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Coco Chanel : Die Agentin mit der Perlenkette

Von den Deutschen wiederum erhoffte sich Coco Chanel, dass sie ihr helfen würden, die "Société des Parfums Chanel", die ihr berühmtes Parfum Chanel N° 5 vertrieb und seit 1924 mehrheitlich den Brüdern Wertheimer gehörte, in ihren Besitz zu bringen. Man arrangierte für sie ein Treffen mit dem Nazifunktionär Kurt Blanke, der für die "Arisierung" jüdischen Vermögens zuständig war. Doch die Wertheimers, die mittlerweile im amerikanischen Exil lebten, hatten vorgesorgt und ihr Unternehmen pro forma an den Flugzeugfabrikanten Félix Amiot übertragen, der es treuhänderisch verwalten sollte. Chanels Vorhaben misslang.

„Operation Modellhut“

Ihre erste Mission für die Deutschen startete sie im August 1941 mit einer Reise nach Madrid an der Seite des V-Manns Baron Louis de Vaufreland. Dort sollte sie ihre guten Kontakte zu britischen Botschaftskreisen nutzen, um an wichtige Informationen zu kommen. Auch hier erwartete Chanel eine Gegenleistung: die Befreiung ihres Neffen André aus einem deutschen Gefangenenlager. Wie erfolgreich ihre Arbeit als Agentin war, lässt sich nicht rekonstruieren, ihr Neffe kam allerdings tatsächlich frei.

In der windigen "Operation Modellhut", die Chanel mit von Dincklage und dem SS-Oberführer Walter Schellenberg im Reichssicherheitshauptamt in Berlin Ende 1943 vorbereitete, sollte Chanel Winston Churchill zu Gesprächen mit den Deutschen über ein mögliches Kriegsende überreden. Die Mission misslang, weil Churchill, der in Madrid erwartet wurde, erkrankte. Ein dringlicher Brief, den Chanel auf dem Papier des Madrider Hotel Ritz schrieb, hat den Premierminister vermutlich nie erreicht.

Eine überzeugende Tarnung

Es ist anzunehmen, dass Chanel nicht aus politischer Überzeugung handelte, obwohl sie wie viele ihrer französischen und britischen Freunde durchaus antisemitisch eingestellt war. "Sie war eine außergewöhnliche Opportunistin", sagt Vaughan. Selbst zu dem Zeitpunkt, als sich die Schlinge um ihren Hals zu legen schien, konnte sie auf ihre hervorragenden Kontakte zählen: Im September 1944 wurde sie im Hotel Ritz als Kollaborateurin verhaftet und schon nach wenigen Stunden wieder freigelassen.

Man vermutet bis heute, dass es Churchill persönlich war, der die Anweisung erteilte. Chanel floh in die Schweiz, von Dincklage folgte ihr. Sie war damals 61, er 48 Jahre alt. Noch bis 1950 sollten sie ein Liebespaar bleiben. Laut Vaughan unterstützte sie ihn und einige andere Nazifunktionäre finanziell und brachte sie damit gleichzeitig zum Schweigen.

„Für immer ein Mysterium“

Auch in den folgenden Jahrzehnten war sie stets darum bemüht, weite Teile ihrer Vergangenheit im Ungefähren zu lassen. Vermutlich wollte es auch keiner mehr so genau wissen, als sie 1954 ihr Comeback in Paris startete. Bald begann sie, junge Filmstars wie Jeanne Moreau und Romy Schneider auszustatten, die Präsidentengattin Claude Pompidou wurde ihre Stammkundin. Auch die Wertheimers waren nicht daran interessiert, die alte Geschichte aufzurollen; sie handelten nach dem Krieg mit Chanel einen neuen Vertrag aus.

Heute gehört das Unternehmen, das immer noch im Besitz der Familie Wertheimer ist, zu den erfolgreichsten Luxuskonzernen der Welt. Die Vorwürfe, Chanel sei eine Spionin im Dienste der Nazis gewesen, hält man im Stammhaus für haltlos. Was damals genau passiert sei, so heißt es in einer Stellungnahme ganz im Sinne von Coco Chanel, werde "ohne Zweifel für immer ein Mysterium bleiben".

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