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Chat-Protokoll : Klimaforscher Dettmann: Wir werden nie eine hundertprozentige Vorhersage erreichen

  • Aktualisiert am

Klimaexperte Rainer Dettmann Bild: privat

„Ist die Jahrhundertflut ein Vorzeichen für die Klimakatastrophe?“ Klimaforscher Rainer Dettmann beantwortete diese Frage im Experten-Chat.

          10 Min.

          Zum Nachlesen: Hier der Chat mit Dr. Rainer Dettmann

          Liebe Chatteilnehmer! Heute begrüßen wir im FAZ.NET-Expertentalk den Klimaforscher Dr. Rainer Dettmann von der Freien Universität Berlin.

          Herr Dr. Dettmann, vielen Dank, dass Sie uns eine Stunde zur Verfügung stehen. Meine erste Frage: Ist die Jahrhundertflut wirklich ein Vorzeichen für eine anstehende Klimakatastrophe oder müssen wir uns keine Sorgen machen?

          Rainer Dettmann: Wir hatten auch schon früher verheerende Niederschläge, die zu Hochwassern führten. Zum Beispiel Juli 1954 gab es 600 Liter Regen in Bayern und in Sachsen... In diesem Jahr waren die Schäden so katastrophal, weil in den letzten Jahrzehnten viele Flussauen stillgelegt worden sind.

          Moderator: und was passierte dadurch?

          Rainer Dettmann: Solche starken Sommerniederschläge gibt es nur alle paar Jahrzehnte, sie kommen nur vor, wenn Tiefdruckgebiete aus dem Mittelmeerraum direkt nach Mitteleuropa ziehen. In ihrem Strömungsbereich gibt es dann feuchte subtropische und tropische Luft, die zu so großen Niederschlagsmengen führen kann. Das ist im Sommer eine sehr seltene Wetterlage. Im Winter kommt so etwas häufiger vor und führt dann zu starken Schneefällen

          Eberhard: Die Diskussionen um das Ozonloch sind ruhiger geworden - es wird auch gesagt, dass eine Flutkatastrophe wie jetzt nicht dadurch verursacht wurde - stimmt das?

          Rainer Dettmann: Das Ozonloch hat mit Wettererscheinungen wie Starkniederschlägen grundsätzlich nichts zu tun. Das Ozonloch ist eine Erscheinung der Stratosphäre, also in etwa 25 Kilometer Höhe. Die Starkniederschläge werden aber durch Druckgebilde der unteren Atmosphäre verursacht, also in Höhen zwischen 0 und 10 Kilometern.

          ozonlayer: Es wird immer wieder behauptet, die Unwetter dieses Sommers seinen auf einen tiefgreifenden Klimawandel zurückzuführen. Teilen Sie diese Einschätzung?

          Rainer Dettmann: Da sind die Experten sehr uneinig. Die einen meinen, das sei erst der Anfang einer größeren Klimaveränderung, sodass solche Hochwasser in Zukunft häufiger vorkommen. Die anderen sind der Meinung wir haben diesen Sommer nur durch Zufall so viele Unwetter in Deutschland gehabt. Ich teile eher die Meinung, dass wir einfach nur Pech gehabt haben.

          joerg_kachelmann: Warum streiten sich so viele Experten um die Auslöser der Erderwärmung bzw. deren unmittelbaren Einfluss auf die Klimakatastrophen?

          Rainer Dettmann: Dass sich die Atmosphäre in den letzten Jahren erwärmt hat ist außer Zweifel. Allerdings kann man das nicht alleine dem Treibhauseffekt anlasten, denn in den 1790iger Jahren hatten wir etwa gleich hohe Temperaturwerte wie jetzt und das war lange vor der Industrialisierung. Man muss auch andere Faktoren wie zum Beispiel Änderungen der Sonneneinstrahlung in Betracht ziehen.

          poppey: Wie sieht es in ganz Europa aus? Balearen, Italien etc. hatten doch auch Überflutungen wie nie zuvor, oder?

          Rainer Dettmann: Ja, dieser Sommer war gekennzeichnet durch ungewöhnlich starke Tiefdruckentwicklungen. Deshalb gab es in vielen Teilen Europas verheerende Unwetter. Trotzdem kann man von diesem einen Sommer nicht auf einen langfristigen Trend schließen.

          Drusus: Warum findet die Meinung der "Klimakatastrophe" in der öffentlichen Diskussion so viel mehr Anklang. Repräsentiert sie die deutliche Mehrheit?

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