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Corona-Pandemie : Reisen in Europa soll von Juni an wieder möglich sein

Will auf eine Öffnung der Grenzen für Touristen bis zum Sommerbeginn hinarbeiten: Bundesaußenminister Heiko Maas (SPD) Bild: dpa

Binnen der nächsten vier Wochen wollen die Europäer einheitliche Kriterien dafür entwickeln, wie das Reisen innerhalb Europas wieder möglich sein kann. Völlige Normalität werde es aber weiter nicht geben, so Außenminister Maas.

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          Das Reisen innerhalb Europas soll von Mitte Juni an unter Beachtung von Regeln und Einschränkungen wieder möglich werden. Außenminister Heiko Maas (SPD) und seine Kollegen aus vielen europäischen Ländern fassten bei einem „Nachbarschaftstreffen“ per Videokonferenz am Montag den Beschluss, binnen der nächsten vier Wochen möglichst einheitliche Kriterien dafür zu entwickeln, welche Urlaubsziele mit welchen Verkehrsmitteln wieder bereist werden können.

          Johannes Leithäuser

          Politischer Korrespondent in Berlin.

          Maas sagte, die generelle Reisewarnung des Auswärtigen Amts, die sich auf die ganze Welt bezieht, werde am 15. Juni abgelöst werden durch spezielle Reisehinweise, die dann wieder die Verhältnisse in einzelnen Ländern betreffen und beschreiben sollen, welche Reisemöglichkeiten es in den betreffenden Ländern gibt, ob in einzelnen Regionen ein höheres Corona-Risiko besteht als in anderen und womit bei einem neuen Ausbruch des Virus zu rechnen ist.

          Mit der generellen Reisewarnung endet auch die allgemeine Praxis, gebuchte Reisen unter Hinweis auf die Corona-Pandemie gebührenfrei stornieren zu können. In strittigen Storno-Fragen hätten die Gerichte bisher eine formelle Reisewarnung des Auswärtigen Amtes stets als Grund anerkannt, um kostenfrei von gebuchten Reisen zurücktreten zu können, gibt das Ministerium auf seiner Internetseite an. Vom 15. Juni an werden sich Reisewarnungen wieder auf jene Länder beschränken, in denen weiterhin ein hohes Risiko einer Ansteckung besteht. Dann werden auch Warnungen aus anderen Gründen wieder aufleben oder aktualisiert werden müssen, die schon vor der Corona-Pandemie bestanden. Dazu zählen auch Reisewarnungen, die sich auf Bürgerkriege oder akute politische Geschehnisse beziehen.

          Allgemeine Reisehinweise können auch vielerlei andere Informationen enthalten. Sie informieren etwa über Besonderheiten in den Reiseländern, das kann bis zu Kleidungsvorschriften gehen. Künftig werden jene Reisehinweise auch Details über die Eindämmungs-Maßnahmen gegen das Coronavirus enthalten können, die in den betreffenden Urlaubsländern einzuhalten sind.

          Maas sagte am Montag, es werde in den nächsten Wochen nicht damit getan sein, schrittweise die Reisebeschränkungen und Grenzkontrollen an den deutschen Außengrenzen aufzuheben – über deren Anordnung und Dauer auch nicht das Auswärtige Amt, sondern das Bundesinnenministerium zu entscheiden hat. Es gebe vielmehr viele weitere Fragen, die geklärt werden müssten. So hätten die Minister in der Nachbarschafts-Runde am Montag teilweise unterschiedliche Vorstellungen ihrer Länder vorgetragen, wie die Infektionskontrolle bei Touristen zu handhaben sei. Einige erwögen, Negativ-Tests auf das Coronavirus für Urlauber vorzuschreiben, andere plädierten für Fiebermess-Kontrollen an den Flughäfen, wieder andere überlegten besondere Registrierungsformen für Urlauber oder die Vorschrift, die Nachverfolgungs-App des jeweiligen Gastlandes zu nutzen.

          Maas: Außerhalb Europas weiter „größte Vorsicht“ angeraten

          Der deutsche Außenminister sagte nach der Konsultation mit seinen Kollegen, „wir wollen Schritt für Schritt in die Normalisierung“, doch sei diese Normalisierung „nicht das, was früher als normal verstanden worden ist“. Das Vereinbaren von Reisekriterien und Kontrollen vor Beginn der Urlaubszeit sei nicht nur für die Tourismusländer am Mittelmeer, sondern auch für die Herkunftsländer außerordentlich wichtig. Es müsse auch geregelt werden, wie Touristen behandelt werden sollten, die sich während des Urlaubs mit Covid-19 infizierten. Sollten sie unverzüglich nach Hause reisen oder im Urlaubsland in Quarantäne gehen müssen?

          Außerdem will der deutsche Außenminister möglichst koordinierte Absprachen darüber, wie bei einem neuerlichen Ausbruch und einer Verhängung neuer Beschränkungen in bestimmten Orten mit den Touristen verfahren werden solle, die dort dann ihren Urlaub abbrechen müssten. Maas sagte, es liege auch im Interesse der Länder, aus denen die Touristen stammten, dass in den Urlaubsländern wirksame Maßnahmen beachtet würden, die eine Ausbreitung verhinderten. Niemand wolle, dass es durch neu nach Deutschland importierte Infektionen hierzulande zu neuen Ausbrüchen der Krankheit komme.

          Gegenüber Reiseplänen in Länder außerhalb Europas äußerte Maas Skepsis. Hier gelte weiterhin „größte Vorsicht“. Viele Länder habe die Corona-Pandemie erst später getroffen als Deutschland und andere europäische Länder; viele Weltgegenden seien daher bei der Bekämpfung der Ausbreitung des Virus weniger weit gediehen. In Südamerika werde der Höhepunkt des Infektionsgeschehens ausgerechnet im Sommer erwartet, sagte der Außenminister; auch in Ländern Afrikas und in Teilen Asiens sei die Ausbreitung noch nicht unter Kontrolle.

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