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„Deep Impact“ : Fast wie eine Atomexplosion

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Deep Impact-Techniker jubeln über den Erfolg der Mission Bild: REUTERS

Kosmisches Forschungsbombardement zum amerikanischen Unabhängigkeitstag: Die Nasa-Raumsonde „Deep Impact“ hat erfolgreich ein Kupferprojektil auf den Kometen Tempel 1 abgeschossen.

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          Heftige Bombenangriffe und Explosionen sind im amerikanischen Fernsehen seit dem Irak-Krieg alltäglich geworden. An diesem Montagmorgen, als auch in Kalifornien der neue Tag schon angebrochen war, übertrug der Sender der Raumfahrtbehörde Nasa nicht ganz so gewöhnliche Bilder solcher Art - von der ersten kosmischen Bombardierung durch Menschen.

          Gut zwei Stunden vorher, um 7.52 Uhr MESZ, war ein 370 Kilogramm schweres Kupferprojektil mit einer Geschwindigkeit von 10,2 Kilometern pro Sekunde auf den Kopf des Kometen Tempel 1 aufgeschlagen und hatte einen ziemlich großen Krater gerissen. Endlich einmal ein Grund, eine Attacke aus vollem Herzen zu bejubeln. Zwei der Redner begrüßten die Zuschauer patriotisch, wie es sich in den Vereinigten Staaten gehört, mit „Happy Birthday, America“, denn bei dem Tag, der gerade begonnen hatte, handelte es sich um den 4. Juli, den Jahrestag der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung.

          Als sei eine Atombombe eingeschlagen

          Niemand hatte vorher gewußt, wie sich der Einschlag im Detail auswirken würde, ob der bei dem Ereignis erzeugte Krater nur einige Meter Durchmesser hätte oder so groß wie ein Fußballplatz wäre. Was die Wissenschaftler nun sahen, begeisterte sie. Zwar war auf den ersten Bildern der Krater selbst noch nicht zu sehen. Aber die Wolke des bei dessen Entstehung aufgespritzten Kometenmaterials zeigte sich als gleißendes Licht, als sei eine Atombombe eingeschlagen. Als vor wenigen Wochen, im Juni, aufgrund natürlicher Ereignisse ein Jet aus Gas und Staub aus dem Kometenkopf herausgeschossen war, hatte die europäische Raumsonde Rosetta einen Anstieg der Helligkeit des Objekts um zwanzig bis dreißig Prozent registriert.

          Die jetzt künstlich erzeugte Wolke ließ die Helligkeit nach Angaben amerikanischer Weltraumobservatorien gleich auf das Sechsfache steigen. Britische Forscher maßen mit einem Zwei-Meter-Teleskop in Hawaii sogar das Zehnfache des Ausgangswerts - vielleicht, weil sie aus einer anderen Richtung beobachteten. Es war das erste Ergebnis, mit dem die an der Meßkampagne beteiligten europäischen Wissenschaftler an die Öffentlichkeit traten. Die amerikanischen Forscher berichteten derweil, sie hätten „gute“ Spektren erhalten. Der Höhepunkt der „DeepImpact“-Mission, die nähere Aufschlüsse über das vermutlich über Jahrmilliarden unverändert gebliebene Innere von Kometen und möglicherweise auch über die Zustände im frühen Sonnensystem bringen soll, hatte fast genau vierundzwanzig Stunden vor dem Einschlag seinen Anfang genommen, als nämlich der kupferne Impactor von der Muttersonde getrennt und auf einen Kollisionskurs mit dem Kometenkern gebracht wurde.

          Der „Rammbock“ wurde vollständig pulverisiert

          Aus Kupfer hatte man diesen „Rammbock“ gefertigt, weil dieser beim Einschlag ohne Störung der Meßdaten vollständig pulverisiert würde. Kupfer hat in der Frühzeit des Sonnensystems keine Rolle gespielt. Man würde die Partikeln des Impactors deshalb bei den Messungen ohne Schwierigkeiten als „nicht ursprünglich“ herausfiltern können. Während der Impactor auf sein Ziel - den aus Staub und gefrorenen Gasen bestehenden Kometenkern - zuraste, folgte die Muttersonde Deep Impact einer Bahn, die nur bis zu fünfhundert Kilometer an den Kometenkern heranführte. Ihre Aufgabe bestand darin, den beim Einschlag erzeugten Krater zu fotografieren und die dabei freigesetzten Partikeln - vor allem, aber nicht nur - chemisch zu untersuchen.

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