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Musks Raumfrachter angedockt : Taxi, bitte!

  • -Aktualisiert am

Kurz vor dem Andocken: Die Dragon-Kapsel vor der ISS Bild: AP

Elon Musks Dragon-Kapsel ist erfolgreich an der ISS angekommen. Damit könnte er Amerika zurück in eine eigene bemannte Raumfahrt führen.

          3 Min.

          Die Vereinigten Staaten sind auf dem besten Weg, nach knapp einem Jahrzehnt wieder eine eigenständige, von den Russen unabhängige bemannte Raumfahrt zu betreiben. In der Nacht zum Samstag hob eine Falcon-9-Rakete vom Raumfahrtbahnhof am Cape Canaveral im Bundesstaat Florida zu einem Flug zur Internationalen Raumstation (ISS) ab. An ihrer Spitze trug sie eine unbemannte Dragon-Kapsel, die am frühen Sonntagmorgen an der ISS anlegte. Gelingt deren Rückkehr, könnten schon im Frühsommer die beiden ersten amerikanischen Astronauten in einer solchen Kapsel zur Raumstation fliegen. Das wäre das erste Mal in der 60 Jahre langen Geschichte der Raumfahrt, dass Menschen von einem Privatunternehmen ins All befördert würden.

          Die amerikanische Weltraumbehörde Nasa hatte ihre bemannten Raumflüge mit der letzten Landung einer Raumfähre am 21. Juli 2011 eingestellt. Das Shuttle-Programm war zu teuer geworden, die Flotte war altersschwach, und für die Entwicklung eines Nachfolgemodells für die erfolgreichen Space Shuttles hatte der amerikanische Kongress kein Geld zur Verfügung gestellt. Stattdessen sollte die Privatwirtschaft geeignete Vehikel für die bemannte Raumfahrt entwickeln. Der Flugzeughersteller Boeing und die damals noch in den Anfängen steckende, von dem umtriebigen Unternehmer Elon Musk gegründete Firma Space-X erhielten jeweils entsprechende Aufträge von der Nasa. Amerikanische Astronauten gelangten zunächst ausschließlich an Bord von russischen Sojus-Kapseln zur Raumstation. Das staatliche russische Unternehmen Roskosmos hatte damit das Monopol für die Personenbeförderung zur ISS.

          Nach 27 Stunden Flug angedockt

          Der gegenwärtige Flug der Dragon-Kapsel – zu deutsch „Drache“ – ist gleichsam die Generalprobe für ihren ersten bemannten Flug in den erdnahen Orbit. Bei ihrem Start in Florida ging es schon fast nostalgisch zu. Ihre Trägerrakete, die ebenfalls von Space-X entwickelte Falcon-9, hob von der historischen Startrampe 39-A ab, von der auch schon die Saturn-Raketen mit ihren Apollo-Kapseln zum Mond gestartet waren. Ingenieure des in Los Angeles ansässigen Unternehmens hatten für die Steuerung des Starts das Kontrollzentrum-4 im Kennedy-Raumfahrtzentrum gemietet, von dem aus auch die Starts sämtlicher Missionen der Raumfähren gesteuert worden waren. Nach einem 27 Stunden langen Flug legte die Raumkapsel dann am Sonntagmorgen automatisch an der Raumstation an.

          An Bord der Kapsel befand sich neben 200 Kilogramm Versorgungsgütern für die Besatzung der ISS auch ein Astronauten-Dummy. Diese lebensgroße Puppe war mit Dutzenden Sensoren bestückt, mit denen die Beschleunigungskräfte, die auf künftige Astronauten während des Starts und nach dem Ablegen von der ISS beim Wiedereintritt der Kapsel in die Erdatmosphäre wirken, gemessen werden. Außerdem werden bei dem gegenwärtigen Flug alle Lebenserhaltungssysteme in der Kapsel sowie deren automatische Steuerung ausprobiert. Gelingt diese Generalprobe, könnten schon Anfang Juli die beiden Nasa Astronauten Bob Behnken und Doug Hurley als erste Passagiere mit der Kapsel zur ISS befördert werden. Insgesamt bietet die Dragon-Kapsel für solche Taxiflüge bis zu vier Astronauten Platz. Sie ist eine Weiterentwicklung jenes gleichnamigen Weltraumvehikels, mit dem Space-X schon seit einigen Jahren Versorgungsflüge zur ISS unternimmt.

          Noch in diesem Frühjahr will auch der Boeing-Konzern seine für den bemannten Raumflug geeignete Kapsel, den sogenannten Starliner, mit einem Start vom Cape Canaveral aus testen. Insgesamt sollen die Taxiflüge mit Vehikeln von amerikanischen Privatunternehmen wesentlich günstiger sein als die Flüge mit den russischen Fahrzeugen. Gegenwärtig verlangt Roskosmos pro Astronaut für einen Hin- und Rückflug an Bord einer Sojus-Kapsel etwa 80 Millionen Dollar. Sowohl Space-X als auch Boeing gehen dagegen von Kosten von 25 bis 30 Millionen Dollar pro Passagier aus. Im Vergleich dazu kostete jeder Flug einer Raumfähre mindestens 300 Millionen Dollar. Allerdings bot die Raumfähre bis zu sieben Passagieren – wenngleich sehr beengten – Platz.

          Weder die Dragon-Kapsel noch der Starliner sind für längere Flüge außerhalb des nahen Erdorbits, beispielsweise zum Mond oder gar zum Mars, geeignet. Im Gegensatz zu den Raumfähren haben sie auch keinen Platz für Laboreinrichtungen. Umfangreiche wissenschaftliche und technische Forschung ist deshalb in diesen Taxikapseln so gut wie nicht möglich.

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