitte paßt schlecht zu der These von Jacksons Verteidigern, die 36 Jahre alte Janet Arviso habe ihrem damals krebskranken Sohn und dessen zwei Geschwistern die Mißbrauchsgeschichte aufgeschwatzt, um Michael Jackson unter Androhung von Klagen zu Millionenzahlungen zu zwingen.

          Langjährige Haftstrafe droht

          Mehr als 18 Jahre Freiheitsstrafe drohen dem Sänger, wenn ihn die Geschworenen in allen zehn Anklagepunkten für schuldig befinden. Außer wegen mehrfachen sexuellen Kindesmißbrauchs, für den Jackson sein Opfer angeblich trunken gemacht hat, ist der Sänger noch wegen Verabredung zur Kindesentführung, Freiheitsberaubung und Erpressung angeklagt. Auf den Vorwurf der Verbrechensverabredung greifen amerikanische Staatsanwälte häufig dann zurück, wenn sie nicht genügend Beweise für die eigentliche Straftat haben.

          In einer solchen Zelle würde Jackson nach einer Verurteilung untergebracht

          Mesereaus Gegenspieler, Staatsanwalt Tom Sneddon, der sich in seiner Jugend ebenfalls im Boxring stählte, wirft dem Popsänger vor, er habe gemeinsam mit früheren Partnern und Mitarbeitern verabredet, die Familie Arviso unter Lügen und Drohungen fernzuhalten von den Medien und möglichen Ermittlern - nachdem klargeworden sei, welch verheerende Wirkung die im Februar 2003 ausgestrahlte Fernsehdokumentation „Leben mit Michael Jackson“ gehabt habe. Darin hatte der Sänger Hand in Hand mit Gavin Arviso darüber geplaudert, daß es „eine schöne Sache“ sei, mit Kindern das Bett zu teilen.

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