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Christmette in Rom : Franziskus wirbt für Willkommenskultur

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Papst Franziskus küsst bei der Weihnachtsmesse im Petersdom im Vatikan das Christuskind. Bild: dpa

Mehr Mitgefühl für Flüchtlinge, weniger Angst und Gleichgültigkeit: Papst Franziskus erinnert im Petersdom an Nächstenliebe als christlichen Wert. Auch in Bethlehem prägen politische Debatten die Mitternachtsmesse.

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          Mit Christmetten und feierlichen Abendgottesdiensten haben Christen in aller Welt am Sonntagabend das Weihnachtsfest begonnen. Papst Franziskus rief im Petersdom zu mehr Mitgefühl für Flüchtlinge und Vertriebene auf und warb für eine Willkommenskultur. Weihnachten müsse die Menschen aus ihrer Gleichgültigkeit aufwecken und die Augen für das Leid der anderen öffnen. Auch heute gebe es „Millionen Menschen, die nicht freiwillig gehen, sondern gezwungen sind, sich von ihren Lieben zu trennen, weil sie aus ihrem Land vertrieben werden“, so Franziskus bei der Messe im Petersdom vor tausenden Gläubigen.

          Der Grund zur Flucht sei heute oft einzig und allein die Hoffnung zu überleben, betonte der Papst. Es gehe darum, „die aktuellen Nachfolger des Herodes zu überleben, die zur Durchsetzung ihrer Macht und zur Mehrung ihrer Reichtümer nicht davor zurückschrecken, unschuldiges Blut zu vergießen“. Franziskus warb stattdessen für Nächstenliebe: Weihnachten sei der Zeitpunkt, um „die Kraft der Angst in eine Kraft der Liebe zu verwandeln“.

          Maria und Josef teilten das gleiche Schicksal wie viele Migranten heute, sagte der Papst. „Hinter den Schritten von Maria und Josef verbergen sich viele Schritte. Wir sehen die Spuren ganzer Familien, die auch heute gezwungen sind, von zu Hause wegzugehen.“ Auch Maria und Joseph hätten bei ihrer Ankunft in Bethlehem die Erfahrung machen müssen, dass „sie dort niemand erwartete, dass dort kein Platz für sie war“.

          „Keine Angst haben“

          Man dürfe sich nicht mit Ungerechtigkeit zufrieden geben, sondern müsse den Mut haben, „inmitten von Spannungen und Konflikten zu einem Raum der Gastfreundschaft zu werden“, sagte der 81 Jahre alte Argentinier, der selbst Sohn italienischer Einwanderer ist. Der Glaube könne Menschen dazu bringen, „keine Angst zu haben, neue Formen der Beziehung auszuprobieren, in denen niemand das Gefühl haben muss, in dieser Welt keinen Platz zu haben“.

          Franziskus setzt sich seit Beginn seines Pontifikats besonders für Migranten und Ausgegrenzte ein. Bei der Christmesse im vergangenen Jahr hatte er an die Kinder erinnert, die im Krieg oder auf der Flucht aufwachsen.

          Am ersten Weihnachtsfeiertag an diesem Montag – dem Höhepunkt der Weihnachtsfeierlichkeiten im Vatikan – wird Franziskus auch den traditionellen Segen „Urbi et Orbi“ spenden.

          Abbas besucht Messe in Bethlehem

          Am 24. Dezember feierten auch Tausende Christen aus aller Welt im Heiligen Land Weihnachten. In Bethlehem traf am frühen Nachmittag die traditionelle Weihnachtsprozession ein, die von Jerusalem aus aufgebrochen war. Die Feiern wurden in diesem Jahr überschattet von der Krise um die umstrittene Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt Israels durch die Vereinigten Staaten.

          Palästinensische Marschkapellen mit Trommeln und Dudelsäcken und junge Pfadfinder zogen durch die weihnachtlich geschmückten Straßen Bethlehems. Das Oberhaupt der katholischen Kirche im Heiligen Land, Pierbattista Pizzaballa, führte die Prozession aus Jerusalem an. Auf dem Krippenplatz vor der Geburtskirche in Bethlehem wurde der in ein purpurfarbenes Gewand gekleidete Erzbischof von christlichen Würdenträgern feierlich in Empfang genommen. In seiner Predigt forderte er die Politik zu mehr Mut auf.

          „Mehr denn je brauchen wir heute eine echte und ernsthafte Politik“, sagte Pizzaballa bei der Mitternachtsmesse. Es sei an der Zeit, das „Abenteuer von Frieden und Brüderlichkeit zu wagen“. Auf die aktuelle Lage nach der Jerusalem-Erklärung von Amerikas Präsident Donald Trump ging Pizzaballa nicht ein. An dem Gottesdienst nahm auch Palästinenserpräsident Mahmud Abbas teil.

          Zu mehr Mut rief Pizzaballa auch die Christen im Heiligen Land auf. Sie sollten ihre Heimat nicht verlassen. Sie sollten sich nicht von ihren kleiner werdenden Gemeinden, von unzureichenden Mitteln und der Unsicherheit des täglichen Lebens einschüchtern lassen. Eingezwängt zwischen Gegnern und mitunter Opfer von fremden Strategien, die ihre Kapazitäten überstiegen, dürften sie sich nicht verleiten lassen, dem Weg von Stärke und Macht zu folgen.

          In Jerusalems Altstadt waren am Sonntag viele bewaffnete Sicherheitskräfte unterwegs. An der Spitze der Prozession fuhr ein als Weihnachtsmann verkleideter Mann – als Beifahrer auf einem Motorrad.

          Katholische und evangelische Bischöfe in Deutschland forderten die Menschen auf, die Bedeutung von Weihnachten nicht zu vergessen.

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