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Kostspielige Immobilie : Haus Hessen verkauft sein Schweizer Schloss

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Das Schloss Tarasp, Hauptsehenswürdigkeit der gleichnamigen Schweizer Gemeinde. Bild: Hauri, Michael

Schloss Tarasp bei Scuol (Schuls) im Engadin ist eine Attraktion in der Region. Seine Besitzer, das Adelsgeschlecht Haus Hessen, scheinen nun einen Käufer für die kostspielige Immobilie gefunden zu haben. Der hat auch schon einen Plan, was er mit der Anlage machen will.

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          Das mächtige Schloss Tarasp bei Scuol (Schuls) ist einer der großen Anziehungspunkte im Engadin. Der Bau aus dem elften Jahrhundert hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Kriegshändel und Besitzerwechsel hinterließen ihre Spuren. Im Jahr 1900 erwarb der deutsche Industrielle Karl August Lingner aus Dresden, der sich als Fabrikant des Mundwassers „Odol“ einen Namen machte, die fast verfallene Anlage und modernisierte sie in großem Stil. Kurz vor Ende des Großumbaus inklusive Einbau einer Konzertorgel verstarb der Liebhaber edler Havannas – an Mundkrebs. Nach seinem Tod kam Tarasp 1916 in den Besitz des Großherzogs Ernst Ludwig von Hessen-Darmstadt. Jetzt verkauft die Adelsfamilie von Hessen das Schloss nach bald 100 Jahren an den renommierten Künstler Not Vital, der aus dem nahen Sent stammt. Damit wäre die lange deutsche Historie in der Anlage auf dem markanten Hügel beendet.

          Der Verkauf an sich ist keine Überraschung. Das Haus Hessen hatte schon lange die Lust an dem kostenaufwendigen Eigentum im Unterengadin verloren. 2003 stellte es das Schloss samt See und acht Hektar Gelände zum Verkauf – für den Phantasiepreis von mehr als 30 Millionen Franken, nach heutigen Kursen gut 31 Millionen Euro. Fünf Jahre später war man bei der Hälfte. Verschiedene Nutzungskonzepte wurden gewälzt, darunter ein Hotel am Fuß des Schlosshügels.

          Internationales Kunstzentrum geplant

          Nunmehr ist noch von acht Millionen Franken die Rede. Not Vital schwebt offenbar ein internationales Kunstzentrum vor, in das der kleine See integriert werden soll. Auf dem Areal dürfte er auch seine eigenen Plastiken ausstellen wollen. Zurzeit sichert die 2010 gegründete Stiftung „Chasté da Tarasp“ den öffentlichen Zugang. Weit mehr als 10000 Touristen pilgern jedes Jahr in das Schloss, das eigentlich eine Burg ist. Die Stiftung würde auch künftig den laufenden Betrieb unter dem Immobilieneigentümer Vital sicherstellen.

          Zurzeit werde der Kaufvertrag ausgearbeitet, sagte Stiftungspräsident Andrea Fanzun im Schweizer Radio SRF. Ganz in trockenen Tüchern ist das Geschäft aber auch aus anderen Gründen nicht. Not Vital ist zwar ein bekannter Künstler, aber er muss noch zeigen, dass er die kolportierten acht Millionen Franken aufbringen oder finanzieren kann. Die Hälfte sei durch Bankhypotheken gesichert, glaubt die Zeitung „Südostschweiz“ zu wissen. In der Region ist auch von weiteren Unterstützern die Rede. Die Einwohner der Gemeinde Scuol, zu der die Ortschaft Tarasp inzwischen gehört, werden ebenfalls noch ein Wort mitsprechen. Sie sollen 15 Jahre lang jährlich 200000 Franken zum laufenden Betrieb des Schlosses beisteuern. Wie in der Schweiz üblich, ist dafür ein Volksentscheid nötig, in diesem Fall am 13. September. Wenn alles klappt, könnte die deutsche Adelsfamilie zum Jahreswechsel ihr ungeliebtes teures Schloss losgeworden sein.

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