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Der Baumeister : Wieder ein Wunder von Dresden

Burger (2.v.l.) mit Helmut Kohl vor dem neuen Turmkreuz Bild: picture-alliance / dpa

Eberhard Burger, der Baudirektor der Frauenkirche, hat mit Beharrlichkeit auch die letzten Zweifler überzeugt, daß der Wiederaufbau möglich sein würde. Nun bleibt nach jahrelanger Arbeit die Frage: Was kommt nun?

          Da steht sie vor ihm, reckt sich in den blauen Dresdner Himmel, als hätte sie nie gefehlt. Ringsum drehen sich die Kräne. Schon stehen auf dem Neumarkt die ersten Häuser im Rohbau. Aus weiteren Baugruben sind dröhnend Bagger zu hören. Inmitten der Geschäftigkeit steht sie wie eine feste Burg. Gerade räumen auf dem Platz rund um das Luther-Standbild die Pflasterleger ihr Werkzeug zusammen. Im Inneren unter der grandiosen Kuppel sind die Fensterputzer mit ihrer Arbeit fertig, die Vergolder haben noch einmal die barocken Verzierungen an den Emporen und Balustraden inspiziert, damit zum großen Tag alles erstrahle: Soli Deo Gloria.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          So steht sie vor ihm. Eberhard Burger hat von seinem Büro im fünften Stock des Cosel-Palais aus einen guten Blick auf sein Werk. Doch Zeit zu schauen bleibt dem Baudirektor der Frauenkirche so kurz vor der Weihe am Sonntag nicht. "Manchmal habe ich den Eindruck, es war leichter, die Kirche wieder aufzubauen, als das ,Fest der ersten drei Tage' zu organisieren", sagt der fast zwei Meter große Mann mit der grauen Löwenmähne. Wie jeden Morgen hat er sich durch einen Berg von Briefen kämpfen müssen. Je näher der Weihetermin rückte, desto mehr Leute wendeten sich an die Stiftung Frauenkirche. "Das ist nett und doch eine enorme Belastung", sagt Burger. Vor allem aber hält ihn das Antworten von seinem Hauptgeschäft ab: der Organisation der Weihe, zu der 100.000 Gäste erwartet werden. Dabei gebe es unendlich viele Protokoll- und Sicherheitsfragen, sagt Burger leise seufzend.

          Keiner ist so lange dabei wie Burger

          Eberhard Burger ist der Mann der ersten Stunde. Keiner ist so lange in einer so verantwortungsvollen Position am Wiederaufbau der Frauenkirche beteiligt wie der 62 Jahre alte Bauingenieur. Schon 1992, als längst noch nicht alle davon überzeugt waren, daß der kühne Plan je gelingen könnte, ist er Baudirektor geworden. Er organisierte die archäologische Enttrümmerung des 22.000-Kubikmeter-Schutt-Bergs, der von dem Gotteshaus nach den alliierten Luftangriffen im Februar 1945 geblieben war. Er suchte nach der besten Mörtelmischung, erforschte alte Handwerkskunst, damit die Maurer die Technik ihrer Vorgänger erlernen konnten. Er rang mit um die beste technische Lösung für die Wiedererrichtung der gewagten steinernen Glocke. Er focht so manche Kämpfe aus, unter denen der heftigste jener um die Orgel war. Er hatte mit zu entscheiden, wie die Innenkuppel nach barockem Vorbild auszumalen sei.

          Erläutert sein Werk: Eberhard Burger

          Gelegentlich wird Burger deshalb mit George Bähr, dem Dresdner Ratszimmermeister, verglichen. Das weist er dann bestimmt zurück. Bähr sei ein genialer Mann gewesen. Alles habe er selbst verantwortet: Statik, Architektur, Lichtführung, Akustik. Er dagegen habe eine Völkerschar von Projektanten und Prüfenden um sich gehabt. Zahllose Vorschriften seien zu beachten gewesen, gegen vieles sei man versichert. "Uns ist während des Bauens erst klar geworden, daß die alten Baumeister die ganzen Randgebiete mit beherrscht haben, für die wir heute Fachleute haben. Die haben abgesteckt und gebaut und gewußt, wie das wird." Das Ergebnis sei ein Wunder: die kühn konstruierte und gebaute "steinerne Glocke". Für dieses Unikat von Weltrang bewundert er Bähr. Der Ratszimmermeister sei ein enormes Risiko eingegangen und habe mit dem eleganten Außenschwung der Kuppel eine Lastenverteilung um acht Meter nach außen gewagt. "Das Wunder von Dresden geschah vor mehr als 260 Jahren. Was wir Bauleute gemacht haben, ist kein Wunder." Das neue Wunder von Dresden hätten die beinahe 600 000 Spender in aller Welt vollbracht.

          Mehr private Spenden als je erhofft

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