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Co-Parenting : Zwei Papas, eine Mama

Rechtliche Schwierigkeiten

Um Ruby und Remus aber auch vor dem in ihren Augen höchst unwahrscheinlichen Fall einer Trennung von Aaron und Michael zu schützen, haben sich die drei Elternteile Folgendes einfallen lassen: Aaron ist der rechtliche Vater von dem Kind, das Michael gezeugt hat, und Michael ist der rechtliche Vater von dem Kind, das Aaron gezeugt hat. Das bedeutet, dass ihre leiblichen Kinder als rechtlichen Vater den jeweils anderen haben, und sollten „Aaronpapa“ und „Michipapa“, wie Ruby sie nennt, sich jemals trennen, wird der jeweils leibliche Vater viel weniger Rechte als der rechtliche Vater haben. Warum sie das so gemacht haben? „Wir wollten, dass wir selbst im Falle einer Trennung, zum Wohle der Kinder, aufeinander angewiesen sind“, erklärt Michael, der, wie Aaron auch, Jurist ist und an der FU Berlin arbeitet.

Aber auch wenn sie zusammenbleiben, rechnen die drei Elternteile mit Schwierigkeiten: Wenn zum Beispiel ein Kind ins Krankenhaus müsste und dessen rechtlicher Vater mit Franka unterwegs wäre und nicht kommen könnte, dann müsste der leibliche Vater damit rechnen, nicht zu seinem Kind vorgelassen zu werden. Sie wollen sich jetzt deshalb gegenseitig Generalvollmachten ausstellen. „Die lassen wir laminieren und tragen sie dann immer mit uns herum“, sagt Michael. So wollen sie ihr Familienmodell vor dem deutschen Rechtssystem schützen. Darüber hinausgehende Verträge haben sie innerhalb ihrer Familie nicht. Im Mietvertrag stehen sie alle drei, und alle Ausgaben für ihre Familie teilen sie durch drei. Sie vertrauen einander.

„Bechermethode“

Und dann erzählen sie doch noch ganz freiwillig und fast schon beiläufig, wie sie ihre Kinder gezeugt haben. Und zwar haben sie es zwei Jahre lang vergeblich mit der „Bechermethode“ versucht - dabei führt sich die Frau das vom Mann gespendete Sperma mittels einer Spritze ein. Das führte aber nicht zu einer Schwangerschaft, und so fuhren sie schließlich zur Zeugung beider Kinder nach Polen, in eine Kinderwunschklinik. Beide Kinder sind anschließend per Kaiserschnitt in Berlin zur Welt gekommen, und beide Male durfte nur ein Vater dabei sein. Eigentlich hätten sie es so machen wollen, dass der Vater, der kein Blut sehen kann, draußen bleiben sollte, erzählt Michael, aber aus logistischen Gründen habe das nicht geklappt, so dass der Vater, der kein Blut sehen kann, schließlich bei beiden Entbindungen dabei war. Direkt danach sei dann jedes Mal der zweite Papa dazugekommen, und das sei gar kein Problem gewesen: „Im Gegenteil“, erzählt Franka, „eine Ärztin hat sehr nett gesagt: ,Oh, noch ein Papa.‘“

Weil sie natürlich die Einzige ist, die stillen kann, hat Franka auch als Einzige Elternzeit genommen bei den beiden Kindern. Dafür bringen Michael und Aaron Ruby zum Kindergarten und holen sie ab, und manchmal fahren sie auch zusammen mit Ruby in den Urlaub. Die spielt jetzt gerade, wieder auf Frankas Schoß sitzend, mit Remus’ Thermometer. Michael nimmt dies zum Anlass, sich fachmännisch über die Temperatur von Remus’ Fläschchenmilch zu äußern, die mit 39 Grad eigentlich zu warm sei. Dann rüsten sich die fünf für einen Spaziergang. Michael geht mit Ruby auf die Toilette, putzt ihr anschließend den Popo ab und diskutiert mit Franka, welche Schuhe Ruby anziehen soll. Franka stillt Remus, Aaron räumt auf. „Das müsste eigentlich schneller gehen, bis wir fertig sind“, entschuldigt sich Michael. „Aber manche Sachen, wie Stillen, kann eben nur Franka machen.“ Er lacht.

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