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Der allerlangweiligste Tag : In der Wüste der Ereignislosigkeit

Pure Ereignislosigkeit: Der 11. April 1954 ist der langweiligste Tag des 20. Jahrhunderts. Bild: picture alliance / dpa Themendie

Der 11. April ging vor genau 60 Jahren als langweiligster Tag des 20. Jahrhunderts in die Geschichte ein. Der britische Programmierer William Tunstall-Pedoe hat dies mit einer Datenbank wissenschaftlich nachgewiesen.

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          Ist Ihnen gestern irgendetwas aufgefallen? Was Besonderes? Nein? Nun, dann ist der 11. April seinem Ruf ja gerecht geworden, dieses Jahr wenigstens. Wissenschaftlich wasserdicht festgestellt ist jedenfalls, dass der 11. April vor genau 60 Jahren der langweiligste Tag seines Zeitalters war, der allerlangweiligste Tag des 20. Jahrhunderts. Damals nämlich, 1954, so stellte der britische Programmierer William Tunstall-Pedoe vor einiger Zeit fest, nachdem er 300 Millionen Fakten über Menschen, Orte und Ereignisse in eine Datenbank namens „True Knowledge“ eingespeist hatte, geschahen am 11.4. gerade mal drei Dinge, die auch nur halbwegs von Belang waren: In Belgien wurde gewählt, ein türkischer Professor wurde geboren, ein Fußballer namens Jack Shufflebotham starb. Ansonsten: eine einzige Wüste der Ereignislosigkeit. Und nun, sagen Sie, ist gestern, am 60. Jahrestag des Rekordhalters, ebenfalls nichts Bemerkenswertes passiert, was Ihnen bis heute im Sinn geblieben wäre.

          Bertram Eisenhauer

          Verantwortlich für das Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Andererseits: Für die Familie von Mr. Shufflebotham war der 11. April nicht ganz so unerheblich. Wo wir gerade davon sprechen: Muss man nicht ohnehin für Tage dankbar sein, an denen nichts passiert, weil es ja zu oft doch nichts Gutes ist? Und schließlich: Vielleicht können wir ja noch gar nicht absehen, ob dieser 11. April 2014 sich nicht doch als ein ganz monumentaler Augenblick in der noch jungen Geschichte des 21. Jahrhunderts erweisen wird. Von der Geburt William Shakespeares zum Beispiel vor 450 Jahren nahm damals nur seine Familie Notiz; ganz abgesehen davon, dass bis heute nicht ganz gesichert ist, an welchem Tag er genau das Licht der Welt erblickte, weil man nur das Datum seiner Taufe kennt.

          Deshalb hier und jetzt im Namen des gesamten Zeitalters meine offizielle Entschuldigung an Sie, falls Sie gestern Vater oder Mutter geworden sind, falls Sie sich verliebt oder endlich von dieser elenden Person getrennt haben, die Ihnen den Lebenswillen aussaugt. Von den wirklich wichtigen Augenblicken im Leben kann „True Knowledge“ gar nichts wissen. Eines nämlich zeigt das Beispiel Shakespeares ebenfalls, von dessen Existenz sich jenseits seines Werkes nur sehr wenige Spuren finden, ja, dessen tägliches Dasein sich ausweislich dieser Spuren geradezu aufreizend langweilig darstellt: Wahre Größe zeigt sich oft besonders bezaubernd im Kleinen.

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