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Costa Concordia : Nach Schiffsunglück vermisste Deutsche meldet sich

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Italiens Umweltminister Corrado Clini befürchtet, dass eine Sturmflut die „Concordia“ untergehen lassen könnte. Bild: AFP

Eine nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ als vermisst gemeldete Deutsche lebt. Sie sei in Deutschland ausfindig gemacht worden, teilte eine italienische Behörde mit.

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          Gute Nachricht inmitten der Krise: Eine nach der Havarie des Kreuzfahrtschiffes „Costa Concordia“ lange gesuchte Deutsche hat sich nach Angaben des Zivilschutzes der Provinz Grosseto inzwischen gemeldet. Damit gelten noch 21 Menschen nach dem Schiffsunglück vor der toskanischen Küste als vermisst.

          Die Suche nach ihnen soll an diesem Donnerstag weitergehen, nachdem sie gestern unterbrochen worden war. Das Wrack war am Mittwoch weiter abgesunken und drohte in die Tiefe zu rutschen. Italiens Umweltminister Corrado Clini befürchtete sogar, dass eine Sturmflut das Schiff untergehen lassen könnte. Es gebe in der Nähe des Schiffes im Meer einen Abhang, der bis zur Tiefe von 50 bis 90 Metern führe, sagte Clini am Mittwoch im Parlament.

          Bisher elf Todesopfer

          Nach einer ersten Vernehmung äußerte eine Untersuchungsrichterin harsche Kritik am Verhalten des Kapitäns Francesco Schettino. Der 52-Jährige selbst erzählte eine neue Variante des Geschehens in der Unglücksnacht. Demnach fiel er versehentlich in ein Rettungsboot, als er bei der chaotischen Rettungsaktion an Bord strauchelte.

          Nach Darstellung der Untersuchungsrichterin führte der 52 Jahre alte Kapitän Schettino ein unbesonnenes Manöver durch, als er der Insel Giglio viel zu nah kam. Der Kapitän habe den Schaden am Schiff nach der Kollision mit einem Felsen unterschätzt, teilte das Gericht
          in Grosseto mit. Als Schettino den Luxusliner verlassen hatte, habe er keinen ernsthaften Versuch unternommen, wieder in die Nähe der „Costa Concordia“ zu kommen. Weil keine Fluchtgefahr bestehe, wurde der Kapitän unter Hausarrest gestellt.

          „Es ist etwas schief gelaufen“

          Kapitän Schettino hatte vor Gericht Fehler eingeräumt. „Es ist etwas schief gelaufen, denn ich habe zu spät gelenkt“, zitierte ihn der „Corriere della Sera“. „Ich bin auf Sicht gefahren, denn ich kannte den Meeresboden.“ Er sei die Route „schon drei- oder viermal abfahren, aber dieser Felsen hat mich überrascht“, sagte Schettino.

          Laut italienischen Medienberichten machte Schettino ein technisches Problem dafür verantwortlich, dass er die Evakuierung an Bord nicht koordiniert hat. „Ich wollte nicht abhauen, sondern habe Passagieren geholfen, ein Rettungsboot ins Wasser zu lassen“, sagte er demnach vor der Richterin. Als der Absenkmechanismus blockierte und plötzlich wieder ansprang, „bin ich gestrauchelt und lag
          plötzlich zusammen mit den Passagieren im Boot“. Daraufhin habe er nicht mehr auf das Schiff zurückkehren können, weil dieses schon zu schräg gelegen habe. Nach Angaben der Richterin blieb der Kapitän dann allerdings einige Stunden auf einem Felsen nahe des Luxuskreuzers.

          Chaotische Rettungsmaßnahmen

          Dem Kapitän wird mehrfache fahrlässige Tötung, Havarie und Verlassen des Schiffes während der Evakuierung vorgeworfen. Ein Gesprächsprotokoll belegt völlig chaotische Rettungsmaßnahmen. Dem 52-Jährigen drohen bei einer Verurteilung bis zu 15 Jahre Haft.

          Das 290 Meter lange Schiff mit mehr als 4200 Menschen an Bord hatte am Freitagabend nach der Kursänderung des Kapitäns einen Felsen vor der Insel Giglio gerammt und war leckgeschlagen. Das Schiff liegt derzeit in starker Schräglage vor der Insel.

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