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Kampf gegen Masern : Minister Gröhe schließt Impfpflicht nicht aus

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Üblich ist ein Mix aus drei Impfstoffen: Gegen Masern, Röteln und Mumps. Eine Krankenschwester hält die Wirkstoffe bereit. Bild: dpa

Der Tod eines anderthalbjährigen Jungen in Berlin gibt der politischen Debatte um vorsorgliche Impfungen neue Nahrung. Das Kind war an Masern gestorben. Nun meldet sich Gesundheitsminister Gröhe.

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          Angesichts des Masernausbruchs in Berlin hat Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe eine Impfpflicht nicht generell ausgeschlossen. Wenn alle anderen Maßnahmen „nicht helfen, kann eine Impfpflicht kein Tabu sein“, erklärte Gröhe am Montag in Berlin. Er forderte jeden dazu auf, den eigenen Impfstatus zu überprüfen und die empfohlenen Impfungen nachzuholen. Zugleich bekräftigte Gröhe seine Kritik an den Impfkritikern. „Die irrationale Angstmacherei mancher Impfgegner ist verantwortungslos“, warnte er. Wer seinem Kind den Impfschutz verweigere, „gefährdet nicht nur das eigene Kind, sondern auch andere - das kann bis zum Tod führen“.

          Der Satz fiel aus aktuellem Anlass: In Berlin ist ein anderthalbjähriger Junge an Masern gestorben. Das Kleinkind starb bereits am vergangenen Mittwoch in einem Krankenhaus in Reinickendorf. Die zuständige Behörde hatte die Nachricht aber erst am darauffolgenden Montag weitergegeben. Wie sich der Junge angesteckt hat, ist noch unklar. Das Kind sei nicht geimpft gewesen, bestätigte der Berliner Gesundheitssenator Mario Czaja am Montag.

          In Berlin grassiert seit Oktober eine Masern-Welle. Von Ausbruchsbeginn bis zum 23. Februar wurden 574 Masern-Fälle in der Hauptstadt gemeldet. Eine Sekundarschule in Berlin-Lichtenrade blieb am Montag vorsorglich geschlossen. Grund sei ein schwerwiegender Verlauf der Infektionserkrankung bei einem Jugendlichen, sagte eine Sprecherin der Bildungsverwaltung. Sie bestätigte damit Medienberichte. Der Schulleiter habe am Freitag von dem Fall erfahren und erst am Montag mit dem Gesundheitsamt Rücksprache halten können. Mitschüler und Lehrer des Jugendlichen müssten nun Impfbücher vorlegen. Am Dienstag soll die Schule den Angaben zufolge wieder öffnen.

          Geschlossen wegen Masern: Die Carl-Zeiss-Oberschule in Berlin-Lichtenrade

          In Berlin grassieren die Masern seit Oktober 2014. Nach Angaben der Bildungsverwaltung mussten seitdem auch ungeimpfte Lehrer aus dem Dienst genommen werden. Von Ausbruchsbeginn bis zum 23. Februar wurden 574 Masern-Fälle gemeldet, wie das Landesamt für Gesundheit und Soziales am Montag mitteilte. Demnach ist es der größte Masern-Ausbruch in Berlin seit Einführung des Infektionsschutzgesetzes 2001.

          Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) hatte zunächst zurückhaltend auf Forderungen nach einer Impfpflicht im Kampf gegen die Masern. Aber er konstatierte, dass „die Impflücken in Deutschland viel zu groß sind, die Schutzlücken sind inakzeptabel“. Der Entwurf eines Präventionsgesetzes sehe vor, dass Eltern vor der Anmeldung ihrer Kinder in der Kita eine Bescheinigung über eine Impfberatung vorlegen müssen.

          Die Impflücke müsse durch eine gemeinsame Kraftanstrengung von Ärzten, Kitas, Schulen und aller anderen Verantwortlichen geschlossen werden. „Wenn das nicht gelingt, ist eine Impfpflicht kein Tabu, aber sie steht jetzt nicht an“, sagte Gröhe am Montag.

          Gröhe betonte: „Es geht auch darum, manchem Ammenmärchen und mancher Panikmache von Impfgegnern entgegenzutreten.“ Die Masern-Impfung sei nach Ansicht internationaler Experten sicher. Das minimale Restrisiko durch Nebenwirkungen sei um ein Vielfaches geringer als die zum Teil dramatischen und lebensbedrohlichen Risiken einer Masern-Erkrankung.

          Angesichts eines Masernausbruches in Berlin hatten sich die Gesundheitspolitiker Jens Spahn (CDU) und Karl Lauterbach (SPD) in der „Welt am Sonntag“ für eine Impfpflicht ausgesprochen. Spahn warnte vor Panikmache durch Impfverweigerer, die eine Impfung für gefährlicher hielten als eine natürliche Maserninfektion. Der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach forderte eine konzertierte Aktion von Gesundheitspolitikern aller Parteien und den Ärzteverbänden, „um eine große Impfwelle in Gang zu setzen“. Wenn dies nicht gelinge, müsse eine Impfpflicht für Kleinkinder der nächste Schritt sein. Vertreter der Grünen lehnen dagegen eine Impfpflicht ab.

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