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Behandlung von Touristen : China beschwert sich über schwedische Polizei

  • -Aktualisiert am

Schweden und China haben ein Problem. Bild: Reuters

Mitten in der Nacht transportieren Polizisten in Stockholm eine chinesische Familie ab. Der Fall sorgt nun für diplomatische Verstimmungen. Ein Video zeigt dramatische Gefühlsausbrüche.

          Ein Vorfall zwischen chinesischen Touristen und schwedischen Polizisten hat zu einer diplomatischen Krise zwischen den beiden Ländern geführt. Die chinesische Botschaft kritisierte am Samstag eine „grobe Behandlung chinesischer Touristen durch die schwedische Polizei“ und forderte die schwedische Regierung auf, „den Vorfall gründlich zu untersuchen und rechtzeitig auf die Forderungen der chinesischen Touristen auf Bestrafung der Verantwortlichen, Entschuldigung und Schadenersatz zu reagieren.“ Die Botschaft gab außerdem eine Reisewarnung für Schweden heraus.

          Der in chinesischen sozialen Netzwerken heiß diskutierte Grund für die Verstimmung hatte sich bereits am 2. September ereignet, als drei chinesische Touristen in der Nacht ein Hotel in Stockholm erreichten, in dem sie wohl ein Zimmer gebucht hatten – allerdings erst für den folgenden Tag. Der Mann und seine betagten Eltern wollten daraufhin die Nacht in der Lobby verbringen, was das ansonsten ausgebuchte Hotel ihnen verweigerte.

          Nach einem Bericht der schwedischen Zeitung „Aftonbladet“ wurde der Mann laut und drohte dem Hotelpersonal. Laut chinesischen Berichten bot er dem Hotel Geld an, um die Nacht in der Lobby zu verbringen, und verwies darauf, sein Vater sei herzkrank.

          Drama auf dem Bürgersteig

          Nachdem die Polizei gerufen wurde, beförderten die Beamten die Chinesen nach draußen, wo die Situation offenbar eskalierte. Videoaufnahmen zeigen, wie der nach Angaben der Botschaft 67 Jahre alte Vater regungslos auf dem Bürgersteig liegt, die Mutter klagend daneben sitzt und der Sohn sich auf Englisch an die Umstehenden wendet.

          Als eine Polizistin sich dem Mann nähert, wirft er sich zu Boden und beginnt lautstark zu heulen, während Beamte und andere Beobachter sichtlich ratlos danebenstehen. Als zwei Polizistinnen ihn oder seinen Vater wegtragen, hört man ihn rufen „Das ist Mord!“

          In der Folge transportierten die Beamten die Familie offenbar in die Nähe eines mehrere Kilometer entfernten Friedhofs und ließen sie dort am Straßenrand stehen. Von dort seien die Chinesen erst mit Hilfe von Passanten ins Stadtzentrum zurückgekehrt, wo sie sich bei ihrer Botschaft meldeten.

          Die schwedische Botschaft in Peking reagierte auf die chinesische Kritik am gestrigen Sonntag mit einer Botschaft auf dem chinesischen Netzwerk Weibo. Dort hieß es, ein unabhängiger Sonderermittler werde untersuchen, ob die Polizei sich unangemessen verhalten oder Gewalt angewendet habe.

          Gespaltene Reaktionen

          Die Reaktionen auf die Vorfälle im Netz sind gespalten. Viele Chinesen kritisieren das Vorgehen der Polizei, vor allem den Umgang mit dem Vater und das Aussetzen am Stadtrand mitten in der Nacht. Andere meinen, der Sohn habe eine übertriebene Szene gemacht, und dies sei ein weiterer Fall von chinesischen Touristen, die mit schlechtem Benehmen Probleme heraufbeschwören.

          Tatsächlich gab es in den vergangenen Jahren zahlreiche Berichte über chinesische Touristen, die im Ausland auffällig wurden. Es gab aber auch fremdenfeindliche Vorfälle, in denen z.B. Chinesen in Amsterdam von jungen Niederländern mit Milchpulver überschüttet wurden.

          Andere Beobachter sehen einen Zusammenhang zwischen der erst jetzt geäußerten Kritik der chinesischen Regierung und dem Besuch des Dalai Lama in Schweden vor einigen Tagen. Das geistliche Oberhaupt der Tibeter befindet sich derzeit auf Europareise und wird diese Woche auch nach Deutschland kommen. Für Chinas Regierung ist der Friedensnobelpreisträger ein rotes Tuch.

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