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Frankreich : Das Dorf, das seinen Namen zurück will

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Ein Name, der nur einem selbst gehört, kann von Vorteil sein Bild: AFP

Weil ein Händler unter dem Namen importierte Messer vertreibt, darf der französische Ort Laguiole mit seinem eigenen Namen nicht für sich werben. Die Bürger protestieren, aber nicht einmal die Regierung kann ihnen helfen.

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          Weil sie den Namen ihres Dorfes nicht zu kommerziellen Zwecken nutzen dürfen und in einem Rechtsstreit 100.000 Euro zahlen müssen, gehen Bürgermeister und Bewohner des südfranzösischen Ortes Laguiole auf die Barrikaden. „Wir rufen alle 36.000 Gemeinden in Frankreich zur Solidarität auf“, sagte Bürgermeister Vincent Alazard am Donnerstag. „Die Gebietskörperschaften helfen sich bei Naturkatastrophen. Wir sind jetzt Opfer einer übernatürlichen Katastrophe.“

          Der 1300-Einwohner-Ort im Département Aveyron war Anfang April in einem Berufungsverfahren einem Händler aus dem Großraum Paris unterlegen. Dieser hatte sich bereits 1993 den Namen des Dorfes als Markenname schützen lassen. Derzeit verkauft er damit unter anderem aus China und Pakistan importierte Messer. Bürgermeister und Bewohner von Laguiole wollen, dass ihm das Recht dazu aberkannt wird - und selber den Namen für in dem Ort hergestellte Produkte nutzen können. Sie unterlagen aber vor dem Pariser Berufungsgericht und sollen dem Händler jetzt 100.000 Euro Prozesskosten zahlen.

          Symbolische Ablegung des Namens

          „Wenn ein Unternehmer aus Laguiole eine Käseplatte herstellen und ihr den Namen Laguiole geben will, dann ist das die Fälschung eines chinesischen Produkts“, empörte sich der Bürgermeister. Jetzt solle das Dorf auch noch dem Mann 100.000 Euro überweisen, „der mit unserem Namen Geld macht“.

          In dem seit Jahren währenden Streit hatte das Dorf 2012 symbolisch seinen Namen abgelegt und die Ortsschilder abmontiert. Zu Wochenbeginn wandte sich Bürgermeister Alazard in einem Brief an Staatschef François Hollande und bat um ein Treffen.

          Wirtschaftsminister Arnaud Montebourg zeigte sich am Mittwoch solidarisch mit den Bewohnern von Laguiole: Er sprach in einer Erklärung von „legitimer Erregung“ und erinnerte daran, dass ein neues Gesetz dazu führen soll, dass solche „bedauerlichen Situationen“ vermieden werden. Allerdings wird das Gesetz, das unter anderem die Nutzung von Ortsnamen als Markennamen neu reguliert, nicht rückwirkend anwendbar sein - für die Bewohner von Laguiole kommt es also zu spät.

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