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Costa Concordia : Wettlauf gegen die Zeit

  • Aktualisiert am

Ein Hubschrauber der Feuerwehr fliegt über das Wrack der „Costa Concordia“. Bild: Reuters

Die italienischen Behörden haben zwei weitere Leichen aus dem Wrack der „Costa Concordia“ identifiziert. Die Suche nach 21 Vermissten wird nun zum Wettlauf gegen die Zeit, weil schlechtes Wetter aufzieht.

          Weil das Wetter in der Toskana schlechter wird, hat für die Rettungskräfte im Wrack der „Costa Concordia“ am Donnertag ein Wettlauf gegen die Zeit begonnen. Es blieben maximal 24 Stunden, um die 21 noch Vermissten aufzuspüren, sagte der Einsatzleiter der Feuerwehrtaucher.

          Die Taucher konzentrieren sich dabei auf einen Fluchtweg auf dem vierten Deck. Dieser Bereich des Schiffes liegt etwa 18 Meter unter der Meeresoberfläche. Für den Verlauf des Tages wurden Wind und hohe Wellen vorhergesagt, was die Rettungsarbeiten erschweren würde.

          Am Donnerstagnachmittag identifizierten die italienischen Behörden zwei weitere Todesopfer. Bei den Toten handele es sich um einen Mann und eine Frau, beide seien Passagiere aus Frankreich, erklärte der Krisenstab in Grosetto. Seit dem Unglück am Freitag wurden elf Todesopfer bestätigt, bisher sind allerdings erst drei offiziell identifiziert. Bei dem dritten handelte es sich um ein ungarisches Besatzungsmitglied.

          Während die Rettungskräfte unter Hochdruck arbeiten, wird die „Costa Concordia“ zur Sehenswürdigkeit.

          Sechs Tage nach der Havarie wuchs zudem die Angst vor einer Umweltkatastrophe. Im Wrack des Schiffes befinden sich mehr als 2300 Tonnen Diesel- und Schweröl. Ein Austreten könnte verheerende Folgen für eines der größten europäischen Meeresschutzgebiete haben.

          „12 bis 24 Stunden, um die Operation abzuschließen“

          „Es gibt ein Zeitfenster von 12 bis 24 Stunden, um die Operation abzuschließen“, sagte der leitende Feuerwehrtaucher Modesto Dilda der Nachrichtenagentur Reuters. Meteorologen hatten stärkeren Wind vorausgesagt, der dazu führen könnte, dass das auf einen Felsen aufgelaufene 114.500 Tonnen schwere Schiff weiter in die Tiefe gerissen wird. Ein Sprecher der Feuerwehr widersprach umgehend den Äußerungen des Einsatzleiters der Taucher. Für die Sucharbeiten sei keine Frist gesetzt, sagte er. Noch sei unklar, wie sich die Situation weiter entwickele.

          Mit einem Laser wird überwacht, ob sich das Wrack bewegt.

          Italiens Umweltminister Corrado Clini erklärte, bei einer Verschlechterung der Wetterlage könne das Wrack 50 bis 90 Meter tief von dem Felsvorsprung abrutschen, auf dem es derzeit aufliegt. Dabei könnte der Rumpf weiter beschädigt werden und Öl austreten. Der Betreiber des Kreuzfahrtschiffes, Costa Crociere, sei angewiesen worden, eventuelle Gefahren für die Gewässer sofort zu bekämpfen. So müssten etwa schwimmenden Ölbarrieren an Ort und Stelle gebracht werden. Ein Abpumpen des Öls werde mindestens zwei Wochen in Anspruch nehmen und könne erst nach Abschluss der Bergungsarbeiten eingeleitet werden.

          Reederei suspendiert Kapitän

          Der Naturschutzbund (Nabu) erklärte, das Schweröl im Rumpf der „Concordia“ sei eine tödliche Gefahr für Zehntausende von Meerestiere, die im Nationalpark Toskanischer Archipel lebten. Zudem sei Schweröl besonders schwer zu bekämpfen. Es sei praktisch unmöglich, alles austretende Öl abzufangen.

          Die Reederei Costa Crociere hat den Kapitän der „Costa Concordia“, Francesco Schettino, mit sofortiger Wirkung vom Dienst suspendiert. Das Genueser Unternehmen werde den Kapitän auch nicht verteidigen, sagte Costa-Anwalt Marco De Luca, am Donnerstag in Grosseto, wie die Nachrichtenagentur Ansa berichtete. Costa Crociere sehe sich nach dem Schiffbruch selbst als geschädigt an, sagte der Anwalt. Neben der menschlichen Tragödie sei dem Unternehmen erheblicher Schaden zugefügt worden. Zivilpartei (Nebenkläger) könne man aber erst in einem Prozess sein. Schettino wird mehrfache fahrlässige Körperverletzung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen.

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