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Co-Parenting : Zwei Papas, eine Mama

Kinderbilder aller drei Elternteile

In ihrer Wohnung hängen Kinderbilder aller drei Elternteile übereinander im Flur, in identischen Rahmen und gleicher Größe, es wirkt so, als seien die drei eine echte Elterneinheit. Natürlich streiten sie auch manchmal. „Zwei gegen einen“, erklärt Michael. „In wechselnden Konstellationen“, fügt Aaron hinzu. „Oft über den Haushalt, nie über Kindererziehung“, ergänzt Franka. Doch alle drei sind der Meinung, dass ihre Familie Folge einer „schicksalhaften Fügung“ ist. Allerdings, sagt Aaron, könne er, wenn er Fremden von seiner Familie berichte, „förmlich das Kopfkino in den Leuten ablaufen sehen, die sich fragen: ,Oh, wie haben die denn das gemacht?‘ Und die Komischen fragen immer gleich nach der Technik.“

In ihrem persönlichen Umfeld indes haben sie überall Verständnis geerntet, erzählen sie. Die Eltern von Aaron und Michael waren begeistert, Enkelkinder zu bekommen, und auch Frankas Vater - zur Mutter hat sie keinen Kontakt - freut sich, Großvater zu sein. Weihnachten, jüdische Feiertage und die Geburtstage der Kinder feiern sie mit den Großeltern, mal mit Michaels Eltern, mal mit Frankas Vater, nur Aarons Eltern kommen aus Israel und können nur selten dabei sein. Michael und Aaron sagen, ihre Eltern liebten beide Kinder unabhängig von der tatsächlichen biologischen Vaterschaft wie ganz normale Enkelkinder, und wenn ihre Eltern zu Besuch seien, kümmerten sie sich gleichermaßen um beide Kinder.

Missbilligung am Kitaplatz

Auch die meisten ihrer Freunde fänden ihr Familienmodell gut, „nur meine älteste Freundin“, erzählt Franka, „die ist eher konservativ und findet das nicht normal“. Aber offene Kritik übe auch sie nicht, sondern sie freue sich für sie. Richtig deutliche Missbilligung hätten sie bisher erst einmal erfahren - als sie einen Kitaplatz für Ruby gesucht hätten. Da weigerte sich die Leiterin schlichtweg, Ruby aufzunehmen. „Das war so schlimm, ich hab fast geweint“, erinnert sich Michael. Vielleicht lag das aber auch daran, dass Aaron und Michael ohne Franka zu dem Termin gegangen waren. Inzwischen haben sie jedenfalls eine Kita gefunden, in der Ruby willkommen ist. Sie erzählt dort auch ganz offen von ihren beiden Papas. „Sie kennt es nicht anders“, sagt Michael.

Laut Bindungsforscher Karl Heinz Brisch vom Dr. von Haunerschen Kinderspital in München dürfte es eigentlich, wissenschaftlich gesehen, in der Bevölkerung keine Vorbehalte gegen homosexuelle Elternschaft und Regenbogenfamilien mehr geben: „Es gibt seit dreißig Jahren Forschung, die beweist, dass Kinder, die bei homosexuellen Eltern aufwachsen, psychisch gesund sind und selbst nicht häufiger homosexuell werden als die Kinder heterosexueller Eltern“, sagt Brisch. Wichtig für Kinder sei in erster Linie, dass ihre Eltern sie emotional versorgten, sie liebten und eine sichere Bindung zu ihnen aufbauten. Die sexuelle Orientierung der Eltern sei für Kinder nicht entscheidend. Viel wichtiger sei, ob die Eltern liebevoll miteinander umgingen.

Hinzu komme, dass viele Kinder aus gescheiterten Beziehungen im Alltag nur ein Elternteil hätten, „und das ist doch auch nicht ideal“, findet Brisch. Die Kinder von Michael, Aaron und Franka hätten es „besser“ als viele andere Kinder, denn allem Anschein nach hätten sie „drei emotional sichere Häfen, von denen sie liebevoll versorgt werden, das ist eine richtige Luxusausstattung, ein Geschenk besonderer Güte“. Und die Rollenbilder, die ihre schwulen Väter ihnen vorlebten, seien sehr modern und sehr partnerschaftlich. „Es ist doch wunderbar, wenn Kinder lernen, dass Väter liebevoll und fürsorglich sind“, findet Brisch.

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