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Costa Concordia : Erst im Herbst ist das Ungetüm weg

  • -Aktualisiert am

Angehörige kreuzen auf einer Fähre das Wrack der Costa Concordia Bild: REUTERS

Zum ersten Jahrestag kommen viele der Angehörigen der Toten auf die Insel Giglio, um ihrer zu gedenken. Die Bergung des Wracks wird wohl noch Monate dauern.

          Es ist genauso kalt wie am 13. Januar vor einem Jahr. An jenem Freitag um 21.42 hatte ein Felsen vor der Insel Giglio den Luxuskreuzer „Costa Concordia“ fast 15 Meter lang aufgerissen und das Schiff etwa zwei Stunden später vor dem Hafen zum Kentern gebracht. An diesem Sonntag sollen zur nämlichen Minute alle Sirenen auf der Insel und im Hafen heulen: Giglio gedenkt der 32 Toten und der zwei Vermissten.

          Am Sonntag wird der Felsen, den die „Concordia“ mit sich gerissen hatte, an der Stelle ins Meer zurück versenkt, wo der Schiffbruch begann. Noch immer liegt der Riese am Hafen, das Weiß wirkt rostig, der gelbe Schornstein ist abgebaut. Drei Stockwerke hoch stehen Wohncontainer auf der Plattform Pioneer neben der „Concordia“. Auf der anderen Seite ragt ein Riesenkran auf einer Plattform in die Höhe. Hier leben und arbeiten gut 400 Menschen, die den Havaristen verankert haben und ihn nun in einen Containerrahmen einfassen und heben wollen, um ihn abzuschleppen. Wohin? Noch weiß das niemand.

          Aus aller Welt sind die Familien der Opfer vom Festland mit der Fähre nach Giglio gereist. Auch Botschafter, Politiker und Geistliche sind dabei, um nochmals Abschied von den Opfern zu nehmen und der Inselbevölkerung für ihre Gastfreundschaft vor einem Jahr zu danken. An der Reling steht eine ältere Insulanerin, als die Fähre an der „Concordia“ vorbei in den Hafen einbiegt, und beobachtet die Arbeiter, Italiener, Briten und Amerikaner in T-Shirts und kurzen Hosen: „Man kann sich so schnell an das Ungewohnte gewöhnen. Und zugleich habe ich die Schreie jener Nacht noch in der Erinnerung.“

          Es gab viele Helden an Bord

          Kapitän Francesco Schettino hatte das Schiff zu nah an die Insel gelenkt, um mit dem Giganten einen Bekannten im Ort zu grüßen, der an jenem Tag gar nicht auf Giglio war. Ein „inchino“ (Verbeugung) an der Küste was bis vor einem Jahr bei Luxuskreuzern üblich. Der asiatische Steuermann habe nicht genug Englisch verstanden, sagt Schettino heute, und die „Concordia“ in die falsche Richtung gesteuert. Der bis dahin tadellos arbeitende Kapitän ist der Hauptangeklagte in einem Prozess, der im Februar fortgesetzt wird. Ihm werden grobe Fahrlässigkeit mit Todesfolge vorgeworfen, eine chaotische Rettungsaktion und das vorzeitige Verlassen seines Schiffs. Schettino sagt hingegen, er habe die „Concordia“ nach der Havarie gut auf Grund gesteuert und so die meisten der 4200 Menschen gerettet. Er sei nicht geflohen, sondern wegen der unruhigen See bei der Evakuierung in ein Rettungsboot gefallen und nur darum zu früh an Land gekommen. „Ich empfinde tiefen Schmerz“, sagt der 52 Jahre alte Mann, der sich zu Unrecht von der Reederei entlassen fühlt: „Ich werde schlimmer als Bin Laden behandelt, dabei ist mein Bedauern grenzenlos.“

          Ido Cavero hat den Hergang anders in Erinnerung. Vom Ufer aus sah er das Kentern. Mit seinem Boot war er der erste zur Rettung am Havaristen. Er erinnert sich an das Chaos an Bord, an widersprüchliche Anweisungen in verschiedenen Sprachen, sah in die Augen verschreckter Passagiere, orientierungsloser Matrosen. Cavero gilt heute als einer der Helden jener Nacht, aber er sagt: „Ich sah so viele Helden, auch bei der Besatzung. Manch ein Held wie der Geigenspieler, der den Kindern in die Rettungsboote geholfen hatte, ertrank dann selbst.“ Der Musiker habe nicht ohne seine Geige von Bord gehen wollen und bei der Suche nach ihr sein Leben verloren. „Ein Held ist auch unser Priester Lorenzo Pasquotti, der nicht nur seine Kirche und sein Haus für die unterkühlten, durchnässten und verängstigten Opfer öffnete, sondern seine ganze Gemeinde wachrüttelte.“ An diesem Sonntag aber liest ein Bischof vom Festland die Messe zum Jahrestag. Cavero hält die Feiern für eine „Parade der Eitelkeiten“ - und bleibt ihr fern.

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