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Christmette in Rom : Papst geißelt die Unbarmherzigkeit der Konsumgesellschaft

  • Aktualisiert am

Bild: Reuters

Trunken seien wir von Überfluss und Eigenliebe, eine „Kultur der Gleichgültigkeit“ habe sich ausgebreitet, mahnte Franziskus in seiner Christmette. In Bethlehem auf dem Platz vor der Geburtskirche erloschen die Christbaumlichter, um aller Opfer des Terrors zu gedenken.

          Unter dem Eindruck von Terror und Gewalt haben die Menschen in vielen Ländern Weihnachten gefeiert. Auf dem Petersplatz in Rom, vor der Geburtskirche in Bethlehem und vor vielen Kirchen in Frankreich galten strikte Sicherheitsvorkehrungen. Aus Angst vor Attentaten blieben viele Pilger in diesem Jahr dem Geburtsort Christi fern, und auch in Rom war ihre Zahl trotz des „Heiligen Jahrs der Barmherzigkeit“ deutlich geringer als sonst.

          Zum dritten Mal feierte Papst Franziskus im Petersdom die traditionelle Christmette. Der 79-Jährige, der nach einer Grippe blass und geschwächt wirkte, rief die 1,2 Milliarden Katholiken weltweit zur „Mäßigung“ auf. Er prangerte die moderne Konsumgesellschaft an, deren „Kultur der Gleichgültigkeit“ letztlich zur „Unbarmherzigkeit“ führe.

          Kritik an Fixierung auf Konsum und Luxus

          Die Gesellschaft sei oft trunken von Konsum und Vergnügung, von Überfluss und Luxus, von Augenschein und Eigenliebe, kritisierte Franziskus vor rund 10.000 Menschen im Petersdom. In einer Welt, „die viel zu oft hart mit dem Sünder und weich gegenüber der Sünde“ sei, müsse jeder danach streben, „Sinn für Gerechtigkeit zu entwickeln“, sagte der Papst in seiner kurzen Ansprache.

          Während seines Pontifikats hat der Argentinier immer wieder für Nüchternheit und Barmherzigkeit gegen die vom Leben weniger Begünstigten plädiert.

          An diesem Freitag, dem ersten Weihnachtsfeiertag, wird der Papst den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ - der Stadt und dem Erdkreis - von dem zentralen Balkon des Petersdoms spenden. Dort war er erstmals nach seiner Wahl am 13. März 2013 erschienen.

          Gedenken an Opfer von Gewalt

          Der lateinische Patriarch von Jerusalem, Fuad Twal, widmete seine Weihnachtsbotschaft den Opfern von Gewalt und ihren Familien. „Wir gedenken der zerstörten Häuser in Jerusalem und Palästina, der enteigneten Grundstücke, an alle Opfer von Kollektivstrafen“, sagte Twal während der Christmette in der Geburtskirche unter Anspielung auf die Zerstörung der Häuser von Palästinensern, die anti-israelische Angriffe begangen haben sollen.

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          „Wir gedenken aller Opfer von Terrorismus überall auf der Welt“, fuhr er fort. Auf dem Platz vor der Kirche erloschen die Christbaumlichter aus Trauer um die Opfer minutenlang.

          Kontrollen und Warnungen

          In Frankreich, wo im November 130 Menschen bei einer Serie von islamistischen Anschlägen in Paris getötet worden waren, wurden die Sicherheitsvorkehrungen zu Weihnachten weiter verstärkt. Wie zuvor schon in den Kaufhäusern und Museen wurden die Menschen nun auch an den Eingängen zu vielen Kirchen kontrolliert.

          Die Botschaften der Vereinigten Staaten und Großbritanniens in Peking warnten unterdessen vor „möglichen Bedrohungen westlicher Besucher“ und empfahlen ihren Landsleuten, das beliebte Einkaufsviertel Sanlitun im Zentrum der chinesischen Hauptstadt während der Weihnachtstage zu meiden.

          Die Regierung im mehrheitlich muslimischen Somalia untersagte alle Weihnachtsfeierlichkeiten. Zur Begründung hieß es, sie widersprächen „der islamischen Kultur“ und könnten Anschläge des radikalislamischen Shebab-Miliz provozieren.

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