https://www.faz.net/-gum-11yui

China : Explosion unter Tage

Gerettet: Chinesische Bergleute transportieren einen Kumpel. Bild: REUTERS

Eine Gasexplosion in einer nordchinesischen Kohlegrube hat 74 Bergleute getötet. Die Mine galt als vergleichsweise sicher. Doch fast 80 Prozent der 16.000 Kohleminen in China werden illegal betrieben.

          Eine Gasexplosion in einer nordchinesischen Kohlegrube hat am Sonntag Dutzende Bergarbeiter getötet. Nach ersten Berichten kamen 74 Bergleute ums Leben, 60 Kumpel konnten gerettet werden, nachdem sie mehrere Stunden unter Tage eingeschlossen waren. Das Staatsfernsehen zeigte Aufnahmen der Rettungsarbeiten in dem Ort Gujia, rund 50 Kilometer von der Hauptstadt Taiyuan der Kohleprovinz Shanxi entfernt. Rettungskräfte fuhren mit Helmen und Grubenlampen in den Schacht hinab. Verletzte wurden eilig auf Tragen aus der Grube geholt und in Krankenwagen gebracht. Einige der eingeschlossenen Bergarbeiter sollen über Mobiltelefone Kontakt zu Angehörigen gehabt haben. „Ich hätte dazugehört, wenn ich nicht meine Schicht mit einem anderen getauscht hätte“, sagte ein Bergmann nach Angaben der amtlichen Agentur Xinhua. „Er ist immer noch unter Tage. Ich hoffe, er lebt noch.“

          Till Fähnders

          Politischer Korrespondent für Südostasien.

          Ein anderer Minenarbeiter hatte sich gerade noch retten können. „Wir haben heute Morgen erst nichts Ungewöhnliches bemerkt“, sagte der Grubenarbeiter, der ohnmächtig in ein Krankenhaus gebracht worden war. Am frühen Sonntagmorgen habe dann plötzlich jemand gerufen, dass das Belüftungssystem kaputt sei. Wegen der zusammengebrochenen Stromversorgung mussten die Bergleute zu Fuß aus dem Schacht flüchten. Der verletzte Arbeiter war nach einem 50 Minuten langen Fußmarsch vor dem Ausgang zusammengebrochen.

          Gefährlichster Beruf der Welt

          Zum Zeitpunkt der Explosion seien 436 Bergarbeiter in der Grube beschäftigt gewesen, hieß es. Viele von ihnen hätten eine Vergiftung mit Kohlenmonoxid erlitten, berichteten Ärzte. 113 Kumpel waren in Behandlung, 21 von ihnen befanden sich in einem kritischen Zustand.

          Die Arbeit in den chinesischen Kohleminen hat den Ruf, einer der gefährlichsten Berufe der Welt zu sein. Im vergangenen Jahr lag die offizielle Zahl der bei Minenunglücken ums Leben gekommenen Arbeiter bei 3200 Toten, 15 Prozent weniger als im Vorjahr. Allerdings dürfte die wirkliche Zahl der Toten wesentlich höher liegen, da viele Unglücke von Minenbesitzern und örtlichen Kadern vertuscht werden. Fast 80 Prozent der 16.000 Kohleminen in China werden illegal betrieben. Die kleinen Minen gelten als besonders gefährlich. In dem am Sonntag von der Explosion getroffenen Tunlan-Bergwerk soll es seit Jahren keinen Unfall gegeben haben, es galt deshalb als vergleichsweise sicher.

          Weitere Themen

          Filmstudio als Rache in Brand gesetzt Video-Seite öffnen

          Mehrere Todesopfer in Kyoto : Filmstudio als Rache in Brand gesetzt

          Der Tatverdächtige wurde bereits in Polizeigewahrsam genommen. Er soll bei seiner Verhaftung gesagt haben, dass das Studio eine Idee von ihm geklaut habe. Mit mehr als 30 Toten ist es die schlimmste Tat seit zwei Jahrzehnten in Japan.

          Topmeldungen

          Persischer Golf : Amerika meldet Abschuss iranischer Drohne

          Amerikas Präsident zufolge zerstörte die „USS Boxer“ das unbemannte Fluggerät über der Straße von Hormus, weil sie ihr zu nahe gekommen sei. Teheran entgegnet, Iran fehle keine Drohne.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.