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Chefs lernen von Affen : Lausen in den Kaffeepausen

  • -Aktualisiert am

„Sie müssen lausen lernen”, rät Patrick van Veen den Kursteilnehmern Bild: Edgar Schoepal

Frei nach dem Motto „Schau zuerst, wie es die Verwandten machen“, will ein Biologe deutschen Managern das richtige soziale Verhalten beibringen. Das Vorbild: Menschenaffen. Von ihnen kann man demnach viel über Kollegen und Vorgesetzte lernen - auch das Lausen in der Mittagspause.

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          Der kleine Klaus ist ein süßer Kerl. Unablässig hüpft er um seine Mama Kiki herum. Für die etwa zwanzig Fach- und Führungskräfte, die sich im Schimpansenhaus der „Gelsenkirchener Zoom Erlebniswelt“ versammelt haben, ist es nicht leicht, die Blicke vom kleinen Klaus zu lassen. Aber die Damen und Herren sind ja schließlich nicht zum Vergnügen da. Also beobachtet auch Dieter Ertl, Produktmanager eines mittelständischen Unternehmens in Königswinter, mit Ausdauer das Verhalten von Sepp-Toni, Sita, Xandra, Dongo und macht sich auf seinem Klemmbrett Notizen dazu, wie die Schimpansen sich an einem Seil entlanghangeln, wie sie sich jagen oder wer vermutlich der Chef ist.

          Reiner Burger

          Politischer Korrespondent in Nordrhein-Westfalen.

          Patrick van Veen, ein Biologe aus den Niederlanden, gibt ein paar Hinweise, damit sich alle Seminarteilnehmer einigermaßen im Affentheater zurechtfinden. Seit 2004 bietet er sein „Apemanagement“ (Affenmanagement) vor allem für Führungskräfte an. 6000 Teilnehmer hatte er bislang in seiner Heimat und in Belgien, zudem berät er regelmäßig Firmen, die Schwierigkeiten mit internen Abläufen haben. Nun will er auch deutschen Managern beibringen, dass man von Affen viel über sich selbst, seine Vorgesetzten und seine Kollegen lernen kann – frei nach dem Motto: Schau zuerst, wie es die Verwandten machen. „Denn wir sind ja nicht nur Menschen, sondern auch Affen. Mehr als 98 Prozent unseres genetischen Materials teilen wir mit unseren engsten Verwandten, den Schimpansen.“ So gesehen sei es also verständlich, dass es am Arbeitsplatz oft zugeht wie in einer Affenhorde.

          Einer pflegt das Fell des anderen

          Van Veen lenkt die Blicke der Kursteilnehmer auf zwei Affen. Einer pflegt das Fell des anderen. Lausen sei ein schreckliches Wort für das wichtigste Verhalten, findet der Biologe. Schließlich hätten gesunde Affen keine Läuse im Fell – und lausten sich dennoch. Das Lausen verbinde die Einzeltiere, sei eine Gefälligkeit, sichere Loyalität und führe zu Wohlbefinden. „Sie müssen lausen lernen“, rät van Veen den verdutzten Kursteilnehmern. „Sich auf dem Flur zu einem Schwatz treffen, das ist unser Lausen.“ Menschen lausten ihre Vorgesetzten, um Anerkennung und ein höheres Gehalt zu bekommen.

          Seit 2004 bietet der Biologe sein „Apemanagement”  vor allem für Führungskräfte an

          Ganz wichtig sei aber auch das Lausen von oben nach unten. „Das passiert viel zu wenig. Und nur E-Mails verschicken reicht sowieso nicht.“ Während jeder Biologe lerne, genau zu beobachten, fehle in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung ein entsprechendes Training, bemängelt van Veen. Mit dem Beobachten der komplexen Sozialstruktur von Affen könne man deren instinktive Verhaltensweisen verstehen lernen, die nicht von Rationalität oder Schamgefühl behindert werden wie menschliches Verhalten.

          Koalitionsbildungen, Täuschungen, Lügen

          Im Gelsenkirchener Schimpansenhaus rät van Veen, auf ein Fernglas zu verzichten. Denn wie bei der Problemlösung im Betrieb sei es wichtig, sich erst einmal einen Überblick über das große Ganze zu verschaffen. Zuerst gelte es festzustellen, wie viele und welche Affen es im Gehege überhaupt gebe, wer etwa durch untertäniges Lippenverziehen auffalle und wer der Anführer sei. „Manager lassen sich oft von Detailinformationen leiten, die sie mit Hilfsmitteln erworben haben.“ Wie bei einem Fernglas seien Einzelheiten vergrößert, andere Informationen blieben außerhalb des Sehfelds. „Wichtig ist, nur zu beobachten, was objektiv stattfindet. Nicht gleich mit dem Interpretieren beginnen! Menschen sind schnell in Vorurteilen gefangen.“ So wie ein Manager, der davon überzeugt war, dass ein bestimmter Angestellter zu oft nicht am Arbeitsplatz sei und sich irgendwo in der Firma herumtreibe. Van Veen stellte fest, dass der Vorgesetzte fortwährend nach Bestätigung für seinen Eindruck gesucht hatte. Allerdings kam auch heraus, dass andere Mitarbeiter tatsächlich grundlos unterwegs waren.

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