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Chemie-Unfall : Internationaler Giftalarm am Rhein

  • Aktualisiert am

Die brennende „Stolt Rotterdam” auf dem Rhein bei Krefeld Bild: dpa

Ein leckgeschlagenes Tankschiff droht samt seiner Ladung zu sinken: 1.800 Tonnen Salpetersäure sind noch an Bord.

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          Die Situation bei den Bayer-Werken am Rhein bei Krefeld-Uerdingen ist immer noch heikel: Nachdem am Mittwochmorgen beim Entladen des niederländischen Tankschiffs „Stolt Rotterdam“ ein Feuer ausgebrochen war, steht das Schiff offenbar kurz vor dem Untergang. Die Vermutung: Ein Teil der 1.800 Tonnen Salpetersäure an Bord soll durch ein defektes Rohr zwischen Tank und Außenhaut des Schiffes gelangt sein und sich ausgebreitet haben. Wie Bayer mitteilte, gelangten zirka 100 Kubikmeter der stark ätzenden Säure in den Rhein.

          Das Feuer wurde von mehr als 100 Einsatzkräften der Feuerwehr und des Werkschutzes früh unter Kontrolle gebracht, allerdings ist es bisher nicht gelungen, das schwer angeschlagenen Schiff zu stabilisieren. Das Heck liegt mittlerweile auf Grund. Alle Versuche, die restliche Salpetersäure abzupumpen, schlugen wegen der heftigen Reaktionen des Gases fehl. Direkt nach dem Unglück wurde internationaler Rheinalarm ausgelöst, der Fluss ist zur Zeit für die Schifffahrt gesperrt. Die rheinabwärts liegenden Wasserwerke haben ihren Betrieb eingestellt. Ein Fischsterben aufgrund der ausgelaufenen Salpetersäure wird nicht ausgeschlossen.

          Keine Verletzten - Unglücksursache immer noch unklar

          Zu Verletzten kam es bei dem Brand nicht, und auch die Giftwolke, die über Duisburg hinweg trieb, erwies sich nach Messungen des Landesumweltamtes als ungefährlich. Eine Gefahr für die Bevölkerung hat nach Worten einer Bayer-Sprecherin zu keiner Zeit bestanden. Die Anwohner seien jedoch vorsorglich gebeten worden, Fenster und Türen zu schließen. In Krefeld blieben mehrere Kindergärten und Schulen geschlossen, Teile des Bayer-Werks wurden evakuiert. Das Einatmen der Dämpfe kann zu Bronchialkatarrh, Lungenentzündung und Verätzung der Lungenbläschen führen.

          Die Salpetersäure war zur Kunststoffherstellung bei Bayer bestimmt. Über die tatsächliche Unglücksursache besteht nach wie vor Unklarheit. Das Schiff sei frisch überholt gewesen, berichtete Bayer, und habe erst vor einem Monat ein Gütesiegel erhalten.

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