https://www.faz.net/aktuell/gesellschaft/cloaca-maxima-roemisches-abwassersystem-14485578.html

Römisches Abwassersystem : Das Monument Kloake

  • -Aktualisiert am

Die Cloaca Maxima in Rom: Eines der ältesten Abwassersysteme der Welt Bild: Roberto Caccuri/Contrasto/laif

Die Cloaca Maxima ist 2500 Jahre alt und führt noch heute Wasser in den Tiber. Die einstige Römische Kloake war aber eigentlich für etwas ganz anderes vorgesehen - und einer Göttin gewidmet.

          4 Min.

          Mit Empörung würden wohl die Könige Tarquinius Priscus und Servius Tullius, die zwischen 614 und 532 vor Christus Rom beherrschten, die Nachricht quittieren, ihr monumentales Bauwerk auf dem Forum sei zu einem stinkenden Abwasserkanal verkommen. Sie würden nicht zuletzt ihren Glauben an die Göttin Venus Cloacina verlieren, die in ihrem nahen Tempel darüber wachen sollte, dass jener königliche Stolz wohlgehütet bleibt. Schließlich gab es einen ähnlichen Kanal damals nur unter dem Palast des großen Kaisers Sanherib in Ninive.

          Aber heute, gut 2500 Jahre später, muss der Kloakenbesucher feste und dichte Watstiefel bis zum Bauch wie die Fischer anlegen, einen Schutz um den Mund binden und darf erst nach eindrücklichen Ermahnungen auf einer wackligen Leiter fünf Meter tief zur Cloaca Maxima hinabsteigen.

          Ewig kalt und nass

          Schon draußen, nicht weit vom ehrwürdigen Gebäude der antiken Kurie, dem Sitz des römischen Senats, stinkt es bisweilen nach den menschlichen Hinterlassenschaften - und unten tut es das erst recht. Bisweilen treiben auch Windeln und Binden vorbei, was aber offenbar die Ratten hier nicht stört.

          In dieser Tiefe ist es ewig kalt und nass. Tastend bewegt sich der Besucher knietief im Wasser auf matschigem Grund. Nur mit Leuchten am Helm geht es vorwärts. Dabei ist dieser älteste Teil des Kanals, den eine römische Archäologin dem Besucher zunächst zeigt, ein schnurgerader Abschnitt unter dem Forum Romanum bei der späteren Basilica Aemilia. Er ist gut 100 Meter lang, etwa zwei Armlängen breit und knapp 1,30 Meter hoch. Die Wände wurden aus etwa 1,2 mal drei Meter tiefen Tuffsteinblöcken gemauert, mithin aus dem Gestein der Hügel Palatin und Kapitol nebenan.

          Kanal aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus

          Heute erhebt sich darüber eine Ziegelsteindecke, so dass sich der Besucher bücken muss, als wolle er die dreckige stinkende Brühe auch noch trinken. Aber die Decke entstammt nicht der Zeit jener Könige, sondern wurde wohl im zweiten Jahrhundert vor Christus gebaut, also in der nächstjüngeren Bauphase während Roms Republik. Zunächst war die Cloaca Maxima ein offener Kanal, mit dem die Gewässer aus heute noch nicht ergründeten Quellen unter Esquilin, Viminal und Quirinal, dem heutigen Stadtteil Monti, über jenen langsam prachtvoll bebauten Hauptplatz der antiken Stadt zum Tiber geleitet wurden.

          Zur Zeit jener Könige gab es schon ein paar sakrale und kommunale Bauten auf dem weiten Areal zwischen den sieben bewohnten Hügeln - im Übrigen aber nur Gräber und sumpfige Wiesen. Regelmäßig trat der Tiber über die Ufer und vermischte sich mit dem Wasser aus nahen Quellen. Das prachtvolle Forum Romanum sollte erst noch entstehen.

          Dafür aber mussten die beiden berühmten Könige einen Teil der Hügel abtragen und mit dieser Erde das Land zwischen ihnen etwas erhöhen. Zudem bündelten sie die vielen Wasserläufe in einem einzigen und sammelten das frische Nass in einem Kanal.

          Ihn hätte man wie andernorts in Italien in jener Zeit wie ein U oder ein V ins Erdreich setzen können, um es den Bauherren im Kampf gegen den Wasserdruck leichter zu machen. Stattdessen mauerten die Könige zu ihrem eigenen Lobpreis und zum Staunen der Welt ein rechteckiges Bauwerk. So prachtvoll wie die langsam wachsenden Tempel auf dem Forum sollte eben auch dieser Wasserlauf sein. Dafür stand der Name Cloaca Maxima - und keineswegs für Dreck und Kloake wie heute.

          Vermutlich verhinderten hölzerne Zäune am Ufer, dass Menschen ins Wasser fielen; auch wenn das im Sommer eine wunderbare Erfrischung gewesen sein muss. Zudem führten wohl marmorne Brücken über den Kanal.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Putin mit den Müttern von Kämpfern

          Putin trifft Mütter : Lieber Heldentod als Verkehrsunfall

          Um auf Kritik zu reagieren, arrangiert der Kreml ein Treffen mit ausgewählten Müttern von Kämpfern. Ihnen erzählt der Präsident, wie gut es sei, für die Heimat zu sterben statt durch Alkohol oder einen Unfall.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.