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Dachauer Amtsgericht : Angeklagter erschießt Staatsanwalt

  • -Aktualisiert am

Während einer mündlichen Verhandlung vor dem Amtsgericht in Dachau hat der Angeklagte einen 31-jährigen Staatsanwalt erschossen. Bild: reuters

Ein Mann hat am Mittwoch während eines Prozesses am Dachauer Amtsgericht einen Staatsanwalt erschossen. An dem Gebäude gab es keine Sicherheitsschleuse.

          Im Amtsgericht Dachau hat am Mittwoch ein Angeklagter einen Staatsanwalt erschossen. Der 54 Jahre alte Täter, ein Transportunternehmer, musste sich wegen des Vorwurfs verantworten, als Arbeitgeber Sozialversicherungsbeiträge in einer Höhe von 44.000 Euro nicht abgeführt zu haben. In der Verhandlung zog er während der Verkündung des Urteils, mit dem gegen ihn eine Bewährungsstrafe von einem Jahr verhängt wurde, gegen 16 Uhr eine Pistole. Er feuerte mehrere Schüsse auf den Richter und den Staatsanwalt ab. Der Richter konnte sich in Deckung bringen; der Staatsanwalt wurde von drei Schüssen getroffen.

          Der 31 Jahre alte Jurist, der seit einem Jahr für die Staatsanwaltschaft München II arbeitete, starb im Dachauer Krankenhaus, in dem noch eine Notoperation versucht wurde. Der Täter, der aus Dachau stammen und nicht vorbestraft sein soll, wurde nach den Schüssen im Gerichtssaal von Zeugen überwältigt. Er soll schon bei früheren Verhandlungsterminen aggressiv geworden sein; auch gegenüber seiner Anwältin sei er ausfällig geworden. Zum Führen der Waffe – eine Pistole eines französischen Herstellers mit dem Kaliber 6,5 Millimeter – war er nach Polizeiangaben nicht berechtigt.

          Die Verhandlung gegen den Täter fand in einem provisorischen Gebäude statt, da das eigentliche Gerichtsgebäude saniert wird. Eine Sicherheitsschleuse gab es nicht, sondern lediglich eine Kamera im Eingang. Die Pforte war von einem Wachmann besetzt, der aber nicht zu Routinekontrollen angehalten war. Zu einer Kontrolle hätte es nach Angaben des Bayerischen Justizministeriums einer Anordnung des Richters, der die Verhandlung gegen den Transportunternehmer führte, bedurft; in dem Fall, in dem eine Bewährungsstrafe zu erwarten gewesen sei, sei dafür keine Notwendigkeit gesehen worden. Eine allgemeine Kontrolle in allen Gerichtsgebäuden sei nicht möglich.

          Erst 2009 hatte es in Bayern eine Debatte über die Sicherheitsvorkehrungen an den Gerichten gegeben. Damals hatte ein 60 Jahre alter Mann in einem Erbrechtsstreit vor einem Sitzungssaal des Landgerichts Landshut seine Schwägerin erschossen; zwei weitere Personen waren verletzt worden. Danach wurden Gerichtsgebäude vermehrt mit Sicherheitsschleusen ausgestattet.

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