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D-Day : Der Tag der Tage ist nur ein Begriff

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Das Wort "D-Day" wurde für zahlreiche militärische Operationen gebraucht - schon im Ersten Weltkrieg.

          Morgen, am Sonntag, wenn der 60. Jahrestag der Landung der Westalliierten in der Normandie am 6. Juni 1944 begangen wird, ist der Begriff "D-Day" gewiß noch einmal tausendfach zu hören und zu lesen. Er wird dann hier oder da wohl auch wieder als "decision day" erklärt werden (Tag der Entscheidung), als "delivery day" oder "deliverance day" (Tag der Befreiung), als "doomsday" (Tag des Jüngsten Gerichts), als "debarkation day" (Tag der Landung). Die richtige Herleitung ist nüchterner: Das "D" in "D-Day" steht für "Day"; "Day-Day". Dies mit "Tag der Tage" zu übersetzen gäbe dem Begriff eine pathetische Weihe, die seine "Erfinder", Planer in den Stabsstellen der amerikanischen Streitkräfte, gewiß nicht im Sinn hatten. Für sie war "Day-Day" einfach der Begriff, mit dem der Tag bezeichnet wird, an dem eine größere militärische Operation beginnen soll. Analog verwenden sie "H-Hour" für die Stunde des Beginns einer Operation.

          Beim Militärgeschichtlichen Forschungsamt in Potsdam heißt es dazu weiter: "In militärischen Operationsplänen finden Sie beispielsweise die Zeitangabe "D + 5" - dies bedeutet, daß ein bestimmtes Operationsziel fünf Tage nach Operationsbeginn genommen sein soll. In den militärischen Planungen steht der Tag des Angriffsbeginns selten von vornherein fest; "D" bezeichnet also den Anfangspunkt einer zunächst abstrakten Operation. Wenn etwa "D - 1" die logistische Vorbereitung eines Artillerieangriffs abgeschlossen sein muß, bezieht sich das auf den Ablauf und meist erst später auf ein konkretes Datum.

          Sprachspielende Spaßvögel

          Dieses System hat den Vorteil, daß bei Verschiebung der Operation die Daten im Operationsplan nicht verändert werden müssen." D-Day in der Normandie sei beispielsweise zunächst der 5. Juni gewesen; der Beginn der größten Landungsoperation der Geschichte sei dann aber wegen des ungünstigen Wetters um einen Tag verschoben worden. Weiter heißt es im Militärgeschichtlichen Forschungsamt: "Der Ausdruck D-Day wurde für zahlreiche militärische Operationen gebraucht, wird heute aber umgangssprachlich meist auf dem 6. Juni 1944 bezogen."

          Die erste nachweisliche Nutzung der Begriffe findet sich in der "Field Order Number 9, First Army, American Expeditionary Forces" vom 7. September 1918 im Ersten Weltkrieg. Dort heißt es: "The First Army will attack at H hour on D day with the object of forcing the evacuation of the St. Mihiel Salient." Das Zitat findet sich in dem 1922 herausgebenen Band "Combat Orders" der "General Service Schools" in Fort Leavenworth, Kansas.

          Gelegentlich wird mit dem an sich nüchternen, aber eben doch weltgeschichtlich aufgeladenen "D-Day" auch Allotria getrieben, etwa wenn mit ihm das Datum der Einführung des Dezimalsystems in Großbritannien oder des Dosenpfands in Deutschland bezeichnet wird. Sprachspielende Spaßvögel leiten "D-Day" gar vom Namen einer amerikanischen Schauspielerin her: Doris Day.

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