https://www.faz.net/-gum-6zf5t

Der Fall Maddie : Zurück in den Schlagzeilen

Madeleine McCann verschwand kurz vor ihrem 4. Geburtstag im Mai 2007 Bild: REUTERS

Vor fünf Jahren verschwand Maddie McCann während eines Portugal-Urlaubs spurlos, jetzt wird der Fall neu aufgerollt: Der Leiter einer Sonderkommission von Scotland Yard schließt nicht aus, dass das Mädchen noch lebt. 

          4 Min.

          Zum fünften Jahrestag ihres Verschwindens (am 3. Mai 2007) kehrt der Fall Madeleine McCanns wieder in die Schlagzeilen zurück. Die Londoner Polizei stellte am Mittwoch eine Fotomontage vor, die eine aktuelle Anmutung des Gesichts des verschwundenen Mädchens wiedergeben soll. Und Hauptkommissar (Detective Chief Inspector) Andy Redwood wagte die Aussage, die Chancen stünden besser den je, Madeleine zu finden. Redwood führt die „Operation Grange“, eine Kriminalkommission des Londoner Scotland Yard, die seit einiger Zeit sämtliche Indizien und Ermittlungsprotokolle nochmals sichtet, die im Verlauf der vergangenen fünf Jahre von den britischen Ermittlern, von Privatdetektiven, welche im Auftrag der Eltern agierten, und von der portugiesischen Polizei gesammelt und angefertigt worden waren. Aus der Zusammenschau dieser Materialflut leitet der Londoner Kommissar seine Hoffnung ab.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Madeleine McCann verschwand während eines Urlaubs mit ihren Eltern im portugiesischen Praia da Luz aus dem Hotelapartment, in dem das Mädchen mit seinen beiden Geschwistern abends von den Eltern schlafen gelegt worden war, bevor Gerry und Kate McCann sich in einem Restaurant der Ferienanlage mit Freunden zum Abendessen trafen. Die Suche nach dem Kind entwickelte sich bald zu einem Vorgang von beispielloser Öffentlichkeit. Eltern und Freunde wandten sich unermüdlich selbst an die Medien, um Aufmerksamkeit für das Schicksal des Kindes zu wecken.

          Viel Wirbel entstand um die Person eines Briten, der in der Nähe der Wohnanlage in dem portugiesischen Badeort zu Hause ist und von der Polizei nach einigen Wochen als Verdächtiger markiert wurde. Auch seine aus Deutschland stammende Freundin geriet damals in Verdacht, an dem Verschwinden Madeleines beteiligt zu sein. Beide Personen sind von den Verdächtigungen längst entlastet, müssen aber an ihrem Wohnort weiter mit den Folgen der ungewollten öffentlichen Aufmerksamkeit leben. Die Geschichte der Suche nach Madeleine erfuhr dann eine dramatische Wendung, als die Eltern schließlich von der portugiesischen Polizei selbst verdächtigt wurden, ihre Tochter ums Leben gebracht und anschließend versteckt zu haben. Beide mussten langwierige Verhöre auf der zuständigen portugiesischen Polizeistation bestehen. Trotz des Status eines offiziellen Verdächtigen, der zuerst über Madeleines Mutter verhängt wurde, kam es aber in Portugal nicht zu einer Anklage gegen die Eltern.

          Das Ehepaar McCann bereiste unterdessen viele europäische und nordafrikanische Länder, um Aufmerksamkeit für das vermisste Mädchen zu wecken; in Rom empfingen sie tröstende Worte von Papst Benedikt XVI. und dessen Zusicherung, für ein glückliches Ende des Falles zu beten. Auch in Großbritannien hielten sie enge Kontakte zur Regierung des damaligen Premierministers Brown wie zu dessen seit zwei Jahren amtierenden Nachfolger Cameron. Zum vierten Jahrestag des Verschwindens brachte Kate McCann erstens ein autobiographisches Buch heraus, das neben Selbstzweifeln und Selbstanklagen auch die Aufforderung erhielt, in der Suche nach Madeleine nicht nachzulassen. Zweitens schrieben die McCanns an den Premierminister mit dem Wunsch, er möge den Fall nochmals von britischen Polizisten aufrollen lassen: eine formale Revision der Ermittlungen, wie sie in den meisten ungelösten Kriminalfällen doch üblich sei, habe in ihrer Angelegenheit bislang nicht stattgefunden. Die britische Innenministerin May kam dieser Bitte alsbald nach; auf ihr Geheiß hin richtete Scotland Yard die Sonderkommission ein, in deren Auftrag mittlerweile 28 Polizeibeamte und sieben zivile Helfer tätig sind, um sämtliche Spuren des Falles Madeleine nochmals zu untersuchen und zu bewerten.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Staatsmännisch im Rollkragenpulli: Ramelow mit Hennig-Wellsow am Montagabend

          Ramelows Vorschlag : Ein Angebot, das du nicht ablehnen kannst

          Wie Bodo Ramelow seinen Vorschlag, Christine Lieberknecht zur Ministerpräsidentin zu machen, einfädelte und damit die CDU unter Druck setzte – die Christdemokraten müssten bei raschen Neuwahlen schwere Verluste fürchten.
          Gibt sich volksnah: Emmanuel Macron schüttelt während seines Besuchs in Bourtzwiller einer Frau die Hand.

          Macron über politischen Islam : Unser Feind ist der Separatismus

          Frankreichs Präsident besucht eine islamistische Hochburg: Er wolle nicht akzeptieren, dass die Werte und Gesetze der Republik im Namen des politischen Islam abgelehnt werden – und stellt einen Plan im Kampf gegen Separatismus vor.
          Sollten sich Anleger komplett von vermeintlichen Klimasündern abwenden? Experten haben dazu verschiedene Meinungen.

          Öl-, Gas- und Kohlekonzerne : Die Luft für Klimasünder wird dünner

          Immer mehr Investoren verbannen klimaschädliche Anlagen aus ihren Portfolios – während andere darin unterbewertete Aktien mit soliden Bilanzen sehen. Dass die Bewertung so unterschiedlich ausfällt, hat verschiedene Gründe.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.