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China : Generation Einzelkind

  • -Aktualisiert am

Bild: F.A.Z.

Die jungen Erwachsenen in chinesischen Städten kehren zur Familientradition zurück. Mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen, wird wieder modern.

          Sind sie verwöhnt oder überfordert? Ichzentriert oder selbstbewußt? Unsozial oder anhänglich? Eine ganze Generation von Einzelkindern ist in Chinas Städten aufgewachsen und wird genau beobachtet.

          „Kleine Kaiser“ wurden gesichtet und „große Mamakinder“, aber auch Jugendliche, die sich in ihrer Entwicklung kaum von Gleichaltrigen mit Geschwistern unterschieden. Jetzt kommen die Einzelkinder in das heiratsfähige Alter und sorgen für eine neue Überraschung. Die Einzelkinder bringen die Großfamilie zurück in China. Es wird bei jungen Paaren wieder modern, mit den Eltern unter einem Dach zu wohnen.

          Zurück zum traditionellen Familienleben

          Nach alter chinesischer Tradition bedeutete Familienglück, vier Generationen unter einem Dach zu haben: Die Großeltern und Urgroßeltern lebten möglichst mit Kinder und Kindeskindern zusammen. Damit konnte man dem konfuzianischen Ideal von der „Pietät“ gegenüber den Älteren am besten nachkommen und sich bis zum Tod um die Alten kümmern, während diese noch Aufgaben in der Familie versehen konnten. Doch diese alte Form des Zusammenlebens konnte sich nur auf dem Land halten. In den vergangenen Jahrzehnten war das am weitesten verbreitete Familienmodell in Chinas Städten im Zug der Modernisierung die Kernfamilie - mit einem Kind oder zwei Kindern.

          Das scheint sich nun zu ändern, da die „Generation Einzelkind“ Familien gründet. Nach einer Untersuchung der Schanghaier Akademie für Sozialwissenschaften zeigt sich bei den jungen Ehepaaren, von denen beide Partner Einzelkinder sind, ein neuer Trend. Sie leben mit einem Elternpaar zusammen und lassen ihre Kinder von den Großeltern aufziehen. In Chinas modernster Metropole mit einer Bevölkerung von 16 Millionen kehrt man zurück zum traditionellen Familienleben.

          Sexuelle Aufklärung per Internet

          Schanghai ist die Stadt mit den meisten Einzelkindern in China. Im Jahr 1979 verordnete die Volksrepublik ihren Bürgern, nunmehr nur ein Kind zu haben. In der Metropole Schanghai hatte die Einkindpolitik auf der Basis einer lokalen Anordnung schon einige Jahre zuvor begonnen. Bereits im Jahr 1982 waren 81 Prozent aller Kinder in Schanghai Einzelkinder. Somit hat die Stadt jetzt auch die ältesten Einzelkinder, die heiraten und selbst Kinder bekommen. Auch in der Forschung über die Generation der Einzelkinder ist Schanghai besonders aktiv: Sozialwissenschaftler haben das Aufwachsen der Einzelkinder mit vielen Studien und Forschungsprojekten begleitet, sagt Frau Professor Bao Leiping von der Shanghaier Akademie für Sozialwissenschaften.

          Jetzt hat man dort eine erste Studie über Heirat und Familiengründung vorgelegt und junge Eltern, die aus größeren Familien kommen, mit den Einzelkindeltern verglichen. Demnach haben Einzelkinder früher als Kinder mit Geschwistern eine feste Partnerschaft. Zumeist werden sie über das Internet sexuell aufgeklärt, während Kinder aus Mehrkindfamilien sich noch über Bücher, Zeitschriften oder Freunde aufklären lassen. Sexuelle Beziehungen vor der Ehe sind bei den Einzelkindern stärker akzeptiert als bei den Kindern aus Mehrkindhaushalten. Die Einzelkinder heiraten auch etwas eher als die anderen Kinder.

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