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Contra : Warum das Bio-Prädikat unnütz ist

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Bio ist nicht gesünder

          3 Min.

          Alles Quatsch: Bio ist nicht gesünder, auch bei Bio muss man aufs Kleingedruckte achten und auch Bio-Schweine leiden.

          1. Bio ist nicht gesünder

          Ein Apfel ist ein Apfel ist ein Apfel, und nur weil der Obstbauer seinem Baum mit verklärtem Öko-Blick beim Wachsen zuschaut oder auf Pestizide verzichtet, ändert sich nicht das genetische Programm einer Pflanze, das am Ende über den Vitamingehalt der Frucht entscheidet. Wenn also Wissenschaftler der Universität Stanford diese Woche auf Basis einer Meta-Studie verkündeten, Bio-Produkte seien nicht gesünder als konventionell erzeugte Lebensmittel, ist das keine Überraschung. Wer im Ökoladen kauft, weil er tatsächlich Kartoffeln mit mehr Nährstoffen will, ist - sorry - naiv. Es gibt zwar Untersuchungen, dass Bio-Erzeugnisse gut zehn Prozent mehr sekundäre Pflanzenstoffe enthalten, die auch dem menschlichen Körper nützen, weil sie Alterungsprozesse verlangsamen. Keiner weiß jedoch, ob das einen Einfluss auf die Lebensdauer hat - vielleicht ein paar Wochen, haben Forscher aus Newcastle berechnet, bei konsequenter Öko-Kost. Eine Pille Vitamin A oder C am Tag hat mindestens denselben Effekt. Überhaupt garantiert das Niveau der landwirtschaftlichen Produktion im 21. Jahrhundert, dass Lebensmittel alles enthalten, was der Mensch braucht; Mängel sind eine Folge schlechter Verarbeitung. Insofern ist die Frage, ob Bio gesünder ist, eigentlich irrelevant. Das größte Ernährungsrisiko sind ohnehin zu viel Fett und Zucker.

          2. Bio fühlt sich nur gut an

          Wir wechseln unseren Stromanbieter. Wir entscheiden uns für den teuren Mitnehmkaffee aus fairem Handel und tragen T-Shirts von American Apparel. Wir kleiden unsere Babys in Öko-Baumwolle, züchten auf dem Balkon Tomaten und - natürlich - kaufen wir Bio-Eier. Bio-Schokolade. Bio-Pizza. Und Mango-Lassi in Bio-Qualität. Warum? Wir fühlen uns gut. Wir haben ein gutes Gewissen. Wir sehen uns im Einklang mit den Menschen um uns herum, die genau so sind wie wir. Und wir merken gar nicht mehr: Eigentlich geht es nur um uns. Um einen Lebensstil, der Genuss und Geschmack für deutlich mehr Geld mit einem Gefühl der Exklusivität versieht, das uns schmeichelt. Wir sind Egoisten. Schlimmer noch: Die moralische Überlegenheit, durch das eigene Konsumverhalten Gutes zu tun, wirkt wie ein Freibrief für besonders unmoralisches Handeln. Das belegt jedenfalls Nina Mazar mit ihrem Forschungsteam von der Universität Toronto, die ihre Testpersonen zunächst im Bio-Laden einkaufen ließ. Bei den Aufgaben, die es dann zu erfüllen gab, waren Bio-Kunden deutlich eher bereit, zu lügen und zu stehlen, als Probanden, die konventionelle Produkte eingekauft hatten. Mazar resümiert: „Bio-Produkte machen uns nicht notwendigerweise zu besseren Menschen.“

          3. Auch bei Bio ist das Kleingedruckte wichtig

          Azorubin, Chinolingelb oder Gelborange S - das hört sich schon so an, als sei es ungesund. Ist es auch. Wassereis oder Bonbons, in denen es enthalten ist, müssen die Aufschrift „Kann Aktivität und Aufmerksamkeit bei Kindern beeinträchtigen“ tragen. In Bio-Lebensmitteln sind solche Zusatzstoffe verboten, statt 320 sind bei Produkten mit dem sechseckigen staatlichen Bio-Siegel nur 50 Zusatzstoffe zugelassen, bei den Erzeugnissen mit Verbandssiegel von Bioland oder Demeter sogar noch deutlich weniger. Und Gentechnik oder die Bestrahlung von Nahrungsmitteln mit ionisierenden Strahlen zur Entkeimung und zur Verlängerung der Haltbarkeit sind bei Bio-Produkten gar nicht erlaubt. Doch auch Bioprodukte, vor allem die mit dem Sechseck, können Substanzen enthalten, die laut Verbraucherorganisation „Foodwatch“ problematisch sind. Bei staatlichem Bio erlaubt ist beispielsweise Carrageen, das im Tierversuch zu Geschwüren und Veränderungen im Immunsystem führte, und auch Nitritpökelsalz, aus dem sich im menschlichen Magen krebserregende Nitrosamine bilden können. Und wenn in der Bio-Branche auch vollkommen auf den Geschmacksverstärker Glutamat verzichtet wird: Die Zugabe von Hefeextrakt ist generell erlaubt, und der enthält ebenfalls Glutamat. Bio essen, und alles ist gut? So einfach ist es nicht.

          4. Auch Bio-Schweine müssen leiden

          Wenn vier Wiener Würstchen in Bioqualität beim Discounter 1,49 Euro kosten, stellt man sich besser nicht vor, wie es den Schweinen vorher ergangen ist. Oder man denkt an die Bilder, die in einer ARD-Reportage vom Montag zu sehen waren: Schweine in Kastenständen aufgereiht, kupierte Schwänze, eine Sau mit Ferkeln ganz ohne Stroh. „Das ist schlichtweg nicht zulässig“, sagt Friedrich Lettenmeier, Vorsitzender von „Abcert“, Deutschlands größter Kontrollstelle für Bio-Produkte. Nun hat es in der Ökobranche immer Skandale gegeben: Der Reiz zu betrügen wächst, wo es viel zu verdienen gibt. Der Tierfreund aber muss sich grundsätzlich fragen, ob ihm die Standards der Fleischerzeugung, die das staatliche Bio-Siegel garantiert, genügen. Schließlich lautet das Hauptmotiv des deutschen Bio-Kunden „artgerechte Tierhaltung“. Was heißt es dann, wenn die deutschen Bio-Mindeststandards deutlich mehr Mastschweine pro Hektar erlauben als die Bio-Anbauverbände? Und selbst ein Demeter-Stall muss sich rechnen und kann deshalb nicht nur Streichelzoo sein: Konsequente Tierliebe macht Vegetarier. Bei aller Kritik an Billig-Bio sind konventionelle Würstchen übrigens keine Alternative. Oder, wie Kontrolleur Lettenmeier sagt: „Da liegen Welten dazwischen.“

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