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Datenübertragung : Der Internet-Turbo W-LAN hebt ab

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Die Lufthansa geht mit Wireless LAN in die Luft und ermöglicht damit den Datenempfang zwischen zwei Kontinenten. Am Boden ist die Technik noch lange nicht so weit.

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          Lange wurde diskutiert, ob lokale Funknetze - sogenannte Wireless Local Area Networks (W-LAN) - an öffentlichen Orten eine Konkurrenz für den teuren Mobilfunkstandard UMTS sind. Inzwischen haben sich die Mobilfunkkonzerne mit der neuen Technik angefreundet und steigen selbst in den boomenden W-LAN-Markt ein. In den Vereinigten Staaten ist T-Mobile schon einer der größten W-LAN-Betreiber. Nun sind die Bonner auch in Deutschland offiziell gestartet.

          Inzwischen gibt es in Deutschland bereits 125 sogenannte öffentliche Hotspots in Hotels, auf öffentlichen Plätzen, in Flughäfen und sogar Flugzeugen, an denen alle Internet-Surfer mit mehr als hundertfacher ISDN-Geschwindigkeit online gehen können. Musterbeispiel ist der Flughafen München. Vom 15. Januar 2003 an hebt W-LAN dann auch physisch ab. Eine Lufthansa Boeing 747 wurde mit einem W-LAN ausgestattet und wird dann im Liniendienst zwischen Frankfurt und Washington verkehren. Wer kein eigenes W-LAN-fähiges Endgerät im Handgepäck hat, kann sich an Bord ein Notebook zum Testen ausleihen. In der dreimonatigen Testphase ist das Surfen an Bord kostenlos.

          Zugangskarten für Stunden

          Die einzige technische Anforderung ist eine W-LAN-Karte, die heute schon in viele Notebooks eingebaut ist, aber auch für rund 100 Euro nachgerüstet werden kann. Bei der Preisfindung wird bei den Anbietern noch fleißig experimentiert. Tagespauschalen zwischen 5 und 30 Euro haben alle Anbieter im Angebot. Sie sind aber ungünstig für Nutzer, die nicht den ganzen Tag in Reichweite eines Hotspots bleiben. Oft gibt es deshalb auch Zugangskarten mit einer Laufzeit von ein oder zwei Stunden, die weniger als 10 Euro kosten. Guthabenkarten wie im Mobilfunk, die sich minutenweise nutzen lassen, sind im W-LAN-Markt noch nicht sehr verbreitet.

          Als erstes Unternehmen ist in Deutschland die WLAN AG gestartet, die zur Zeit 41 Hotspots betreibt. Die Münchner konzentrieren sich ganz auf Hotels. Einen europaweiten Ansatz hat die britische Megabeam, die in Deutschland insbesondere in den Hotels der Queens-Gruppe vertreten ist. In das Geschäft steigen auch die Citynetzbetreiber ein. Die Berlicom-Tochtergesellschaft Berlinnet betreibt in Berlin bereits 11 Hotspots. Die Arcor-Tochtergesellschaft ISIS wird zusammen mit der Deutschen Bahn und der DB-Telematik bundesweit in den Bahnhöfen DB-Lounges mit W-LAN ausstatten. Die Details sollen in Kürze bekanntgegeben werden. Start wird wohl in Köln und Frankfurt/Main sein.

          Hotspots haben sich verdreifacht

          Auch wenn sich die Zahl der öffentlichen Hotspots in Deutschland in den vergangenen sechs Monaten verdreifacht hat, steht die große Welle erst noch bevor. Allerdings sind viele Inhaber interessanter Hotspots noch unsicher, wie sie mit dem Thema WLAN umgehen sollen. Insbesondere große Hotelketten zögern mit der Bindung an einen W-LAN-Anbieter.

          Ebenfalls ungelöst ist das Roaming, also die Nutzung mehrerer Funknetze. Bisher ist der Betreiber eines W-LAN auch meist der einzige Anbieter in diesem Netz. Hier zeichnet sich aber eine Trennung von Betreiber und Abrechnung ab. Zum Beispiel denken Mobilfunk-Service-Provider wie Talkline über den Einstieg in den W-LAN-Markt nach. Allerdings weniger als Betreiber eigener Hotspots, sondern als Kundenverwalter. Die Kunden müßten dann nicht mehr an jedem Hotspot eine neue Zugangskarte kaufen und später einzeln bei der Reisekostenabrechnung vorlegen. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt T-Mobile.

          Nächster Schritt: Hotzones

          Während die Konzerne gerade über Hotspots nachdenken, sind die Innovatoren im Markt schon beim nächsten Begriff: Hotzones. Dabei geht es nicht um einzelne Hotspots in einem Gebäude, sondern um die großflächige Vernetzung von Stadtteilen oder gar Städten. Die Placetobee-Portale GmbH, die in Wiesbaden und anderen Städten Stadtportale betreibt, gibt am kommenden Donnerstag den Startschuß ihres Stadtnetzes.

          In Wiesbaden geht es mit 25 Hotspots los, mehr als hundert sollen es einmal werden. Partner ist der W-LAN-Betreiber M3-Connect GmbH, eine Tochtergesellschaft der Aachener Scientific Computers GmbH. Die Mitarbeiter kommen teilweise von der mittlerweile aufgelösten Mobilcom Systems und haben zur Cebit 2002 beim Aufbau des bisher größten öffentlichen W-LAN-Netzes auf dem Messegelände Hannover mitgearbeitet.

          Konkurrenz zu DSL

          Ebenfalls komplette Städte abdecken will die Adori AG. Die bis zu 300 Hotspots je Stadt werden nicht alle einzeln per Kabel erschlossen, sondern auch die Datenübertragung von den Hotspots zum Netz von Adori erfolgt per Funk. Adori hat in den vergangenen Monaten die Überreste einiger Wireless-Local-Loop-Anbieter wie Arctel oder Deutsche Landtel aufgekauft und verfügt nun über geeignete Antennenstandorte und Dachrechte.

          Adori selbst will in Heilbronn und Stuttgart starten, der Partner Wave Vision will Darmstadt vernetzen. Anders als bei den Hotspots in den Hotels oder Flughäfen ist die Zielgruppe von Adori und Wave Vision nicht nur der Geschäftsreisende, sondern vordringlich der private Nutzer zu Hause. W-LAN hier also als Ersatz und Konkurrenz zu DSL.

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