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Architektur : Der Fluch über dem Schürmannbau ist gebrochen

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Funkhaus statt Parlamentsgebäude: Der Schürmann-Bau
          1 Min.

          Kaum ein Gebäude in Deutschland hat jahrelang die Gemüter so erhitzt wie der skandalumwitterte Bonner Schürmann-Bau. Nach spektakulären Hochwasserschäden und Gezerre um Nutzung und Finanzierung drohte das Debakel schon zur unendlichen Geschichte zu werden. Darunter wurde am Donnerstag im früheren Regierungsviertel ein dicker Schlussstrich gezogen. Der Intendant der Deutschen Welle (DW), Erik Bettermann, nahm als neuer Hausherr die Schlüssel des fertigen Gebäudes entgegen.

          „Der Fluch, der über diesem Projekt lastete, ist gebrochen“, sagte der Präsident des Bundesamtes für Bauwesen, Florian Mausbach. Eigentümer des lichtdurchfluteten und freizügigen Baus mit Gartenanlagen gleich neben dem früheren Abgeordnetenhaus „Langer Eugen“ bleibt der Bund.

          Als Beispiel für Schlamperei und Geldverschwendung hatte der vom Weihnachts-Hochwasser des Rheins im Dezember 1993 überflutete Rohbau traurige Berühmtheit erlangt. Spöttische Zungen nannten die jahrelang unter Wasser stehende, stinkende Baugrube das „teuerste Feuchtbiotop der Welt“. Der Steuerzahlerbund sprach von einem „Millionengrab“.

          Mehr als 300 Millionen Euro investiert

          Der 1989 begonnene Bau war ursprünglich als neues Domizil für die Bundestagspolitiker geplant. Doch der Umzugsbeschluss nach dem Fall der Berliner Mauer warf alles über den Haufen. Dann kam auch noch das Wasser. Der Bund beschloss nach heftigem Hin und Her 1995 die Sanierung und den Umbau zwecks Nutzung durch die DW. Er investierte insgesamt mehr als 300 Millionen Euro - allein rund 75 Millionen für die Sanierung.

          Professor Joachim Schürmann, der für seine gelungene Architektur in Bonn mit Lob überhäuft wurde, klagte über jahrelange Rufschädigung, da der Bau immer als „Schürmannbau“ bezeichnet wurde. Sein Haus habe aber nicht das geringste mit dem Hochwasserschaden zu tun gehabt, betont er. Dafür seien die bauausführenden Firmen und die Bauleitungen zuständig gewesen, was inzwischen auch richterlich geklärt ist.

          Für mehr als 1.000 Mitarbeiter der Deutschen Welle aus rund 70 Nationen heißt es in den nächsten Monaten Abschied nehmen vom alten, mit Asbest verseuchten Funkhaus rheinabwärts in Köln. Vom hochmodernen Bonner Funkhaus mit neuester Technik soll dann im Mai 2003 der Sendebetrieb in 29 Fremdsprachen rund um den Globus starten.

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