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Zweiter Weltkrieg : Wie der Kölner Dom einen Kopf zurückbekam

Lange weg, jetzt wieder da: Köpfchen vom Michaelportal des Kölner Domes Bild: Hohe Domkirche zu Köln, Dombauhü

Ein junger GI fand das Köpfchen einer Domfigur. Er nahm es als Kriegssouvenir nach Washington mit. Sein Sohn übergab das Fragment nun der Dombauhütte.

          Der Dom war stehen geblieben, als die Fliegerangriffe der Alliierten die Stadt Köln in Schutt und Asche legten. Am Ende des Zweiten Weltkriegs ragte er aus einem Trümmermeer. Doch ganz verschont blieb auch die gotische Kathedrale nicht, Brandbomben und Luftminen hatten sie getroffen, Gewölbe waren eingestürzt, ein Pfeiler des Nordturms abgesprengt. Und auch einen Kopf hatte das Wahrzeichen verloren, der jetzt, nach mehr als siebzig Jahren, zurückgekehrt ist.

          Kunstberaterin Amy Kuhnert mit dem wieder aufgetauchten Köpfchen
          Andreas Rossmann

          Freier Autor im Feuilleton.

          Am 6. März 1945 erreichte die amerikanische Armee die Innenstadt, am Abend stand sie vor dem Dom, Frontlinie war nun der Rhein. Vom Tympanonrelief des Michaelportales, in dessen Bogenfeld die Bekehrung des Saulus zum Paulus dargestellt ist, war das Köpfchen eines römischen Soldaten abgebrochen, den Sturz aus sieben Metern Höhe hatte es aber nahezu unversehrt überstanden. Ein junger GI hob es auf und nahm es als Kriegssouvenir mit in die Heimat. Über Jahrzehnte bewahrte er es in einem Schrank in seinem Haus bei Washington auf.

          Glücksfall für die Dom-Restaurierung

          Seinem Sohn erzählte der ehemalige GI, wie er an der Einnahme von Köln beteiligt war. Und der erinnerte sich daran, als er nach dem Tod der Eltern das Haus aufräumte und das Köpfchen fand. Wohl aus Rücksicht auf den Vater wollte er anonym bleiben, und so wandte er sich an die Kunstberaterin Amy Kuhnert, die die Herkunft des Stücks recherchieren ließ und es in der vergangenen Woche der Kölner Dombauhütte zurückgegeben hat.

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          Dort wurde es in der Steinrestaurierungswerkstatt mit Hilfe eines Lasers gereinigt – und siehe da: Das Fragment passt perfekt in die verbliebene Bruchstelle und kann im Zuge der 2013 begonnenen Restaurierung des Michaelportales, dessen Skulpturenprogramm zwischen 1878 und 1881 in der Werkstatt des Dombildhauers Peter Fuchs gefertigt wurde, wieder eingesetzt werden. Dombaumeister Peter Füssenich spricht von einem unglaublichen Glücksfall, da der Kopf sonst sicher verlorengegangen wäre: „Es freut mich, dass wir auch über siebzig Jahre nach Kriegsende immer wieder Geschichten wie diese erleben, die von Heilung erzählen.“

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