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Co-Parenting : Zwei Papas, eine Mama

Keine Liebe aber Freundschaft

Vor sieben Jahren bekam Hope dann auch noch eine Tochter von einem ebenfalls kinderlosen 25 Jahre älteren „Food Product Developer“, der heute 69 ist. Liebe zu den Vätern spürte sie in keinem der beiden Fälle, aber Freundschaft. Beide Männer sind heterosexuell und steckten damals in festen Beziehungen. Nun hat Hope noch eine dritte künstliche Befruchtung vornehmen lassen, das Sperma dazu stammt von einem dritten heterosexuellen Spender. Noch ist der Embryo tiefgefroren, und es ist nicht klar, ob sie ihn sich einpflanzen lassen wird. Denn dieser Mann, sagt Hope, sei geistig krank. Das habe sie leider zu spät gemerkt: „Das sind eben die Risiken, die man eingeht.“

Hope, die auch ein Buch über Co-Parenting geschrieben hat („Family by Choice: Platonic Partnered Parenting“), schwärmt aber trotz ihrer schlechten Erfahrungen mit dem dritten Spender von dem Modell: Frauen könnten Kinder bekommen, ohne den perfekten Liebespartner gefunden zu haben. So bleibe es ihnen erspart, kinderlos in die Wechseljahre zu schlittern oder unbedingt heiraten zu müssen, während sie noch fruchtbar seien. „Kinderkriegen und Partnersuche voneinander zu trennen ist ganz einfach ein grandioser Akt der Emanzipation“, findet sie.

„Das ist für uns kein erstrebenswertes Modell“

Kritiker hingegen sehen das Co-Parenting skeptisch. „Das ist für uns kein erstrebenswertes Modell“, sagt Birgit Mock, familienpolitische Sprecherin des Zentralkomitees der deutschen Katholiken. Die katholische Kirche stehe der Elternschaft ohne Eheversprechen skeptisch gegenüber, weil Mütter und Kinder durch eine Ehe viel besser für den Fall einer Trennung abgesichert seien. „Mütter, die nicht verheiratet sind, haben ganz große Probleme, im Fall einer Trennung Unterhalt einzuklagen, das zeigt die Erfahrung“, so Mock.

Auch konservative Familienverbände gehen auf Distanz. Hedwig von Beverfoerde, Deutschland-Koordinatorin von „Vater, Mutter, Kind“, einer neuen europäischen Bürgerinitiative zum Schutz von Ehe und Familie, meint: „Es ist nicht in Ordnung, dass man von vornherein plant, dass Kinder in so einer merkwürdigen Elternkonstellation aufwachsen.“ Etwas anderes sei es, wenn sich durch Schicksale wie Tod oder Trennung von Eltern ungewöhnliche Konstellationen ergäben. „Aber dass man Kindern absichtlich zumutet, in so einer nicht als Familie zu bezeichnenden Situation aufzuwachsen, finde ich überhaupt nicht gut“, sagt Beverfoerde. Familie sei nicht „irgendwas, was wir jeden Tag neu definieren können, um die für unsere eigenen Vorlieben passende Konstellation zusammenzubasteln“, sondern eine lebenslange Partnerschaft von Mann und Frau, die miteinander Kinder bekämen. Dies sei „die beste und natürlichste Form, wie Kinder aufwachsen können“, das andere sei „nur Imitation von Familie“ und eine „selbstsüchtige Anmaßung“.

Michael, Aaron und Franka wissen um diese Vorbehalte in konservativen Milieus. „Die Gesellschaft scheint noch nicht so weit zu sein. Aber warum sollte es unserem Glück im Wege stehen, dass irgendwelche Leute nicht gut finden, wie wir leben?“ fragt Michael. Und fügt fast trotzig hinzu: „Was wir machen, ist ja nicht verboten.“ Aaron wiegelt ab: „Das Wichtigste ist doch, dass die Kinder glücklich sind und Zuwendung bekommen, und die bekommen sie.“

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